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Bedrohter Einzelgänger: Tiger ohne Lebensraum

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Ein internationales Forscherteam schlägt im Fachblatt "Current Biology" Alarm: Nur noch rund 3000 Tiger leben in freier Wildbahn.

Ein internationales Forscherteam schlägt im Fachblatt "Current Biology" Alarm: Nur noch rund 3000 Tiger leben in freier Wildbahn.

Ein internationales Forscherteam schlägt im Fachblatt "Current Biology" Alarm: Nur noch rund 3000 Tiger leben in freier Wildbahn.

Der Tiger: Er wird gefürchtet und ...

... bewundert zugleich. Der Tiger ist die größte Raubkatzenart der Welt, der eigentliche König der Tiere. Allerdings ohne Hofstaat - und ohne Raum zum Leben.

Der Tiger ist Einzelgänger, Jäger und Gejagter.

Ihm werden Stärke, Dynamik, Kraft und Raffinesse bei der Jagd nachgesagt.

Aus diesem Grund wird er gern als Werbefigur eingesetzt.

Mit dem Slogan "Pack den Tiger in den Tank" verarbeitete das Mineralölunternehmen Esso die Eigenschaften des Tieres in seiner Werbung.

Der Kellogg's-Tiger und Zucker sollen vor allem Kindern so genannte Frühstückszerealien schmackhaft machen und den "Tiger" in ihnen wecken.

Der Boxer Dariusz Michalczewski bekam wegen seines offensiven Boxstils den Spitznamen "Tiger".

Den wahren Vornamen des Profigolfers Tiger Woods kennen die wenigsten von uns. Er heißt Eldrick, was sich nicht halb so gut vermarkten lässt.

Aber zurück zum Tier. Typisch für alle Tiger sind die Streifen auf dem goldgelben bis rotorangefarbenen Fell, nur die Unterseite des Tigers ist weiß.

Die tigertypischen Streifen ziehen sich über den gesamten Körper des Tieres bis zur Schwanzspitze.

Jeder Tiger ist individuell gezeichnet. Die eigentlich auffällige Fellfärbung kombiniert mit schwarzen Steifen sind in freier Natur eine perfekte Tarnung für das Tier.

Tiger haben meistens ein kurzes Fell, ...

... nur der Sibirische Tiger trägt wegen des kalten Klimas ein dichtes und bis zu zehn Zentimeter langes Haarkleid.

Tiger sind gewöhnlich Einzelgänger und leben in einem mit Urin, Kot oder Kratzspuren markiertem Revier. Nur zur Paarung treffen sich Männchen und Weibchen. Tiger sind mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif.

Tigerinnen sind ca. 100 Tage trächtig, bringen meistens ein bis drei Junge zur Welt und leben mit ihrem Nachwuchs bis zu drei Jahre zusammen.

In dieser Zeit sind sie besonders aggressiv, da ein in ihr Territorium eindringendes Männchen die Jungen töten könnte.

Tiger können 15 bis 25 Jahre alt werden.

Je nach Art unterscheiden sich Größe und Gewicht der Tiger erheblich. Insgesamt leben nur noch sechs (von ursprünglich neun) verschiedene Tigerarten auf der Erde.

Sibirische oder auch Amur-Tiger werden am größten. Ein männliches Tier kann bis zu 300 Kilogramm schwer werden ...

... und eine Gesamtkörperlänge von mehr als drei Metern erreichen. Weibliche Tiere sind etwas kleiner.

Der Sumatra-Tiger ist die kleinste noch lebende Tigerart. Diese Tiere bringen im ausgewachsenem Zustand je nach Geschlecht 100 bis 150 Kilogramm auf die Waage.

Der so genannte "Weiße Tiger" kommt nur bei der zweitgrößten Unterart, dem Indischen Tiger vor und ist in der Natur höchst selten. Diese Unterart wird auch als Bengal- oder Königstiger bezeichnet.

Die Teilalbinos sind bis heute besonders beliebt in Tiergärten und Zirkussen.

Es sind extra gezüchtete Farbformen, für die Sibirische Tiger eingekreuzt werden. Die Jungen kommen dann in mehreren Farbvariationen vor: weiß mit schwarzen Streifen, gelb mit blassen Streifen und ganz weiß, die so genannten Schneetiger.

Weltbekannt für ihre übertriebene Liebe zu weißen Tigern ist das Magierduo Siegfried und Roy, das auf schmerzhafte Weise erfahren musste, dass auch mit der Hand aufgezogene Tiere gefährliche Raubkatzen bleiben, ...

... denn Tiger besitzen die typischen Merkmale für Raubtiere. (Wolfatrappe in einem Zoo)

Der gesamte Körper des Tieres ist ideal auf die Jagd ausgerichtet.

So haben die Tiere an allen vier Pranken einziehbare Krallen, die bis zu zehn Zentimeter lang sein können.

Das Raubtiergebiss der Großkatze ist mit vier rund sechs Zentimeter langen Reißzähnen ausgestattet.

Immer wieder greifen Tiger in schlecht gesicherten Gehegen oder Käfigen Menschen an. Der Instinkt der Raubkatze zu jagen, ...

... scheint auch in Gefangenschaft nicht verloren zu gehen. Dieser indische Zoobesucher wollte nur ein Foto von dem imposanten Tier machen, steckte seine Kamera durch die Gitterstäbe und wurde getötet.

