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Eine Bankfiliale im thüringischen Mellingen, wo Räuber im Januar mit einem Radlader die Mauer durchbrochen hatten.
Eine Bankfiliale im thüringischen Mellingen, wo Räuber im Januar mit einem Radlader die Mauer durchbrochen hatten.(Foto: dpa)

Sprengungen von Geldautomaten: Banken rüsten auf

Statt maskiert und bewaffnet eine Bank zu überfallen, greifen Kriminelle zu immer brachialeren Mitteln: Häufig sprengen sie Geldautomaten, um an Geld zu kommen. Jetzt testen Banken und Sparkassen neue Schutzmechanismen.

Kriminelle jagen in Deutschland seit Monaten Geldautomaten in die Luft - nun setzen Banken und Sparkassen auf neue Strategien gegen die Automatenknacker. Sie lassen ihre Apparate verstärken, schicken zusätzliche Wachleute auf Streife und schließen nachts einzelne Standorte.

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Mancherorts werden Geldautomaten abgebaut - der Kunde bekommt das Geld stattdessen per Kurier nach Hause gebracht. Ein Patentrezept gibt es nach Expertenmeinung jedoch nicht. "Welche Maßnahmen in welcher Form eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen standortbezogenen Risiko- und Gefährdungssituation ab", erklärt eine Sprecherin des Deutschen Bankenverbandes. Die Schließung von Filialen an Risikostandorten sei das letzte Mittel.

Beispiel Thüringen: Seit November haben Kriminelle drei Geldautomaten der Sparkasse Gera-Greiz gesprengt. "Wir haben daraufhin alle 60 Automaten auf ihre Sicherheit hin untersucht", sagt Vorstand Frank Emrich. Das Ergebnis: Fünf Standorte wurden dicht gemacht, das Gros der Automaten ist nun von Mitternacht bis 5.00 Uhr geschlossen, die Video- und Alarmüberwachung wurde erweitert. Weitere Details des Sicherheitskonzepts will Emrich nicht verraten, doch investiere sein Geldhaus einen sechsstelligen Betrag.

Weil mehrere Automaten geschlossen wurden, will die Sparkasse den Kunden künftig per Kurier Bargeld nach Hause bringen. "Wir sehen das als Ergänzungsangebot und werden schauen, wie es angenommen wird", erklärt Emrich. Nach telefonischer Bestellung soll Ende des Monats erstmals ein Mitarbeiter in Zivil bis zu 1000 Euro an die Haustür des Kunden bringen - und auf Wunsch auch Überweisungen mitnehmen. Zunächst gebe es den Dienst kostenlos, später gegen Gebühr.

Zahl der Anschläge auf Automaten steigt

Im ganzen Land nehmen Kriminelle immer öfter Geldautomaten ins Visier. Nach vorläufigen Zahlen des Bundeskriminalamtes hat es 2015 bundesweit 151 solcher Anschläge gegeben. Die Zahl hat sich seit 2011 fast vervierfacht. Voriges Jahr kamen die Automatenplünderer dabei in 69 Fällen an Bargeld. Die Zahl der herkömmlichen Banküberfälle ist dagegen seit Jahren rückläufig. 2014 waren es 193, zehn Jahre zuvor noch mehr als 600. Aktuellere Zahlen werden im März bekanntgegeben.

Damit Anschläge ins Leere laufen, werden die Automaten aufgerüstet. Dazu gibt es nach Angaben des Herstellers Wincor Nixdorf etwa spezielle Tresore, die einer Sprengung mittels Gas standhalten. Von Fachleuten immer wieder ins Spiel gebracht wird die Nachrüstung mit sogenannten Einfärbesystemen: Wird die Geldkassette gewaltsam geöffnet, färbt eine Farbpatrone die Geldscheine ein, sodass sie unbrauchbar werden. "Die Nachfrage nach solchen Lösungen steigt stark", sagt Produktmanager Stefan Leßmann.

"Wichtig ist, dass die Tatanreize sinken", erklärt Frank Scheulen vom Landeskriminalamt in Düsseldorf. "Dazu gibt es mehrstufige Möglichkeiten, Einfärbesysteme sind dabei nur eine." Der Einsatz solcher Farbpatronen sei aufwendig und erfordere einen sicheren Umgang der Mitarbeiter, erläutert Ludger Braam von der Sparkasse Kleve. "Es muss sichergestellt werden, dass man die Farbpatrone nicht selbst auslöst." Außerdem gebe es noch kein System, dass vom Verband der Sachversicherer für Gassprengungen abgenommen sei. Schon sechs Mal wurden Geldautomaten von Braams Sparkasse attackiert. Auch am Niederrhein setzt man nun unter anderem auf nächtliche Schließzeiten, zusätzlichen Wachschutz und die technische Nachrüstung der Automaten. "Seither ist hier Ruhe."

Und wie reagieren die Kunden? Größtenteils mit Verständnis, sagt Braam. Auch seine Sparkasse bietet gegen Gebühr einen Kurier für Bargeld an - was aber wenig genutzt werde. Die meisten Kunden auch auf dem Land versorgten sich selbst mit Bargeld. Größere Einschränkungen für seine Kunden sieht auch Geras Sparkassen-Vorstand Emrich nicht. Weniger als ein Prozent der Abhebungen entfielen auf die von den Schließungen betroffenen Nachtstunden, erklärt er. "Und die Sicherheitsmaßnahmen dienen auch dem Schutz unserer Kunden."

Quelle: n-tv.de

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