Panorama

Schwere Schäden nach "Ike"Aufräumen in Galveston

14.09.2008, 15:07 Uhr

In Galveston widmen sich Helfer dem Wiederaufbau. Überall hat die Wucht des Hurrikans "Ike" seine Spuren hinterlassen. Aber trotz allem herrscht auch Erleichterung: "Wir haben viel Glück gehabt".

Viele Straßen in Galveston sind überflutet, mancherorts reicht das Wasser bis zur Hüfte. An anderen Stellen ist der schlammige Boden mit entwurzelten Bäumen, Trümmerteilen und abgedeckten Dächern übersät, darunter auch das eines Motels am Meer. Der Fährhafen im Osten ist beschädigt. Auch anderswo hat die Wucht des Hurrikans "Ike" seine Spuren hinterlassen: Nahe der Straße, die im Westen der Insel an der Uferbefestigung entlang führt, stapelt sich ein drei Meter hoher, 50 Meter langer und 15 Meter breiter Berg aus Holzteilen, Nägeln und Neonleuchten - mehr ist von drei bekannten Restaurants an der Küste nicht übriggeblieben.

Überall Trümmerberge

"Wir haben viel Glück gehabt", sagt dennoch Lee Paul von der Stadtreinigung und blickt auf den Schutt. Gleichzeitig versucht er, die Straße zu säubern. Hinter dem Trümmerberg ist das Hotel "Flagship" zu sehen. Es steht noch, aber die Fassade ist durchlöchert. "Ike" hat das Gebäude zudem in eine Insel verwandelt: Die Brücke zum Festland ist in den Fluten des Golf von Mexiko verschwunden.

Trotz allem ist in Galveston auch Erleichterung zu spüren, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. "Es ist ein Wunder", sagen Jos und Anita, zwei mexikanische Einwanderer, die in ihrem Haus nur 20 Meter von der Schutzmauer entfernt ausgeharrt hatten, während "Ike" seinen Zorn mit Sturmböen von 175 Stundenkilometern und heftigem Regen über der Insel entlud und die Flut immer mehr stieg.

"Nochmal würde ich es aber nicht tun", räumt Jos ein. "Wir hatten große Angst." Colbert Butler, ein weiterer Bewohner, pflichtet ihm bei: "Ich wünschte, ich wäre geflohen. Es hätte sehr schlimm ausgehen können." Wie sie waren etwa 23.000 Einwohner der Anordnung der Behörden nicht nachgekommen, die Insel zu verlassen. Ersten offiziellen Angaben zufolge sind in Galveston keine Toten zu beklagen, lediglich vier Schwerverletzte wurden in Krankenhäuser geflogen.

Dabei hatten die Verwüstungen auf dem Weg zur Insel Schlimmes erahnen lassen - Stadtdirektor Steve LeBlanc hatte die Fernsehteams eigens gebeten, bestimmte Dinge nicht zu filmen. Auf der Straße von Houston bildeten Berge aus Möbeln, persönlichen Gegenständen, Algen und Ästen groteske Formen und blockierten die Durchfahrt. Hubschrauber der Armee und der Küstenwache kreisten über dem Schreckensszenario.

Boote auf der Autobahn

Die Bilder auf der Gegenseite wirkten noch surrealer: An einer Brücke vor der Insel Tiki hat "Ike" Dutzende Boote auf die Autobahn geschleudert, einige von ihnen mehr als 15 Meter lang. In der Luft hängt ein starker Treibstoffgeruch.

In Galveston waren Lee Paul und seine Kollegen bereits mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Sie hatten sich freiwillig gemeldet, um beim Wiederaufbau zu helfen. Wie Polizei, Rettungskräfte und Journalisten verbrachten sie die Nacht im "San Luis", einem Luxushotel, umgeben von Wasser. Die auf dem Boden liegenden Matratzen und der Gestank erinnerten allerdings eher an ein Hauptquartier des Militärs in Kriegszeiten. Es gab kein fließendes Wasser, die Feuchtigkeit war unerträglich und es war heiß. Trotzdem war die Stimmung gut: Denn das Schlimmste war vorüber.

Quelle: Gonzalo Espriz, dpa