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Die absehbare Katastrophe: Das rapide Schwinden der Urwälder

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Abgebrannt, ...

Abgebrannt, ...

Abgebrannt, ...

... kahlgeschlagen, ...

... verwüstet.

Die letzten Urwälder der Erde verschwinden in einem rasanten Tempo.

Weltweit zerstört der Mensch Tag für Tag umgerechnet 40.000 Fußballfelder Urwald, jedes Jahr die dreifache Fläche der Schweiz.

Gerade mal ein Fünftel der Urwälder von vor 8000 Jahren existiert noch, und auch dieser Rest ist von der Vernichtung bedroht.

Mit verheerenden Folgen für das Klima und die weltweite Artenvielfalt.

Gelten die Urwälder doch als die "grüne Lunge des Planeten". Allein die tropischen Regenwälder produzieren 40 Prozent des weltweiten Sauerstoffs.

Mehr als zwei Drittel der Tier und Pflanzenarten weltweit leben in ihnen, ...

... schätzungsweise 30 Millionen.

Viele Arten sind noch nicht einmal entdeckt.

Die Vernichtung ihrer Heimat ist die Hauptursache für das Sterben von rund 30.000 Arten pro Jahr.

Das größte zusammenhängende Urwaldgebiet ist das Amazonasbecken in Südamerika. (Die roten Flecken der Aufnahme aus dem Jahr 2005 zeigen den selektiven Holzeinschlag)

Das Amazonasbecken reicht von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien bis nach Brasilien.

Mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten weltweit ist hier zu finden. Viele von ihnen, wie z.B. der Jaguar, sind jedoch inzwischen akut vom Aussterben bedroht.

Noch existieren zwei Drittel der ursprünglichen Fläche des Regenwalds, ...

... doch die Vernichtung schreitet rasant voran. (Im Bild Teile des brasilianischen Regenwalds, links 1995, rechts 1997)

Erst im Januar 2008 musste Brasiliens Regierung eingestehen, dass die zerstörte Fläche in einem Monat auf fast 1000 Quadratkilometer angewachsen ist - eine Fläche, größer als Hamburg.

"Nie zuvor hatten wir zu dieser Jahreszeit solch eine große Zerstörungsrate festgestellt", sagt Gilberte Camara, Leiter des "Nationalen Instituts für Weltraumforschung".

Ein besonderes Problem ist der illegale Holzeinschlag.

80 Prozent der Abholzungen werden ohne Genehmigung durchgeführt, so die brasilianische Umweltbehörde IBAMA.

Die treibende Kraft hinter der Abholzung ist laut Greenpeace die Mahagoni-Mafia. Für sie lohnt sich das Geschäft.

Bis zu 1.600 Dollar werden für ein Kubikmeter Magahoni auf dem Weltmarkt gezahlt.

Aus dem begehrten Holz lässt sich so manches Luxusgut herstellen: Vom glänzenden Kajak ...

... bis hin zum modischen Sarg für die Ewigkeit.

Auch Zellstoff-Produzenten roden den Tropenwald in Brasilien ...

... und ersetzen ihn durch Eukalyptus-Monokulturen - für Taschentücher, Toilettenpapier oder Windeln.

Für den Abtransport der Baumstämme werden eigens tausende Kilometer Straßen im Urwald angelegt.

In deren Gefolge kommen weitere Nutznießer und Abenteurer:

Wilderer, Siedler, Goldsucher.

Auf der Jagd nach Gold vergiften die Goldsucher oft noch die Gewässer mit Quecksilber.

Auch die Ölindustrie trägt zur Zerstörung des einmaligen Amazonas-Gebiets bei.

Regelmäßig kommt es in den Regenwäldern im Osten Ekuadors zu einer Ölpest, wenn wieder einmal eine Pipeline platzt.

Die Regionen der Erdölförderung sind mittlerweile flächendeckend verseucht.

Eine zunehmende Gefahr sind besonders in Brasilien und Argentinien auch die Brandrodungen für Soja-Plantagen.

Das Soja wird als Futter für die Massentierhaltung vor allem nach Europa und in die USA verschifft.

