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Polizisten durchsuchen am Bahnhof in Bad Aibling das Fahrdienstleiter-Stellwerk.
Polizisten durchsuchen am Bahnhof in Bad Aibling das Fahrdienstleiter-Stellwerk.(Foto: dpa)

Nach Zugunglück in Oberbayern: Bericht: Fahrdienstleiter steht im Fokus

Nach dem Zusammenstoß zweier Pendlerzüge in Bad Aibling wird menschliches Versagen als Unfallursache immer wahrscheinlicher. Medienberichte, nach denen der Fahrdienstleiter unter Verdacht steht, weist die Polizei bisher aber zurück.

Nach dem schweren Zugunglück in Bayern verdichten sich offenbar die Hinweise darauf, dass menschliches Versagen die Ursache für den Zusammenstoß der beiden Regionalbahnen war. Derzeit ermitteln die Beamten auch im Stellwerk von Bad Aibling. Offen ist nach wie vor, ob der Fahrdienstleiter im Stellwerk womöglich einen Fehler gemacht hat. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine "gut informierte Quelle" berichtete, könnte er den beiden Zügen zeitgleich die Einfahrt in den eingleisigen Streckenbereich erlaubt haben.

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Dazu hätte er die technische Sicherung, die das verhindern soll, zweimal ausschalten müssen - in dem Glauben, richtig zu handeln. Das Sicherungssystem auf der Strecke reagiert normalerweise sofort, wenn ein Zug ein rotes Haltesignal überfährt. Dann wird umgehend eine Zwangsbremsung ausgelöst. Wie ein Bahnsprecher mitteilte, war das System erst vor wenigen Tagen überprüft worden. Ein Defekt sei dabei nicht festgestellt worden. Denkbar sei deshalb, dass der Fahrdienstleiter die Haltesignale manuell auf Grün gestellt habe, berichtet die Zeitung weiter.

Offiziell dementierte die Polizei jedoch, dass gegen den Fahrdienstleiter ermittelt werde. "Wir wehren uns vehement gegen dieses Gerücht!", sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier am Unglücksort. Zwar könne ein Fehler oder Vergehen des Diensthabenden auch nicht ausgeschlossen werden; die Ermittlungen stünden jedoch noch am Anfang. Bereits unmittelbar nach dem Unglück sei der Fahrdienstleiter befragt worden. Daraus ergebe sich "noch kein dringender Tatverdacht", betonte Thalmeier.

50-köpfige Sonderkommission ermittelt

Auch die Erstanalyse einer Blackbox hat bisher keinerlei Hinweise auf einen Fehler von einem der beiden Lokführer geliefert, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt zu n-tv sagte. Ein technisches Problem habe wohl ebenfalls nicht vorgelegen. Die Signalbedienung des Fahrzeugführers sei korrekt gewesen. "Eine abschließende Bewertung wäre aber vorschnell", so Dobrinth. "Wir müssen die Auswertung aller drei Blackboxes und weiterer technischer Vorkehrungen abwarten."

Derweil gab Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bekannt, dass inzwischen eine 50-köpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei an dem Fall arbeitet. Zudem steht die Identität von neun der zehn Opfer fest. Dabei handelt es sich ausschließlich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahren, wie Thalmeier sagte. Sie alle stammten aus der Region. Unter ihnen seien auch die zwei Lokführer sowie ein Lehr-Lokführer, der routinemäßig einen der beiden Männer auf seiner Fahrt begleitete.

Bei dem schweren Zusammenstoß der beiden Pendlerzüge waren am Dienstagmorgen zehn Menschen ums Leben gekommen, vermisst wird entgegen früherer Informationen der Polizei nun niemand mehr. 18 Menschen waren schwer und 63 leicht verletzt worden.

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Quelle: n-tv.de

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