Panorama

Kampf gegen Ölpest nicht zu EndeBP verschleppte Wartung

09.08.2010, 08:39 Uhr
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Blaue Krabben bei Big Fisherman Seafood in New Orleans. Die reichen Fischgründe des Golfs von Mexiko sind durch die Ölpest schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Verbraucher sind verunsichert. (Foto: AP)

390 verschiedene Wartungsarbeiten an der Katastrophen-Ölplattform "Deepwater Horizon" soll der Energieriese BP verschleppt haben. Die USA drohen dem britischen Multi eine "bedeutende finanzielle Strafe" an.

Der Energiekonzern BP soll einem Medienbericht zufolge in der Vergangenheit öfter Wartungsarbeiten an der mittlerweile gesunkenen Ölplattform "Deepwater Horizon" verschleppt haben. Die "Sunday Times" berichtete, eine interne BP-Überprüfung habe ergeben, dass 390 Wartungsarbeiten nicht rechtzeitig erledigt worden seien. Zudem seien die Sicherheitspläne nicht in Ordnung gewesen. BP wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Plattform-Mitbetreiber Transocean teilte mit, dass die Plattform wenige Tage vor dem Unglück von einer dritten Partei begutachtet worden sei. Dabei seien keine Probleme festgestellt worden.

US-Regierung droht Strafzahlungen an

Die Energie- und Klimaberaterin von US-Präsident Barack Obama kündigt inzwischen an, dass BP wegen der Ölkatastrophe eine "bedeutende finanzielle Strafe" zahlen müsse. "BP trägt eindeutig die Verantwortung", sagte Carol Browner im Fernsehsender NBC. Eine mögliche Summe nannte sie nicht. Sie ließ auch offen, ob die US-Regierung den britischen Ölkonzern verklagen will.

BP war es am Freitag gelungen, mehr als 15 Wochen nach der Explosion der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" das Bohrloch von oben mit Zement zu verschließen. Zuvor waren insgesamt 780 Mio Liter Rohöl in den Golf von Mexiko ausgelaufen, es ist der größte Ölunfall der Geschichte.

"Der Kampf geht weiter"

Trotz des erfolgreichen Verschließens des Bohrlochs warnte Krisenkoordinator Thad Allen davor, die Katastrophe nun als bewältigt zu betrachten. "Es gibt immer noch jede Menge Öl, um das wir uns kümmern müssen", sagte er im Fernsehsender CNN. "Der Kampf geht weiter."

Umweltschützer warnen davor, die Folgen der Katastrophe zu unterschätzen. "Das Desaster der "Exxon Valdez" ist 20 Jahre her und die Gemeinden und das Ökosystem in Alaska leiden immer noch darunter", sagte Kristina Johnson von der US-Naturschutzgruppe "Sierra Club". Die Verpflichtungen von BP in dem Katastrophengebiet seien deshalb längst nicht erfüllt.

Große Zweifel herrschen in der Fachwelt weiter an den Angaben der US-Regierung, dass drei Viertel des ausgeströmten Öls auf natürlich Weise verschwunden sind. "Bakterien können durchaus Öl im Meer abbauen, aber das ist ein Prozess, der sich über Monate oder gar Jahre hinzieht", sagte Prof. Friedrich Widdel vom Max- Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Zudem sei auch der natürliche Abbau problematisch für die Natur, weil dafür Sauerstoff benötigt werde. "Wenn die Bakterien ihn vollständig aufbrauchen, kippt das Meer um. Damit stirbt alles Leben ab."

Quelle: rts/AFP/dpa