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"Offenbar funktioniert in NRW die Überwachung nicht."
"Offenbar funktioniert in NRW die Überwachung nicht."(Foto: picture alliance / dpa)

Offenbar illegal verabreicht: Antibiotika im Hühner-Trinkwasser

Eine Studie deckt in NRW "gravierende Missstände" und womöglich "schweres Kontrollversagen" auf: Das Trinkwasser nordrhein-westfälischer Hühner ist mit Medikamenten belastet. Das NRW-Umweltministerium will zeitnah Einzelheiten vorlegen. Aus Berlin hagelt es derweil Kritik an den Kontrollen.

Noch Wochen nach der offiziellen Gabe von Antibiotika an Hühner ist nach einem NDR-Bericht das Mittel im Trinkwasser des Federviehs gefunden worden. Wie NDR Info berichtete, hat eine Studie aus Nordrhein-Westfalen in mehreren Fällen Antibiotika im Trinkwasser der Tiere nachgewiesen, obwohl die tierärztlich verordnete Gabe des Medikaments längst vorbei war. Ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums erklärte, die "gravierenden Missstände" deuteten auf ein "schweres Kontrollversagen" der Landesbehörden hin.

"Offenbar funktioniert in NRW die Überwachung nicht", erklärte der Ministeriumssprecher. Bund und Länder seien sich einig, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung deutlich gesenkt werden müsse. Schärfere Gesetze könnten aber nur wirken, wenn die für die Überwachung zuständigen Landesbehörden ihrer Pflicht nachkämen.

Das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz in NRW (Lanuv) hatte laut NDR-Bericht im Januar und Februar bei 36 Geflügelmastbetrieben Trinkwasserproben entnommen und bei 22 von ihnen Auffälligkeiten festgestellt: Bis zu sechs verschiedene Antibiotika-Wirkstoffe habe das Landesamt nachweisen können. Bei der Hälfte der Proben habe die letzte offiziell dokumentierte Behandlung aber mindestens 35 Tage zurückgelegen. Das legt den Verdacht nahe, dass die Geflügelhalter Medikamente verabreichten, ohne dies im sogenannten Stallbuch zu dokumentieren. Dies ist gegen die gesetzlichen Vorschriften.

Medikamente für geschlachtete Tiere

Das Landesamt wies in den Trinkwasserproben laut Bericht sogar Antibiotika nach, die der Halter angeblich zuletzt vor mehr als 500 Tagen angewendet hatte - die behandelten Tiere waren längst geschlachtet. Ein Nachweis nach so langer Zeit lege laut Lanuv den Verdacht nahe, dass diese Betriebe das Antibiotikum ebenfalls ohne die vorgeschriebene Dokumentation verabreichten, wie NDR Info berichtete. Das Lanuv spreche in solchen Fällen von Wachstumsdoping. Das sei seit 2006 verboten.

Dem Bericht zufolge müssen Tierhalter Geräte, die mit Fütterungsarzneimitteln in Berührung kommen, reinigen. Sonst besteht die Gefahr besteht, dass der Wirkstoff verschleppt und in Proben gefunden werden kann. Dies sei in einem Leitfaden des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom Juni 2009 festgelegt.

Der Sprecher des Ministeriums, Holger Eichele, erklärte, Verstöße gegen die Vorschriften zur Anwendung von Antibiotika in der Tierhaltung seien "nicht tolerabel" und müssten von den Behörden konsequent geahndet werden. Dafür seien die Landesbehörden zuständig. Offenbar funktioniere in NRW die Überwachung nicht.

Fast alle Hähnchen sind gedopt

Die neue NRW-Studie ist laut NDR Info die Erweiterung einer Studie von Oktober 2011. Damals machte das Lanuv öffentlich, dass fast alle Hähnchen aus Mastbetrieben Antibiotika bekommen, und zwar zum Wachstums- oder Gesundheitsdoping, wie NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) sagte. Niedersachsen kam zu ähnlichen Ergebnissen bei der Aufzucht von Kälbern und Schweinen. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) legte im Januar ihren Entwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vor, mit dem der Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung stark eingeschränkt werden soll.

Quelle: n-tv.de

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