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Das Berliner Ampelmännchen könnte bald weibliche Gesellschaft bekommen, wie diese Ampeldame in Sonthofen.
Das Berliner Ampelmännchen könnte bald weibliche Gesellschaft bekommen, wie diese Ampeldame in Sonthofen.(Foto: picture alliance / dpa)

Gleichberechtigung an der Kreuzung: Berlin diskutiert Einführung der Ampelfrau

Von Benjamin Geese

Die SPD-Fraktion Berlin-Mitte fordert, einige Ampeln mit weiblichen Figuren zu bestücken. Aber wie soll die Ampeldame aussehen? Was als Zeichen der Emanzipation gedacht ist, könnte zum Streit über das Frauenbild in der Gesellschaft werden.

Ampeln sollen den Verkehr regeln, da sind sich immerhin alle einig. Wie die Figuren auf den Verkehrslichtern aber künftig aussehen sollen, darüber hat die Berliner SPD jetzt eine Diskussion gestartet. Denn die Ampeln in der Hauptstadt sind fest in männlicher Hand. Es gibt sogar zwei Varianten: das schlichte West-Männchen und das beliebte Ost-Männchen mit Hut, das an einen Arbeiter der 1950er-Jahre erinnert.

Jetzt müssen endlich Ampeldamen her, meint Martina Matischok-Yesilcimen. Die SPD-Fraktionsvorsitzende des Berliner Bezirks Mitte hat einen Antrag eingereicht, der vorsieht, an einigen Standorten Ampelfrauen einzuführen: "Wir wollen ein Zeichen setzen in Richtung Gleichberechtigung. Die Ampelfrauen sollen die Ampelmännchen aber nicht ersetzen, sondern nur dort eingesetzt werden, wo Ampeln ohnehin ausgebessert werden müssen. So entstehen der Stadt auch keine zusätzlichen Kosten."

Mit ihrem Vorstoß wagt sich Matischok-Yesilcimen auf gefährliches Terrain, denn das Ampelmännchen ist ein Wahrzeichen der Hauptstadt. Es ist nicht nur auf Ampeln zu sehen, sondern auch auf T-Shirts und als Emblem Hunderter Produkte.

Ein Mechaniker montiert in Dresden eine weibliche Ampelfigur.
Ein Mechaniker montiert in Dresden eine weibliche Ampelfigur.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bei der Emanzipation der Ampeln sind andere Städte Berlin weit voraus. Zwickau führte schon 2004 weibliche Verkehrslichter ein und auch in Dresden und Köln findet man sie vereinzelt. In WC-Schild-Manier tragen die Ampeldamen dort einen Rock, den Kopf schmücken zwei Zöpfe.

Berlin könnte mit seinen weiblichen Ampellichtern aber einen neuen Weg gehen. "Wir können uns eine Cartoon-Figur vorstellen. Möglich ist aber auch ein realistisches Bild: Die Silhouette einer Frau, wie sie in der Realität vorkommt." sagt Matischok-Yesilcimen.

Alternative Bären-Ampel

Wie eine realistische Frau aussieht, lässt Matischok-Yesilcimen offen. Aus gutem Grund: Der "Tagesspiegel" zitierte die SPD-Frau mit der Idee, Ampeldamen in High Heels und Arbeitshosen einzuführen. Der Vorschlag stieß auf Kritik, sogar aus den eigenen Reihen. "Natürlich ist es schwer, eine Frau auf ein Symbol zu reduzieren, aber High Heels symbolisieren eine Frau, die keinen Raum einnimmt und sich nicht richtig bewegen kan", sagt Stevie Schmiedel von der Initiative "Pink Stinks", die sich gegen die Stigmatisierung von Frauen einsetzt.

Die Reaktion zeigt, dass sich die SPD mit dem Ampel-Vorstoß einen Bärendienst erwiesen hat. Denn es ist ein ziemliches Kunststück, die moderne, selbstbewusste Frau mit all ihren gesellschaftlichen Facetten in eine gesichtslose Figur zu packen. Und zu komplex darf die Ampelfrau auch nicht sein, sonst würde sie vom Verkehr ablenken - und ja, darum geht es bei einer Ampel ja irgendwie auch.

Die Cartoon-Variante anderer Städte hat den Vorteil, dass sie weniger Porträt ist als Karikatur. Ebenso wie das jetzige Berliner Ampelmännchen, dessen Arbeiter-mit-Hut-Stil ja auch um Jahrzehnte überholt ist.

Um beiden Geschlechtern gerecht zu werden, schlägt die Aktivistin Stevie Schmiedel vor, auf neutrale Ampeln umzuschalten und beispielsweise den Berliner Bären als Ampelsymbol zu verwenden. Der ist zwar männlich, aber immerhin das Wahrzeichen der Stadt. Eine Lösung sicherlich, vielen Berlinern dürfte es trotzdem bitter aufstoßen, wenn ihnen ihr beliebtes Kult-Ampelmännchen durch die Gender-Debatte genommen würde.

Quelle: n-tv.de

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