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Bunt, bereichernd, bedroht: Urvölker dieser Erde

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Als weltweit ältestes Urvolk gelten die San. Der Begriff steht für eine Reihe ethnischer Gruppen, die in der Kalahari-Wüste des südlichen Afrika leben. (Foto: REUTERS)

Als weltweit ältestes Urvolk gelten die San. Der Begriff steht für eine Reihe ethnischer Gruppen, die in der Kalahari-Wüste des südlichen Afrika leben.

Als weltweit ältestes Urvolk gelten die San. Der Begriff steht für eine Reihe ethnischer Gruppen, die in der Kalahari-Wüste des südlichen Afrika leben.

Die San waren nicht nur die ersten Bewohner Afrikas, möglicherweise stehen sie sogar an der Wurzel des menschlichen Stammbaums insgesamt.

Einst lebten sie als Jäger und Sammler. Heute können dieser Tradition ...

... nur noch wenige der rund 100.000 noch existierenden San nachgehen. Die Ureinwohner von Botswana, Namibia, Südafrika, Angola, Sambia und Simbabwe werden diskriminiert und vertrieben. Sie gelten als "Menschen zweiter Klasse".

In Botswana wurde ihnen die Jagd verboten. Selbst aus einem eigens für sie errichteten Reservat wurden sie verdrängt und schließlich abtransportiert. Der Grund: Das Gebiet ist reich an Diamanten.

Heute leben die San größtenteils in Umsiedlungsgebieten. Sie sind von Zuteilungen der Regierung abhängig. Alkoholismus, Depressionen, Tuberkulose und Aids machen sich breit - Probleme, die die San vorher nicht kannten.

Schauplatzwechsel. Die größte indigene Bevölkerungsgruppe lebt in Indien. Rund 82 Millionen Menschen gehören zu den Adivasi, den "ersten Menschen".

Obwohl die indische Verfassung ihnen besondere Rechte gewährt, werden sie nach wie vor oft als minderwertig betrachtet und diskriminiert. 90 Prozent der Adivasi leben unterhalb der Armutsgrenze.

Zusammen mit den unberührbaren Kasten gehören sie zu den ärmsten Menschen Indiens. Die Adivasi leben von Ackerbau, Viehhaltung und Handwerk, wobei es stets nur um die eigene Versorgung geht. Sie pflegen eine spirituelle Beziehung zu ihrem Land.

Ihre Verbindung zur Natur ist groß. Daneben bestimmt eine ganzheitliche Religion ihr Leben. Sie geht mit ...

... traditionellen Tänzen und Festen einher.

20 bis 25 Millionen Menschen dieser Welt gehören zu den Masiren, den nicht-arabischen Ureinwohnern Nordafrikas. Die frühen Kolonialherren hatten ihnen den Namen Berber gegeben.

In Marokko sind mehr als 50 Prozent der Gesamtbevölkerung Masiren, ...

... in Algerien sind es 25 bis 30 Prozent.

Auch die Tuareg in den Wüsten Südalgeriens, Südlibyens, Mali, Niger und Burkina Faso sind Masiren.

In Libyen machen die Masiren immerhin zehn Prozent der Bevölkerung aus. Sie trugen maßgeblich zum Sturz Gaddafis bei, wurden bei der nachfolgenden Regierungsbildung jedoch nicht berücksichtigt. Ein masirisches Sprichwort besagt: "Besser nur von Feigen leben als im Wohlstand Unterdrückung erdulden."

Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor einer weiteren Destabilisierung Libyens. Dem Land drohe ein Rückfall in schlimmste Zeiten des Gaddafi-Regimes, wenn der Rassismus gegen Nicht-Araber und die Arabisierungspolitik nicht gestoppt würden.

12 bis 14 Millionen Menschen auf der Erde sind Quechua. So bezeichnen sich die in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Chile und Argentinien lebenden Menschen, die einen der diversen Quechua-Dialekte sprechen.

Zu den Quechua gehören viele verschiedene Ethnien.

In Peru ist Quechua seit 1969 zweite Amtssprache. Dennoch weigerte sich die Parlamentspräsidentin im Jahr 2006 hartnäckig, den auf Quechua abgelegten Eid einer neu gewählten Abgeordneten anzuerkennen.

Zu den Quechua zählen auch die in Ecuador lebenden Otavalos. Sie fertigen Textilien, die inzwischen international bekannt sind. Stoffe und Kunsthandwerk verhalfen vielen Otavalos zu Wohlstand. Sie gelten heute als das wohlhabendste Urvolk Südamerikas.

