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"Uns interessiert Gerechtigkeit nicht ohne Veränderung": Daphne Caruana Galizias Söhne fordern den Rücktritt des maltesischen Regierungschefs Joseph Muscat.
"Uns interessiert Gerechtigkeit nicht ohne Veränderung": Daphne Caruana Galizias Söhne fordern den Rücktritt des maltesischen Regierungschefs Joseph Muscat.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Journalistenmord auf Malta: Autobombe wurde per Handy gezündet

Im Fall der auf Malta getöteten Journalistin legen erste Ermittlungen nahe, dass für die Zündung der Autobombe ein Mobiltelefon verwendet worden sein könnte. Die Söhne des Mordopfers fordern Regierungschef Muscat derweil zum Rücktritt auf.

Durch eine Autobombe kam die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia ums Leben. Die Schäden am Auto, mit dem sie am Tag ihres Todes unterwegs war, deuten auf die Verwendung von einem halben Kilogramm Sprengstoff hin. Das sollen erste Ermittlungen ergeben haben. Die Explosion soll per Fernzündung mittels eines Handys ausgelöst worden sein.

Wer hinter dem Attentat auf die 53-Jährige steckt, ist noch unklar. Caruana Galizia hatte immer wieder mit Enthüllungen rund um Geldwäsche und Steuerhinterziehung auf ihrem Blog Aufsehen erregt. Der Mord hatte europaweit für Entsetzen gesorgt. EU-Politiker und Journalistenverbände verlangten lückenlose Aufklärung.

Unbequeme Aktivistin

Regierungschef Joseph Muscat zählte Caruana Galizia zu seinen schärfsten Kritikern. Sie hatte Mitarbeitern Muscats unter anderem vorgeworfen, Offshore-Firmen in Panama zu haben. Auch schrieb sie, eine in den "Panama Papers" erwähnte Firma gehöre Muscats Frau. Muscat wies dies stets zurück. Zuletzt zielten Caruana Galizias Recherchen aber auch auf den Oppositionsführer Adrian Delia von der konservativ-christlichen Partei Partit Nazzjonalista. Sie warf ihm unter anderem vor, mit einem verurteilten Drogendealer befreundet zu sein.

Die Söhne der ermordeten Enthüllungsjournalistin haben Muscat zum Rücktritt aufgefordert. Sie lehnten zudem einen Vorschlag Muscats ab, mit einer hohen Belohnung die Fahndung nach den mutmaßlichen Attentätern zu forcieren. "Uns interessiert Gerechtigkeit nicht ohne Veränderung", schrieb Matthew Caruana Galizia Facebook. Am Mittwoch hatte der Sozialdemokrat im Parlament vorgeschlagen, eine "substanzielle und beispiellose Belohnung" aussetzen zu lassen, um die Mörder Caruana Galizias zu finden.

Nach Angaben der drei Söhne sind rund eine Million Euro im Gespräch. Allerdings zeigten sich die Söhne "nicht an eine strafrechtlichen Verurteilung interessiert", die nur denen in der Regierung nutze, die von dem "Mord an unserer Mutter profitieren" und die dann sagen wollten, "der Gerechtigkeit wurde Genüge getan".

"Größte Gegnerin" Muscats

Der Regierungschef habe sie um Zustimmung zu der Auslobung der Belohnung gebeten, sagten Matthew, Andrew und Paul. "So kann er sie bekommen: Zeigen Sie politische Verantwortung und treten Sie zurück." Und vor einem Rücktritt könne Muscat noch dafür sorgen, dass der Polizeichef und der Generalstaatsanwalt durch furchtlose Beamte ersetzt würden, die gegen "ihn und diejenigen, die er deckt", ermittelten.

Sie warfen Muscat vor, ihre Mutter "finanziell kaputt gemacht und so brutal und wirksam entmenschlicht" zu haben, dass sie sich nicht mehr sicher gefühlt habe. Tatsächlich hatte Muscat die Journalistin erst jüngst in der italienischen Zeitung "Repubblica" erneut als seine "größte Gegnerin" bezeichnet. Caruana Galizia habe ihn seit seiner Zeit als Oppositionsführer "angegriffen".

Quelle: n-tv.de

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