Seit es infolge der BSE-Krise in Europa verboten ist, tierisches Eiweiß zu verfüttern, ist Soja zu begehrtem Tierfutter geworden.

Wer sich den Brandrodern oder Holzfällern im Amazonasgebiet in den Weg stellt, lebt gefährlich.

Anfang 2005 wird die "Urwald-Nonne" Dorothy Stang erschossen.

Sie hatte sich immer wieder für den Erhalt des Regenwalds eingesetzt.

Besonders im brasilianischen Bundesstaat Pará scheint noch ungebrochen das Recht des Stärkeren zu gelten.

Nach Angaben von Greenpeace sind Polizei und Justiz vielfach nicht präsent oder selbst Teil der Mafia.

Allein in den vergangenen 33 Jahren werden den Umweltschützern zufolge 772 Menschen ermordet, weil sie sich der Zerstörung des Regenwaldes widersetzten.

Nur in drei Fällen kommt es zu einer Gerichtsverhandlung.

Dabei warnen Wissenschaftler und Umweltschützer immer wieder vor den Folgen der Urwaldzerstörung im Amazonasbecken.

"Die Wichtigkeit des Amazonaswaldes für das Weltklima darf nicht heruntergespielt werden", meint Dan Nepstad vom Woods Hole Research Center in Massachusetts.

Seinen Berechnungen zufolge können 55 Prozent des Amazonas-Regenwaldes bis zum Jahr 2030 zerstört werden, wenn es so weitergeht wie bisher.

In diesem Falle könnten bis zu 96 Milliarden Tonnen Kohlendioxid zusätzlich freigesetzt werden.

Schon jetzt trägt die Vernichtung der Regenwälder 20 Prozent zur weltweiten Kohlendioxid-Emission bei.

Noch schlechter als in Südamerika steht es in Afrika um die tropischen Wälder. Gerade mal acht Prozent unberührten Urwald gibt es hier noch.

Nach dem Amazonasgebiet ist das Kongo-Becken in Zentral-Afrika der zweitgrößte zusammenhängende Regenwald.

Zwei Drittel der Pflanzen und ein Drittel der Vögel sind hier einzigartig.

Doch der Wald und seine Bewohner sind ebenfalls bedroht - durch Holzeinschlag, Brandrodung, Landwirtschaft, Bürgerkriege und Minenbau.

Viele Holzfirmen beuten schon seit Kolonialzeiten die afrikanischen Wälder aus, vor allem für Europa.

Laut Greenpeace besitzen deutsche Firmen im Kongo Konzessionen für Einschlagsflächen von mehr als vier Millionen Hektar.

Das Holz findet sich dann in Deutschland wieder - in Fenstern, Türen, Toilettensitzen.

Der Abbau von Coltan ist ein weiterer Grund für die Urwaldzerstörung im Kongo.

Das Erz wird vor allem von Handy- und Computerherstellern benötigt.

Hier gilt das gleiche wie in anderen Urwäldern: Für die Minen und die Holzindustrie werden immer mehr Straßen in die Urwaldgebiete gehauen.

Ist erstmal eine Straße da, sind auch schnell die Wilderer angelockt, die die Waldarbeiter und Städter mit Frischfleisch versorgen wollen.

Gorillas, Schimpansen und zahlreiche andere Arten stehen inzwischen kurz vor der Ausrottung.

Vom Aussterben bedroht ist auch der Orang-Utan, der rote "Waldmensch", in Asien.

Dort wird seine Heimat, der Regenwald, in rasantem Tempo vernichtet.

In Indonesien, dem Land mit der größten Regenwaldfläche nach Brasilien, gab es 2005 noch rund 80 Millionen Hektar Regenwald.

Jedes Jahr verschwinden hier mindestens 2 Millionen Hektar - mehr als die Hälfte durch Waldbrände und illegale Abholzungen.

In Sumatra könnte der Regenwald Umweltschützern zufolge in fünf, auf Borneo in zehn Jahren nur noch eine Erinnerung sein.