Auch wenn Tiger eher selten Menschen angreifen, scheinen sich einige Exemplare im Gangesdelta auf Menschenfleisch spezialisiert zu haben. Es wird vermutet, dass diese Tiere Menschen bevorzugen, weil sie relativ einfach zu jagen sind.

Die Tiere dringen allerdings nicht in Dörfer oder Siedlungen ein, sondern töten Menschen, die sich in ihrem Revier aufhalten.

Menschen dagegen dringen bis heute in den Lebensraum des Tigers ein, um die Tiere zu jagen. Vor allem in den 1950er Jahren galt eine Tigerjagd als besonders chic und sorgte für Prestige.

Tiger töten Menschen und Menschen töten Tiger, aber meist aus nichtigem Grund.

Zum einen besteht die Angst vor direkten Angriffen der Tiere gegen den Menschen oder dessen Vieh.

Zum anderen sind "Tigerprodukte" wie Felle, Knochen, Zähne weltweit begehrte Trophäen, mit denen sich ein lukratives Geschäft machen lässt.

Für ein Tigerfell wurde noch in den 1990er Jahren auf dem weltweiten Markt bis zu 2500 Dollar gezahlt. Für ein ganzes Skelett bekam der Wilderer damals ganze 5000 Dollar.

Nach dem nationalen Handelsverbot in China, das 1993 durchgesetzt werden konnte, dürften die Preise um ein Vielfaches gestiegen sein, denn die Nachfrage nach Tigerprodukten bleibt groß und zwar nicht nur im asiatischen Raum.

Tigerknochen, Tigerzähne Tigeraugen, Tigerbarthaare - in Medikamenten der traditionellen Chinesischen Medizin finden alle Teile der Raubkatze seit mehr als tausend Jahren eine Verwendung.

Augäpfel und Barthaare der Tiere sollen beispielsweise gegen Kopfschmerzen und Erbrechen helfen.

Andere Körperteile werden als Aphrodisiakum eingesetzt.

Die Wilderei ist allerdings nicht hauptsächlich für den dramatischen Rückgang der Bestandszahlen der Tiger verantwortlich.

Die größte Bedrohung der Tiere ist der allmähliche Verlust ihres Lebensraumes. Tiger sind auf eine dichte Vegetation, ein ausreichendes Beutetierangebot ...

... und den Zugang zum Wasser angewiesen.

93 Prozent des ursprünglichen Tigerlebensraumes sind in den letzten 150 Jahren durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung verschwunden.

Ein Folge daraus: Auch die typischen Beutetiere der Tiger, wie Antilopen, Hirsche, Schafe, Ziegen und Wildschweine verschwanden.

Lebten vor 100 Jahren noch ungefähr 100.000 Tiere auf der Erde, sind es derzeit nur noch rund 3000.

Die rund 4000 Tiger, die in so genannten Tigerfarmen in China gezüchtet werden sowie zahlreichen Zootiger sind in dieser Zahl nicht berücksichtigt.

Weltweit gibt es 15.000 bis 20.000 Tiger in Zoos, Zirkussen oder im Privatbesitz. Sie weisen oft eine höhere genetische Vielfalt als ihre freilebenden Artgenossen auf, ermittelten nun die Wissenschaftler um Stephen O`Brian vom National Cancer Institute in Frederick.

Der sibirische Tiger ist besonders gefährdet. Mit lediglich 360 bis 450 Tieren ist der Bestand weit geschrumpft.

So gut wie aussichtslos ist allerdings der Erhalt des Südchinesischen Tigers. Bei dieser Art wird von lediglich 20 bis 30 wildlebenden Tieren ausgegangen.

Der Bestand der Sumatra-Tiger wird derzeit auf 400 bis 500 Tiere geschätzt. Es ist die letzte Insel-Unterart, die bis heute überleben konnte. Bali- und Java-Tiger wurden bereits ausgerottet. (Zahlen: WWF 2004)

Die Tigerbestände nehmen schnell und drastisch ab. (Verbreitungsgebiete des Tigers 1900 und 1990)

Um dem Einhalt zu gebieten, versuchen Tierschutzorganisationen das Bewusstsein der Menschen für den Erhalt der Tiger zu wecken - wie in Indien mit dieser Fotomontage.

In drei indischen Staaten bekommen die Menschen bereits Kompensationszahlungen für von Tigern gerissenes Vieh.

Ein ausgewachsenes Tier kann 18 bis 40 Kilogramm Fleisch auf einmal fressen. Es jagt 50 bis 75 große Huftiere im Jahr.

Zahlreiche Tigerschutzprojekte kämpfen auf internationaler Ebene für den Erhalt der wildlebenden Bestände.

Auch Auswilderungen aus Zuchtprojekten sollen dazu beitragen.

Zoos und Tiergärten betreiben großen Aufwand, um Tiger-Nachzuchten am Leben zu erhalten.

Hunde werden oftmals als Ersatzmütter für die Tigerbabys eingesetzt.

Tigernachwuchs ist ein Publikumsmagnet in jedem Zoo.

Heute leben bereits fünf bis sieben Mal mehr Tiger in Gefangenschaft als in der Natur.

Schade. Für das wilde Tier und den Menschen. (Alle Bilder: AP, dpa, wikipedia)

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