Die Textilkunst der Taquileños, einem anderen Quechua-Volk, wurde 2005 in die Unesco-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Es sind in erster Linie die Männer, die das Spinnen, Weben und Stricken bei den Taquileños übernehmen.

Die Taquileños leben auf einer Insel im peruanischen Teil des Titicaca-Sees. Sie beziehen sich bewusst auf die aus der Inkazeit stammenden Gebote "nicht stehlen, nicht lügen, nicht faul sein" und verzichten daher auf die Präsenz einer Polizeieinheit.

Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, gehen die Taquileños fischen und bauen Kartoffeln an. Außerdem ist der Tourismus - von ihnen selbst kontrolliert - zu einer bedeutenden Einnahmequelle geworden.

Tausende Kilometer weiter im Norden leben die Mayas, eine rund sechs Millionen Menschen zählende Gruppe indigener Völker in Mittelamerika. Die Lacandon-Mayas in Chiapas sind als noch sehr traditionell lebend bekannt. Doch auch bei ihnen setzen technische und wirtschaftliche Umwälzungen ein.

In Guatemala machen die Mayas 40 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Mit Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1996 wurde Guatemala als multiethnisches, mehrsprachiges Land definiert. Eine entsprechende Umstrukturierung ging damit jedoch nicht einher.

Besonders die Maya-Frauen werden stark diskriminiert und ausgegrenzt. Oft werden sie Opfer sexueller Gewalt und brutaler Ermordungen. Täter müssen nicht mit Strafverfolgungen rechnen. Von einer Achtung der Menschenrechte und Würde indigener Frauen ist Guatemala weit entfernt.

Der Norden Amerikas zählt ungefähr 2,5 Millionen Menschen, die zu indigenen Völkern gehören. In den USA sind 562 Indianerstämme anerkannt, in Kanada 615.

Einer der größten und bekanntesten Stämme sind die Oglala. Sie leben in der Pine-Ridge-Reservation in South Dakota.

Jahrhundertelang wurde der Stamm gewaltsam verfolgt und seine Kultur geächtet.

Traditionelle Lebensgrundlagen wurden den Oglala entzogen. Nur schwer ist es den Menschen heute noch möglich, sich mit ihrem Volk zu identifizieren.

Apathie, Resignation und Depression sind das Ergebnis.

60 Prozent der Lakota-Indianer, zu denen die Oglala gehören, leben unterhalb der offiziell festgesetzten Armutsgrenze.

Oft müssen bis zu 40 Personen zusammen auf einer Wohnfläche von nur 50 Quadratmetern leben.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 85 Prozent. Alkoholismus ist weit verbreitet.

Das Reservat weist innerhalb der USA die höchste Zahl an Diabetes-, Herz- und Krebserkrankungen auf. Hinzu kommen auffallend viele Selbstmorde. Auch die Säuglingssterblichkeitsrate ist hoch.

Wie die Oglala, so kämpfen auch die Inuit im Norden Kanadas und in Grönland um ihre Identität.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Leben der Inuit stark verändert. Anders als früher ziehen sie nicht mehr als Nomaden durch die Arktis, sondern wohnen in Siedlungen.

Moderne Technik ersetzte innerhalb kürzester Zeit Methoden, die sich über Jahrhunderte hinweg bewährt hatten. Schusswaffen traten an die Stelle von Harpunen und Lanzen, Schneemobile und Quads verdrängten Hundegespanne.

Auch der Klimawandel hat das Leben der Inuit verändert.

Nach und nach wurden sie zu Verbrauchern, die ihren Lebensunterhalt durch Fischen, Jagen und kunsthandwerkliche Erzeugnisse bestreiten. Auch Lohnarbeit ist üblich.

Nicht selten jedoch ist staatliche Sozialhilfe die einzige Einkommensquelle. Die Zahl der Fürsorgeempfänger liegt bei den Inuit weit über dem kanadischen Landesdurchschnitt.

Die Rückbesinnung auf die eigene Herkunft ist zu einer Herausforderung geworden, der viele Inuit nicht gewachsen sind.

Neben den Inuit in Grönland sind die Sámi, früher als "Lappen" bezeichnet, das einzige indigene Volk Westeuropas. Sie leben im Norden von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Etwa 175.000 Sámi gibt es heute.

Die Rentierhaltung ist unter den Sámi seit jeher von hoher sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Die steht nun durch den Klimawandel auf dem Spiel.

