Ölleck mit Zement verschlossen"Static Kill" abgeschlossen

Das lecke Bohrloch im Golf von Mexiko ist mit Schlamm und Zement versiegelt. Die Aktion "Static Kill" ist damit abgeschlossen. Doch eine weitere schwierige Operation steht noch aus. Sie soll in der kommenden Woche beginnen - wenn das Wetter mitspielt.
BP hat eine weitere Etappe beim Versiegeln des Öllecks im Golf von Mexiko geschafft. Nachdem das Steigrohr in 1500 Meter Tiefe im Meeresboden bereits von oben mit schwerem Schlamm verstopft worden war, verschlossen Ingenieure das Loch auch mit Zement. Das Manöver dauerte nur wenige Stunden, und die als "Static Kill" bezeichnete Operation ist damit abgeschlossen.
Aber das "Finale" wird noch ein paar Tage auf sich warten lassen. BP bohrt noch an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch, durch den dann ebenfalls Schlamm und danach Zement gepumpt werden sollen. Damit soll die Quelle von unten in 4000 Meter Tiefe direkt versiegelt werden - um ganz sicherzugehen, dass Öl und Gas nicht mehr nach oben drängen können. Wie der Konzern mitteilte, wird der Nebenzugang nach derzeitigem Stand Mitte August auf das Bohrloch treffen - wenn das Wetter bei den Arbeiten keinen Strich durch die Rechnung macht.
Leck wird nun beobachtet
BP hatte am Dienstagabend mehr als 300 Tonnen Schlamm in das Steigrohr gepumpt und damit das unter Hochdruck aufsteigende Öl in sein Reservoir im Meeresboden zurückgedrängt. Darauf gab die US-Regierung dem britischen Konzern grünes Licht für die Abdichtung mit Zement.
In den nächsten Tagen will BP das Leck nun erst einmal genau im Auge behalten und das "Endspiel" vorbereiten. Mitte August - das wäre dann fast vier Monate nach Beginn der Ölkatastrophe.
Die Leiterin der US-Meeres-Behörde (NOAA), Jane Lubchenco, erklärte, die wahren Auswirkungen auf die Umwelt würden "wahrscheinlich noch über Jahre oder Jahrzehnte hinaus" zu sehen sein. Ein Problem sei, dass auch zersetzte Ölreste noch giftig seien und Tiere und Pflanzen schädigen könnten.
DIW bezweifelt Umdenken in USA
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bezweifelte unterdessen, dass die Ölkatastrophe zu einer Wende in der US-Energiepolitik führen wird. Sie erwarte, dass die USA in den kommenden Jahren ihre Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen nicht nennenswert reduzieren würden, sagte die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Berliner Zeitung". Die US-Bürger verbrauchten pro Kopf doppelt so viel Öl wie Europäer. In den USA herrsche aber kaum Bereitschaft, durch Einsparungen und den Umstieg auf regenerative Stromquellen schnell etwas zu ändern.
Im Zuge der Ölpest wurden gegen den Eigentümer der untergegangenen Ölplattform bislang fast 250 Klagen oder Schadenersatzforderungen eingereicht. Bisher seien 249 Verfahren gegen Transocean beantragt worden, teilte das Unternehmen in einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC mit.
Laut "New York Times" hatte Transocean bereits im April 2010 Sicherheitsbedenken bei mehreren ihrer Bohrinseln in der Gegend gehabt. Zudem hätten möglicherweise Probleme mit dem Ballastsystem der Plattform zum Sinken beigetragen - in dessen Folge das Ölleck kaum mehr zu kontrollieren war. Transocean hatte die Plattform an BP verpachtet und weist eine Mitverantwortung für die Ölpest von sich.