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Der Tsunami richtete unvorstellbare Schäden entlang der betroffenen Küstenlinien an.
Der Tsunami richtete unvorstellbare Schäden entlang der betroffenen Küstenlinien an.(Foto: picture alliance / dpa)

Zehn Jahre nach dem Tsunami: Als die Todeswelle kam

Bis zu 30 Meter hoch türmen sich die Wellen auf, als der verheerendste Tsunami der jüngeren Geschichte mit zerstörerischer Macht auf die Inseln des Indischen Ozeans trifft. Was genau am 26. Dezember 2004 geschah.

Der Tsunami Weihnachten 2004 geht als eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Neuzeit in die Geschichte ein. "Ein Ereignis mit überwältigenden Dimensionen, sowohl, was die Opfer angeht, als auch das geologische Phänomen", schreibt die US-amerikanische Wissenschaftsstiftung später.

Wie wurde der Tsunami ausgelöst?

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Durch ein Erdbeben unter dem Meeresboden, keine 100 Kilometer vor der Westküste der indonesischen Insel Sumatra entfernt, um 07:59 Uhr Ortszeit (01:59 Uhr MEZ). Das Beben hat sein Epizentrum nur 30 Kilometer unter dem Meeresboden. Dort schieben sich zwei gewaltige Kontinentalplatten untereinander. Am 26. Dezember kracht es nach jahrelang aufgebauter Spannung plötzlich auf einer Länge von 1000 Kilometern Länge - so viel wie selten bei Beben. Das Beben dauert zehn Minuten statt wie die meisten einige Sekunden. Es hat nach verschiedenen Berechnungen die Stärke 9,1 oder 9,3 und ist das zweitstärkste Beben in 100 Jahren. 1960 wurde in Chile ein Beben mit 9,5 registriert. "Selbst unter Geologen reden wir hier von einem Monster-Beben", sagt Thorne Lay von der Universität Kalifornien.

Wie haben sich die Wellen ausgebreitet?

Eine der Erdplatten schnellt um 15 Meter nach Westen, der Meeresboden an der anderen wird teils zehn Meter angehoben. Dadurch wölben und senken sich die Wassermassen und formen gigantische Wellen. Mit der Geschwindigkeit eines Düsenjets rollen sie Richtung Küste. Im tiefen Wasser ist eine Erhebung von einem Meter kaum zu spüren, aber je flacher das Wasser, desto höher türmen sich die Wellen auf. Sie erreichen an der Küste Sumatras bis zu 30 Meter.

Was ist die Bilanz der Naturkatastrophe?

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Rund um den Indischen Ozean, von Sumatra über die Andamanen-Inseln, Thailand, Südindien, Sri Lanka bis nach Afrika sterben in 14 Ländern 230.000 Menschen. 539 Deutsche kommen um, überwiegend in Thailand und Sri Lanka. 7000 Überlebende kehren nach Deutschland zurück. Sumatra ist mit 170.000 Toten am stärksten betroffen. Häuser, Schulen, Brücken - teils bis auf fünf Kilometer ins Land reißen die Wellen sämtliche Infrastruktur fort. Millionen Menschen werden obdachlos.

Wer hatte eine Überlebenschance?

Tauchende Touristen, die weit genug auf Meer draußen waren, spüren eine starke Strömung, sonst nichts. Fischer auf dem Meer erleben wenn überhaupt eine leichte Wellenbewegung. Menschen, die es schnell genug auf nahe Anhöhen schaffen, blieben über den Wassermassen. Leute im dritten Stock von soliden Gebäuden sehen von oben, wie die Fluten Autos, Schutt, Hütten, Menschen fortreißen.

Warum wurden die Menschen nicht gewarnt?

Niemand in der Region hatte die Gefahr eines Tsunamis in seinen Notfallplänen. Den Seismologen im Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii ist schnell klar, dass ein so starkes Beben große Zerstörungskraft hat. Aber sie finden keine Ansprechpartner für Warnungen in der Region.

Was ist seitdem getan worden?

Zwischen Indonesien und Thailand ist ein Tsunami-Warnsystem errichtet worden. Erdbeben, Meeresspiegelveränderungen und Wellen werden in Echtzeit gemessen und automatisch an eine 24 Stunden besetzte Alarmzentrale in Jakarta geschickt. Von dort aus werden lokale Behörden alarmiert. Deutsche Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum in Potsdam sind an der Entwicklung maßgeblich beteiligt. Ortschaften in Küstennähe haben Sirenen installiert, die zentral eingeschaltet werden können. Viele Behörden verschicken den Alarm auch per SMS. Viele Hotels haben Schilder mit Tsunami-Evakuierungsrouten aufgestellt.

Wie hoch ist die Gefahr eines neuen Tsunamis?

Das ist nicht vorauszusagen. Spannungen in der Erdkruste gibt es immer. Die Kontinentalplatten westlich von Sumatra stehen weiter unter Druck. Im April 2012 passierte unter dem Meeresboden in der Region ein Beben der Stärke 8,6, ohne einen Tsunami oder größere Schäden auszulösen. Warum? Die Erdkruste bewegte sich horizontal.

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Quelle: n-tv.de

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