Bilderserie

Von lecker bis zerstörerisch: Neobiota fern der Heimat

Bild 1 von 34
Neobiota. Es klingt wie ein Medikament oder ein Kosmetikprodukt. Doch Neobiota sind die Tiere, Pflanzen und Pilze, die seit 1492, seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, Länder besiedeln, welche sie ohne den Menschen nicht erreicht hätten.

Neobiota. Es klingt wie ein Medikament oder ein Kosmetikprodukt. Doch Neobiota sind die Tiere, Pflanzen und Pilze, die seit 1492, seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, Länder besiedeln, welche sie ohne den Menschen nicht erreicht hätten.

Neobiota. Es klingt wie ein Medikament oder ein Kosmetikprodukt. Doch Neobiota sind die Tiere, Pflanzen und Pilze, die seit 1492, seit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, Länder besiedeln, welche sie ohne den Menschen nicht erreicht hätten.

Neobiota reisten damals wie heute auf Schiffen mit, ...

... nutzen in jüngerer Zeit gern auch den Frachtraum eines Flugzeugs als blinder Passagier, ...

... werden mitunter bewusst zur Züchtung eingeführt, ...

... büxen dann aber aus und etablieren sich in freier Wildbahn (Nandus in Nordwestmecklenburg machen vor, wie's geht), ...

... oder werden, wie einst die Mufflons, als potenzielle Jagdbeute fern der Heimat ausgesetzt.

Manch eingewanderte Pflanze avancierte hierzulande zum Grundnahrungsmittel, ...

... manches Tier integrierte sich (so zum Beispiel die ursprünglich aus Nordamerika stammende Bisamratte), ...

... wieder andere werden zur optischen Bereicherung, ...

... und nur wenige der Neobiota richten in ihrer neuen Lebensumgebung Schäden an. Das gilt zum Beispiel für die Chinesische Wollhandkrabbe. Sie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Handelsschiffen eingeschleppt und hat sich mittlerweile in der Elbe kräftig vermehrt. In Asien gelten die Krabben als Delikatesse, in Europa sind sie eher eine Bedrohung für andere Wasserbewohner.

Die Allesfresser haben hier kaum natürliche Feinde, graben Höhlen in Deiche und Dämme und machen Reusen unbrauchbar. - So invasiv wie die Wollhandkrabbe ist nur ein kleiner Prozentsatz der Neobiota. Nur wenige der eingewanderten Tiere und Pflanzen gefährden einheimische Arten, schleppen Parasiten ein, richten wirtschaftliche Schäden an oder stellen ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar.

Letzteres trifft auf die Auwaldzecke zu. Sie kommt ursprünglich aus Ungarn, Österreich und Norditalien. In Deutschland ist sie erstmals 1973 am Oberrhein entdeckt worden. Mittlerweile gibt es sie auch in Brandenburg.

Eingeschleppt wurde die Auwaldzecke, die größer ist als andere Arten, wahrscheinlich durch Hunde. Auwaldzecken können die gefährliche Babesiose übertragen. Bei Hunden verläuft diese Krankheit wie die menschliche Malaria. Bisher wurden meist die Vierbeiner von der Auwaldzecke befallen, doch sie beißt auch Menschen.

Ebenfalls gefährliche Parasiten: die Varroa-Milben. Von ihnen sind ausschließlich Honigbienen betroffen. Die Varroa-Milben gelangten nach 1977 nach Deutschland, als Wissenschaftler asiatische Bienen für Forschungszwecke eingeführt hatten. Unbemerkt war auch der Parasit mitgekommen. Während die asiatischen Bienen mit ihm zurechtkommen, brechen europäische Bienenvölker komplett zusammen.

Die Varroa-Milbe gilt als eine der Hauptursachen für den großen Bienentod im Winter 2002/2003. Damals starben rund 30 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland.

Hübsch anzusehen, aber doch eine Plage: der Asiatische Marienkäfer. Er kommt aus Japan und China und wurde Ende des 20. Jahrhunderts nach Europa gebracht, um Schädlinge zu bekämpfen.

Seit 2002 breitet sich der Käfer auch in Deutschland aus. Er vermehrt sich schneller als der einheimische Marienkäfer und vertilgt das Fünffache an Blattläusen. Damit besteht die Gefahr, dass der einheimische Marienkäfer bald Geschichte ist.

Gleiches könnte für das Eichhörnchen gelten. Denn das Grauhörnchen, das aus den USA und Kanada nach England, Irland und Italien gelangte, breitet sich allmählich nach Mitteleuropa aus. In England ist das Eichhörnchen durch die graue Konkurrenz mittlerweile fast ausgestorben.

