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H5N8 erstmalig im Hausgeflügelbestand in Europa nachgewiesen: Achtzehn Wochen alte Puten in einem Mastbetrieb (Archivbild).
H5N8 erstmalig im Hausgeflügelbestand in Europa nachgewiesen: Achtzehn Wochen alte Puten in einem Mastbetrieb (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Geflügelpest in Deutschland: 31.000 Puten werden vorsorglich getötet

Nach dem Ausbruch einer aggressiven Variante der Geflügelpest in Mecklenburg-Vorpommern leiten die Behörden schnell Maßnahmen ein. Tausende Tiere werden in dem Sperrbezirk gekeult, um so "Glutnester auszutreten". Entdeckt wurde das Virus allerdings erst spät.

Nach dem Ausbruch einer Geflügelpest-Variante werden auf dem betroffenen Betrieb im Landkreis Vorpommern-Greifswald 31.000 Tiere vorsorglich gekeult. "Das ist das erste Glutnest von diesem Virus und das muss schnell ausgetreten werden", sagte Kreisamtstierarzt Holger Vogel in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. Die Tötung mit mehreren Teams soll unter Aufsicht des Friedrich-Loeffler-Instituts geschehen.

Bei den Puten des Bestands in Heinrichswalde sei ein hochpathogenes - also als besonders aggressiv geltendes - Influenzavirus vom Subtyp H5N8 festgestellt worden, erklärte Ministeriumssprecher Constantin Marquardt. "Dieser bisher nur aus dem asiatischen Raum, vor allem Südkorea, bekannte Subtyp wurde damit erstmalig im Hausgeflügelbestand in Europa nachgewiesen." Damit ist der unter Landwirten, Vogelschützern und Züchtern gefürchteten Geflügelpest der Sprung nach Europa gelungen - wie genau, das müssen jetzt Virologen und Seuchenschutzexperten klären.

Eine Übertragung auf natürlichem Weg - etwa durch frei fliegende Vögel - gilt als unwahrscheinlich. In der Wildvogelpopulation sei der Subtyp bisher nicht festgestellt worden, hieß es. Das Ministerium will die betroffenen Betriebe nicht nennen und nimmt damit Rücksicht auf etwaige wirtschaftliche Schäden, mit dem der Betreiber rechnen müsste. Dabei ist längst noch nicht geklärt, ob den betroffenen Geflügelzüchter überhaupt eine Schuld trifft.

Risikogebiete an der Ostseeküste

Die Behörden richteten in Abstimmung mit den zuständigen Veterinärämtern rund um den betroffenen Mastbetrieb in der Region Altkreis Uecker-Randow einen Sperrbezirk mit einem Radius von "mindestens drei Kilometern" und ein Beobachtungsgebiet mit einem Durchmesser von etwa 20 Kilometern ein. Wo genau das Zentrum liegt, teilte das Landwirtschaftsministerium nicht mit.

Geflügel darf im Umkreis von 50 Kilometern rund um den Virenherd nicht mehr draußen gehalten werden - und auch nicht in Risikogebieten in Mecklenburg-Vorpommern wie der Ostseeküste sowie an Binnenseen, also jenen Regionen, die "im Zusammenhang mit dem Vogelzug und der Überwinterung von Wildvögeln stehen".

Entdeckt wurde der Virusbefall offenbar nicht bei einer Routinekontrolle, sondern nachdem das Virus bereits den Tierbestand voll erfasst hatte. Die betroffenen Puten waren untersucht worden, weil es in dem Betrieb "sehr plötzlich ein schweres Erkrankungsgeschehen verbunden mit hohen Tierverlusten" gegeben habe, erklärte Marquardt.

"Der Ausbruch trifft mich mit großer Sorge", erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus. Der SPD-Politiker rief dazu auf, unklare Krankheits- oder Todesfälle bei Geflügel schnellstmöglich auf Geflügelpest zu überprüfen. Nach derzeitigen Erkenntnissen sei eine Übertragung auf den Menschen in Deutschland bisher nicht festgestellt worden, hieß es.

Hausarrest für Freilandhennen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im April vorigen Jahres erstmals über das Auftreten des neuen Influenzavirus bei drei Patienten in zwei Provinzen im Osten Chinas berichtet. Dabei gab es allerdings "keine epidemiologische Verbindung" zwischen den meisten Fällen, wie es in einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts zur "Aviären Influenza" heißt. Eine Erkrankung kann bei Menschen zu schweren Lungenentzündungen, Fieber und Atemwegsbeschwerden führen. Bei etwa einem Fünftel der bekannten Übertragungen endete die Ansteckung beim Menschen tödlich.

Nach den Worten von Agrarminister Backhaus tragen nun auch Freilandgeflügelhalter eine hohe Verantwortung bei der Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen. Wildvögeln zum Beispiel dürfe "kein Zugang zu Futter, Einstreu und Gegenständen gewährt und Tiere dürfen nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, zu dem wildlebende Vögel Zugang haben". In der Praxis bedeutet das die "Aufstallung" aller für den Verzehr gehaltenen Geflügelarten. In allen Verdachtsfällen sei umgehend das zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt zu informieren.

Quelle: n-tv.de

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