Zudem müssen die finnischen Sámi Tag für Tag erleben, dass der Staat über ihre Köpfe hinweg die letzten Urwälder Europas abholzt. Damit geht ein wichtiger Lebensraum der finnischen Ureinwohner verloren. Die Sámi selbst haben kein Besitzrecht auf das Land ihrer Ahnen.

Um Ressourcen geht es auch im Falle der westsibirischen Nenzen. Sie sind von allen indigenen Völkern Westsibiriens diejenigen, die ihre traditionelle Lebensweise, Sprache und Kultur am erfolgreichsten bewahren konnten.

Die Nenzen leben als Rentierzüchter, Fischer und Jäger.

Noch etwa 75 Prozent der rund 41.000 Nenzen sprechen ihre Muttersprache.

Doch die Heimat der Nenzen ist für Europa eine der wichtigsten Erdgasquellen der Zukunft. Mit der Erdgasförderung droht eine großflächige Vernichtung von Weidegründen und die Durchtrennung von Wanderrouten. Was mit den Nenzen und ihrer Rentierzucht geschieht, ist ungewiss.

Die größte Anzahl indigener Völker gibt es heute in Neuguinea.

Mehr als 1000 indigene Sprachen sind dort lebendig.

Doch auch hier geht der Lebensraum der Menschen verloren: Die Wälder, in denen sie zu Hause sind, müssen vor dem Zugriff großer Konzerne bewahrt werden.

Indonesien hat den größten tropischen Regenwald nach Brasilien. Für die Palmöl-Produktion aber werden die Wälder in rasantem Tempo abgeholzt.

Der Palmöl-Boom ließ Westpapua in den vergangenen Jahren immer interessanter werden für Indonesien. Es kam zu mehreren hundert Landrechtskonflikten.

Die Papua-Völker sind Opfer jahrzehntelanger Unterdrückung.

Wer Landrechte einfordert oder sich gegen die Ausplünderung der Rohstoffe durch internationale Unternehmen wehrt, riskiert seine Verhaftung.

Die Zerstörung ihrer natürlichen Umwelt und die Vertreibung aus ihren Lebensräumen hat ein gutes Stück südlicher auch den australischen Ureinwohnern zu schaffen gemacht.

Von den derzeit rund 18 Millionen Menschen in Australien zählen zwischen 300.000 und 400.000 zu den Aborigines.

Nur noch etwa ein Fünftel von ihnen beherrscht eine Aborigine-Sprache, ...

... und den wenigsten ist es möglich, nach Art ihrer Vorväter zu jagen und zu sammeln.

Etwa drei Viertel der Aborigenes leben mittlerweile in Städten. Obwohl sie sich dem Leben der Weißen weitgehend angepasst haben, verwenden sie weiterhin alte Stammesnamen, um sich zu identifizieren. Auch legen sie großen Wert auf ihr ausgedehntes Verwandtschaftssystem. Die Identifikation mit der Geschichte der zugehörigen Gemeinschaft ist nach wie vor groß.

Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Assimilationspolitik sind die Aborigines inzwischen gesellschaftlich anerkannt. Dennoch bleiben Probleme: ...

... Die Ureinwohner Australiens gehören zum ärmsten Teil der Gesellschaft.

Die Arbeitslosenrate ist bei ihnen fast dreimal so hoch wie die der australischen Durchschnittsbevölkerung. Die Aborigines haben eine geringere Bildung, ihre Lebenserwartung liegt im Durchschnitt zehn Jahre unter jener der weißen Bevölkerung, und die Kindersterblichkeit ist doppelt so hoch.

Auch in Neuseeland bilden die Ureinwohner, die Maori, die ärmste Bevölkerungsschicht. Fast die Hälfte aller Maori, die älter sind als 15 Jahre, haben keinen Schulabschluss. Dennoch wird die Lage der Maori - gerade im Vergleich zu anderen indigenen Völkern - weithin als gut beschrieben.

Te Reo Maori, die Maori-Sprache, ist heute eine der offiziellen Amtssprachen Neuseelands. Jedoch waren 2006 nur etwa 23 Prozent der Maori der Sprache mächtig. Maori Television, ein staatlich finanzierter Sender auf Maori, soll dem Sprachverlust entgegenwirken.

Maori ist übrigens jeder, der sich mit der Kultur der Maori identifiziert - ganz unabhängig von den Vorfahren. Heute sind das rund 565.000 Menschen, ...

... Tendenz steigend. Maori zu sein, ist keine Frage der Gene, sondern der kulturellen Identität. Damit sind die Maori etwas Besonderes: ein indigenes Volk, das wächst. Zumindest aktuell.

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