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Hühnerhaltung in Deutschland: Endlich das Gelbe vom Ei?

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Die traditionelle Käfighaltung – auch Legebatterie genannt – ist in Deutschland seit Januar 2010 endgültig verboten. Die Übergangsfristen, in denen Landwirte ihre Hühnerhaltung umstellen konnten, sind abgelaufen. (Foto: © PETA)

Die traditionelle Käfighaltung – auch Legebatterie genannt – ist in Deutschland seit Januar 2010 endgültig verboten. Die Übergangsfristen, in denen Landwirte ihre Hühnerhaltung umstellen konnten, sind abgelaufen.

Die traditionelle Käfighaltung – auch Legebatterie genannt – ist in Deutschland seit Januar 2010 endgültig verboten. Die Übergangsfristen, in denen Landwirte ihre Hühnerhaltung umstellen konnten, sind abgelaufen.

Frohe Ostern also erstmals für alle Legehennen? Können wir jetzt guten Gewissens Eier essen? Sind jetzt alle Hühner glücklich?

Tatsächlich leben hierzulande nun mehr Hühner auf dem Boden als in Käfigen. Die Zahl der Hennen in Bodenhaltung (hier im Bild) stieg von Dezember 2008 bis Dezember 2009 um 85 Prozent und damit auf 13,3 Millionen Vögel.

Die Zahl der Käfighennen nahm um 60 Prozent ab. Sie sank auf 7,6 Millionen. Die Zeiten, in denen ein Huhn auf einer Fläche von 550 Quadratzentimetern lebte (was nicht einmal der Größe eines DIN A4-Blattes entspricht), sind vorbei.

Doch auch, wenn Legebatterien nun untersagt sind, heißt das nicht, dass Hennen nicht mehr in Käfigen gehalten werden.

Denn auch in der so genannten "Kleingruppenhaltung", welche die Legebatterie ablöst, leben die Vögel eingepfercht hinter Gittern. Das Bild zeigt es deutlich.

Zwar sind die Käfige nun mit Sitzstangen, Legenestern und Einstreu ausgestaltet und stellen jedem Huhn rund 250 Quadratzentimeter mehr zur Verfügung als bisher.

Doch auch auf dieser Fläche, die nicht ganz der Größe eines Aktendeckels entspricht, sind die Tiere noch stark in ihrer Bewegung eingeschränkt.

Zum Glück erklärten die meisten Supermarktketten bereits 2008, den Verkauf von Käfigeiern beenden zu wollen. Damit waren auch die neuen Kleingruppen-Eier gemeint.

In der Folge stellten immer mehr Landwirte auf Bodenhaltung um. Allerdings gelingt es nicht, die Ei-Nachfrage aus alternativen Haltungsformen zu decken. Importe sind nötig.

Denn die Deutschen verbrauchen immer mehr Eier: 2009 waren es 214 Stück pro Kopf.

Während die frei lebenden Vorfahren unserer Zuchthühner nur ein- bis zweimal im Jahr etwa fünf bis zwölf Eier legten, ...

... muss eine moderne Legehenne bis zu 300 Eier im Jahr produzieren. Weil auch das noch nicht genug ist für deutsche Konsumenten, kommen mittlerweile vier von fünf Eiern aus dem europäischen Ausland. 2009 wurden insgesamt sieben Milliarden Eier importiert, die meisten aus den Niederlanden.

Regionale Eier finden sich kaum noch in den Supermarkt-Regalen. Die Verpackung verrät übrigens nichts über die Herkunft des Inhaltes. Eier aus dem Nachbarland werden nämlich in deutsche Schachteln gepackt.

Erst am Stempel ist erkennbar, aus welchem Land und aus welcher Haltung das Frühstücks-Ei stammt: Eine "1" weist auf Freilandhaltung hin, eine "2" auf Bodenhaltung, eine "3" auf Käfighaltung. Eine "0" steht für ökologische Produktion. Dahinter folgt die Abkürzung des Herkunftslandes.

"DE" steht dabei für Deutschland, "FR" für Frankreich, "EN" für England, "NL" für Niederlande, etc.

Doch selbst bei Konsumenten, die sich konsequent für Eier aus alternativen Haltungsformen entscheiden, ...

... gelangen Käfigeier auf den Teller. Nur sind die gut getarnt.

Sie stecken in Eiernudeln, ...

Backwaren ...

... und Fertiggerichten. Jedes dritte in Deutschland verkaufte Ei wandert in die Lebensmittelherstellung.

Fast alle Nudelhersteller in Deutschland haben allerdings mittlerweile angekündigt, auf die Verarbeitung von Käfigeiern zu verzichten. Trotzdem ist es besser, zu Nudeln aus reinem Hartweizengrieß zu greifen.

Denn auch bei Eiern aus alternativen Haltungsformen gibt es bedenkliche Praktiken, wie etwa …

... das Töten aller männlichen Küken. Da Hähne keine Eier legen, sind sie in der Legehennen-Industrie überflüssig. Sie großzuziehen und später ihr Fleisch zu verkaufen, lohnt sich nicht, denn in der Fleischproduktion besteht kein Mangel an Geflügel. Zudem sind Eier-Hühner keine Mast-Hühner.

Also werden die Hahnenbabys – rund 40 bis 45 Millionen pro Jahr und die Hälfte aller Küken überhaupt - nach dem Schlüpfen aussortiert, ...

... mit Gas getötet und anschließend einfach weggeworfen. Eintagsküken werden sie genannt.

Auch sonst ist der Umgang mit dem Huhn durchaus nicht das Gelbe vom Ei.

Auch Bodenhaltung ist häufig Massentierhaltung. Die Hühner sitzen meist zu Tausenden in Fabrikhallen und können sich kaum fortbewegen. Etwa sieben Hühner drängen sich auf einem Quadratmeter.

Damit sich die Tiere unter diesen Umständen nicht gegenseitig verletzen können, werden ihnen oft mit heißen Klingen die empfindlichen Schnabelspitzen abgeschnitten.

Durch den Platzmangel sind die Vögel dauerhaft gestresst und drehen regelrecht durch. Häufig sitzen sie in ihrem Kot, manchmal sogar zwischen toten Artgenossen.

Bei Bio-Hühnern ist das Schnabelkürzen verboten. Hier - in der ökologischen Freilandhaltung - haben die Tiere auch weitaus mehr Platz. Jeder Henne stehen mindestens vier Quadratmeter zur Verfügung.

Neben dem Auslauf spielt in der ökologischen Haltung das Futter eine entscheidende Rolle: Öko-Hennen bekommen weder Fischmehl noch Industriefutter oder chemisch behandelte Pflanzen zu fressen. Doch die Herdengrößen sind meist auch unter Bio-Hühnern nicht artgerecht.

Hühner können sich maximal 50 Artgenossen merken. Sind mehr Tiere in der Gruppe, kommt es zu sozialen Konflikten.

Dann treten auch unter Bio-Hennen Probleme wie das so genannte Federnpicken (Ausrupfen) und sogar Kannibalismus auf.

Wer wirklich etwas für die Tiere tun will, sollte Eier daher direkt beim Bauern seines Vertrauens kaufen und Kuchen selber backen.

Und wer ganz konsequent ist, lebt - wie es die Tierschutzorganisation PETA fordert - nicht nur vegetarisch, sondern vegan, und verzichtet in der Ernährung auf Eier und eihaltige Lebensmittel.

Wenn wir von glücklichen Hühnern in Deutschland sprechen, begackern wir meist leider immer noch ungelegte Eier.

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