Laut Greenpeace wird vor allem seit der Tsunami-Katastrophe von 2005 in Indonesien wieder mehr Holz illegal geschlagen.

Um die zerstörten Wohnhäuser wieder aufzubauen, wird das Holz oft an Hilfsorganisationen verkauft.

"Auch deutsche Spendengelder werden direkt an die Holzmafia gezahlt", warnt Greenpeace.

Für die zunehmende Bevölkerung werden zudem tausende Quadratkilometer Urwald brandgerodet und in Ackerland umgewandelt.

Ein weiterer Grund für die Zerstörung ist meist sogar legal: Der Anbau von Palmöl.

Dank der Biodiesel-Kampagnen in den USA und der EU wächst weltweit die Nachfrage nach dem Rohstoff.

Hinzu kommt: Allein 2007 erzeugt Deutschland 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl.

Und: Zehn Prozent aller deutschen Supermarktprodukte enthalten inzwischen das Fett.

Für Devisen verwandelt Indonesien daher große Gebiete in Palmöl-Plantagen. 5,4 Millionen Hektar sind es bereits, 3,6 Millionen sollen hinzukommen.

Um die gerodeten Flächen schnell anbaufähig zu machen, lassen die Konzerne die meterhohen Torfschichten oft von Brandstiftern anstecken.

In Indonesien verursachen die Torfbrände inzwischen Emissionen von 600 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das Entwicklungsland ist heute der drittgrößte CO2-Produzent weltweit.

Auch in Australien sind die Urwälder bedroht. Im tasmanischen Styx Valley wachsen die weltweit größten Hartholzbäume.

Sie sind bis zu 95 Meter hoch und haben einen Durchmesser von bis zu 5 Metern, viele von ihnen sind mehr als 400 Jahre alt.

Umweltschützer beklagen, dass die alten Bäume völlig kahlgeschlagen und mit Napalm-Brandsätzen aus der Luft bombardiert werden.

Was von ihnen übrig bleibt, landet schließlich in japanischen Papierfabriken.

Auch die nordischen Urwälder in Finnland, Schweden, Russland, Kanada und Alaska schrumpfen rapide.

Dabei bilden sie mit mehr als zwölf Millionen Quadratkilometern Fläche das größte Waldökosystem der Erde.

Bären, Wölfe, Adler, Falken und Elche sind hier beheimatet.

Allein im kanadischen Quebec gibt es noch mehr als 660.000 Quadratkilometer unberührten Urwald - eine Fläche fast doppelt so groß wie Deutschland.

Seit 1975 haben allerdings Holzunternehmen in Kanada rund 150.000 Quadratkilometer Wald gefällt.

Weitere Urwälder fallen der Öl- und Gasförderung, dem Bergbau und dem Bau von Wasserkraftanlagen zum Opfer.

Um den weltweit wachsenden Papierhunger zu stillen, verarbeiten Konzerne das Holz zu Zellstoff für die Papierproduktion.

Laut Greenpeace produzieren allein Finnland und Schweden jährlich 20 Millionen Tonnen Papier - für Bücher, Windeln, Zeitschriften ...

Die Käufer sitzen vor allem in Japan, den USA und Europa. Sie verbrauchen zwei Drittel des weltweit produzierten Papiers - ...

... Papier, das zum Teil aus 800 Jahre alten Bäumen hergestellt worden ist.

In Schweden und Finnland gibt es inzwischen weniger als fünf Prozent des ursprünglichen Urwaldes.

Russland verkauft große Teile seines Waldes vor allem an Finnland, laut Greenpeace acht Millionen Kubikmeter jährlich.

Die sibirischen Schneewälder werden zudem durch die zunehmende Ölförderung bedroht - ...

... und mit ihnen unter anderem der vom Aussterben bedrohte Sibirische Tiger. Gerade mal 4000 Großkatzen leben hier noch in freier Wildbahn.

Für sie und unzählige andere Arten gilt das Gleiche wie für ihre Heimat, die Urwälder:

Einmal verschwunden, gibt es keine Wiederkehr. (Text: Gudula Hörr)

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