Panorama

Angst vor den braunen RiesenBären in Rumänien

06.09.2008, 11:14 Uhr

In kaum einem europäischen Land leben noch so viele Braunbären wie in Rumänien - über 6000. Doch was Naturfreunde freut, macht vielen Rumänen zunehmend Angst: Immer mehr der braunen Riesen wagen sich in Dörfer und Städte.

In kaum einem europäischen Land leben noch so viele Braunbären wie in Rumänien - über 6000. Doch was Naturfreunde freut, macht vielen Rumänen zunehmend Angst: Immer mehr der braunen Riesen wagen sich in Dörfer, mehrere Menschen sind in den vergangenen Jahren durch Attacken von Bären ums Leben gekommen.

Vor wenigen Wochen bekamen es auch drei deutsche Urlauber mit einem Bären zu tun. Die Männer schliefen im Zelt, als sich das Tier - offenbar auf der Suche nach Essbarem - näherte, das Zelt zerfetzte und einen 26-Jährigen schwer verletzte. Die Männer hatten sich zum Campen einen Platz ausgesucht, an dem ausdrücklich vor Bären gewarnt wurde. Kurz zuvor war ein 20-Jähriger von einer Bärin zerfleischt worden, als er nachts auf einer Bank in der Stadt Brasov schlief. Jäger entdeckten das Tier einen Tag später in der Nähe und erschossen die Bärin, als sie erneut aggressiv wurde.

Die Menschen sind verantwortlich

"Normalerweise greifen Braunbären keine Menschen an. Im Gegenteil, sie laufen weg, sobald sie einen sehen", sagt der Vorsitzende des Jagdvereins von Brasov, Dorel Noaghea. Nicht die Tiere, sondern die Menschen seien für die Zwischenfälle der vergangenen Jahre verantwortlich. "Sie haben keinen Respekt vor den Lebensgewohnheiten der Bären, oder noch schlimmer, sie versuchen, aus ihnen eine Touristenattraktion zu machen." Er selbst sei bereits "hunderten von Bären" bei Ausflügen in den Karpaten begegnet, erzählt der 51-jährige Förster. Die Tiere kämen erst in die Stadt, seit der Urlaubsort Brasov sich Ende der 70er Jahre in die umliegenden Wälder auszubreiten begann.

Zunächst fürchteten sich die Bären, doch nach und nach gewöhnten sie sich daran, die Mülleimer nach Fressen zu durchwühlen. Die Anwohner schauten amüsiert zu und nannten die Besucher aus dem Wald von nun an "Müllmännerbären". Schnell lernten die Bären, dass es nicht nur in Mülleimern Futter gibt. "Eines Tages rief mich jemand an und sagte: 'Da ist ein Eisbär in meiner Speisekammer'", erzählt ein anderer Jäger. Als er in der Wohnung ankam, fand der Jäger tatsächlichen einen weißen Bären vor: Das Tier hatte das Vorratsregal geplündert und sich dabei völlig mit Mehl bestäubt. Dieselbe Bärin jagte den Bewohnern eines Mehrfamilienhauses ein paar Monate später einen Schrecken ein, als sie zusammen mit ihrem Jungen die Treppe bis in den dritten Stock erklomm.

Umsiedlung geplant

Im September vergangenen Jahres sorgte ein Bär in einem Sanatorium in Predeal 140 Kilometer nördlich von Bukarest für Aufsehen: Er war mit dem Kopf im Behälter mit den Essensresten stecken geblieben. In den vergangenen Monaten häuften sich derlei Stadtausflüge von Bären. Nun suchen die Behörden nach einer Lösung, die sowohl Menschen als auch Bären schützt.

"Wir haben ein Programm zur Umsiedlung der Mülleimerbären in abgelegene Regionen gestartet, in denen sie genügend zu Fressen finden, so dass sie dort auch bleiben", sagt Mihai Manoiu, der im Umweltministerium für Artenvielfalt zuständig ist. Auch seien anderen Ländern, in denen Braunbären vom Aussterben bedroht sind, Tiere angeboten worden. "Aber da es sich um Müllmännerbären handelt, haben die Länder abgelehnt", bedauert Manoiu. Trotzdem will Rumänien die Beschränkungen für die Bärenjagd nicht lockern - darauf hat auch die EU ein strenges Auge. In der Saison 2007/2008 wurden 333 Braunbären zum Abschuss freigegeben - "und auch nur in Gegenden, wo es Schäden oder Todesfälle gab", beteuert der Mann vom Umweltministerium.

Quelle: Mihaela Rodina, AFP