Panorama

"Pulver-Kurts" PulverfassBecherbach hatte Schutzengel

23.01.2011, 13:17 Uhr
2vr05731-jpg199326574970160430
Nach der Sprengung dürfen die Becherbacher zurückkehren. (Foto: dpa)

Nie zuvor hat die Polizei in Deutschland bei einem Privatmann derart viele Waffen und Sprengstoff sichergestellt wie bei einem Rentner in Becherbach. Der Ort in Rheinland-Pfalz war über Nacht evakuiert worden, weil Fachleute rund 40 Kilogramm Sprengstoff kontrolliert zündeten.

2vr03314-jpg4909406747963348688
Die Sammelleidenschaft des Mannes hätte für die Menschen im Ort höchst gefährlich werden können. (Foto: dpa)

Die Dimensionen des Waffen- Fundes bei einem Rentner aus der Verbandsgemeinde Meisenheim in Rheinland-Pfalz sind größer als bisher angenommen. "Es ist vermutlich der bundesweit größte Waffen- und Sprengstoff-Fund bei einem Privatmann", sagte Polizeieinsatzleiter Arno Heeling. An mehreren Orten, darunter in einer Scheune in Becherbach, hatten die Ermittler Massen an Kriegswaffen, Handgranaten, Munition und Sprengstoff entdeckt.

"Die Bürger von Becherbach haben jahrelang auf einem hochexplosiven Pulverfass gelebt, zum Glück ist nichts passiert," sagte ein Polizeisprecher. Um dies zu unterstreichen, zitierte er einen Entschärfer des Landeskriminalamtes, der am Samstag im Einsatz gewesen war: "Eine Armee voll Schutzengel war hier unterwegs."

Evakuierung über Nacht

Der Ort Becherbach mit rund 600 Einwohnern musste geräumt werden. Am Samstagabend sprengten Experten geschätzte 40 Kilo Sprengstoff, die der 62-jährige Waffennarr in einer Scheune gelagert hatte. Bei der Sprengung waren spezielle ferngesteuerte Roboter im Einsatz.

Der Rentner - im Ort bekannt als "Pulver-Kurt" - äußert sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Bei dem hochexplosiven Sprengstoff aus der Scheune handele es sich um einen Stoff, der Nitroglyzerin nahekomme.

Eine genaue Zahl der gefundenen Waffen - bei einer Durchsuchung des Wohnanwesens des Mannes am vergangenen Dienstag war bereits eine LKW-Ladung abtransportiert worden - konnte der Einsatzleiter nicht nennen. Beim Alter der Waffen und des Sprengstoffes müsse teilweise "bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg" zurückgegangen werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Quelle: dpa