In Deutschland sind rund 1500 nicht-einheimische Tierarten registriert. Auch der Ochsenfrosch gehört dazu. Er vermehrt sich rasant und steht mit allen einheimischen Amphibien in Nahrungskonkurrenz. Ochsenfrösche fressen alles, was sie überwältigen können.

Der Ochsenfrosch stammt aus Nordamerika. Der europäische Zoohandel verkauft Ochsenfrosch-Kaulquappen für Gartenteiche. Doch die Tiere wandern ab, und so entstehen Ochsenfrosch-Populationen in freier Wildbahn.

Bleiben wir beim Wasser: Mit dem internationalen Schiffsverkehr kam die Schiffsbohrmuschel in die Nordsee. Diese Muschel hat ihre Schale nicht zum Schutz ihres Körpers, sondern ...

... um sich in Holz zu bohren - in das Holz von Schiffswänden, Pfahlbauten, Treibgut. Die Schiffsbohrmuschel gilt als gefährlich, weil sie hölzerne Küstenschutzanlagen zerstört.

Eine so offensichtlich zerstörerische Kraft wie die Schiffsbohrmuschel haben nur wenige Neobiota. Beim Waschbier zum Beispiel streiten sich die Experten darüber, ob er als invasiv zu beurteilen ist oder nicht. Aus Nordamerika stammend, wurde er schnell in Mitteleuropa heimisch, nachdem er aus Gehegen ausgerissen war oder ganz bewusst zur Jagd ausgesetzt wurde.

Der Waschbär hat im europäischen Raum keine natürlichen Feinde und vermehrt sich schnell. Während Förster und Jäger geschützte Vogelarten und heimische Raubtiere vom Waschbären bedroht sehen, weisen Zoologen darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Waschbärvorkommen und Bestandsrückgang anderer Arten noch nicht wissenschaftlich untersucht wurde.

Auch unabhängig vom Waschbären warnen Forscher vor Panikmache. Noch ist in Mitteleuropa keine Tierart durch die Konkurrenz eines nicht-einheimischen Tieres ausgerottet worden.

Das ist auch in der Welt der Pflanzen nicht anders. Bei der Robinie ist Handeln mit Augenmaß gefragt. Der aus Nordamerika stammende Baum verbreitet sich schnell, und er verdrängt so viele Arten wie zurzeit keine andere eingewanderte Pflanze.

Wo die Robinie wächst, verändert sich die chemische Zusammensetzung des Bodens. Schützenswerte Magerstandorte mit seltenen Pflanzen werden dann plötzlich überdüngt. Die Artenvielfalt reduziert sich schnell und deutlich. Ursprünglich war die Robinie als Zierpflanze nach Europa importiert worden.

Auch die Herkulesstaude, auch Kaukasischer Bärenklau genannt, kam als Zierpflanze nach Mitteleuropa. Sie war ein Geschenk des russischen Zaren Alexander I. an Fürst Metternich. 2008 wurde die Herkulesstaude zur Giftpflanze des Jahres gewählt.

Eine Berührung der Herkulesstaude kann zu Hautentzündungen, Blasen und Verbrennungen führen.

Ebenfalls gesundheitsgefährdend, aber auf eine andere Art, ist das Beifußblättrige Traubenkraut, kurz Ambrosia. Über Vogelfutter wurde die aus Nordamerika stammende Pflanze nach Europa eingeschleppt. Ambrosia hat das weltweit stärkste Pollen-Allergen. Es lässt Augen tränen und jucken und löst Kopfschmerzen und Heuschnupfen aus.

Nach Meinung von Biologen muss die weitere Ausbreitung der Pflanze verhindert werden. Dafür ist es nötig, die Stängel mitsamt Wurzel aus dem Boden zu reißen.

Nicht gesundheitlich riskant, aber ökologisch bedenklich ist der Japanische Staudenknöterich. Er wurde 1825 als Zier- und Futterpflanze aus Ostasien nach Europa gebracht und breitete sich explosionsartig aus.

Es scheint reizvoll, den Staudenknöterich zur Biomassegewinnung einzusetzen, doch Felder, auf denen er wächst, lassen sich für keine andere Pflanze mehr nutzen. In Deutschland werden jedes Jahr fast 40 Millionen Euro zur Bekämpfung des Staudenknöterichs ausgegeben.

Durch den Klimawandel werden noch viele andere Tiere und Pflanzen eine neue Heimat bei uns finden. Einige von ihnen setzen vielleicht nachhaltige Veränderungen in Gang. Doch wie der Rostocker Zoologe Ragnar Kinzelbach betont, ist ein Ökosystem auch ohne Neobiota kein Zustand, sondern vielmehr ein Vorgang. "Einwanderung", so sagt er, "ist ein Motor der Evolution."

weitere Bilderserien