Panorama

Nur keine Schweinegrippe-PanikBundesbürger bewahren Ruhe

13.11.2009, 11:01 Uhr
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Der Ansturm hält sich in Grenzen. (Foto: dpa)

Trotz der rasant steigenden Schweinegrippefälle hält nur jeder vierte Deutsche eine Impfung gegen das Virus für notwendig. Fast die Hälfte wolle sich auf keinen Fall gegen die Schweinegrippe impfen lassen, ergab eine Umfrage.

Trotz der rasant steigenden Schweinegrippefälle hält nur jeder vierte Deutsche eine Impfung gegen das Virus für notwendig. 43 Prozent würden sich auf keinen Fall gegen die Schweinegrippe impfen lassen, wie eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD ergab. Damit ist die Zahl derjenigen, die eine Impfung ablehnen, im Vergleich zum Oktober gewachsen. Mitte Oktober gaben noch 39 Prozent an, sich nicht impfen zu lassen.

Laut der aktuellen Umfrage vom November gaben nur 14 Prozent der Befragten an, dass sie sich aller Voraussicht nach den Impfschutz holen. Elf Prozent sind sich demnach ganz sicher - sie sind entweder schon geimpft oder wollen definitiv eine Impfung. Befragt wurden am Dienstag und Mittwoch tausend Bundesbürger.

Nur noch Todesfälle meldepflichtig

Angesichts der Ausbreitung der Schweinegrippe und des Ansturms von Impfwilligen auf die Praxen sollen die Ärzte von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Nach einer neuen Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums entfällt bei Verdachtsfällen und Grippekranken ohne Labornachweis von Samstag an die Meldepflicht, wie das Bielefelder "Westfalen-Blatt" unter Berufung auf das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen berichtete.

Den Gesundheitsämtern müssen danach nur noch Todesfälle gemeldet werden, die in Verbindung mit der Schweinegrippe stehen, außerdem Patienten, bei denen die Infektion aufgrund von Laboruntersuchungen eindeutig nachgewiesen wurde.

55.000 Menschen infiziert

Die bisherige Meldepflicht mache im Hinblick auf den Erregernachweis keinen Sinn mehr, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher der Zeitung. Die Krankheit sei weiter auf dem Vormarsch. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden beantragten Ärzte bei Grippekranken nur noch in Einzelfällen einen Labortest. Dies sei zum Beispiel bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen notwendig, bei denen sich ein schlimmer Verlauf der Grippe abzeichnen könne. Auch bei einem größeren Ausbruch, wie etwa in Schulklassen, könnten Laboruntersuchungen beantragt werden. Nach Schätzungen der Gesundheitsbehörden haben sich seit Mai bundesweit 55.000 Menschen mit dem Virus infiziert.

Fast 4000 Schweinegrippe-Tote in USA

In den USA sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden allein bis Oktober 3900 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Darunter seien mehr als 500 Kinder. Geschätzte 22 Millionen US-Bürger haben sich den Angaben zufolge mit dem H1N1-Virus infiziert, 98.000 davon seien im Krankenhaus behandelt worden. In keinem anderen Jahr seit Beginn vergleichbarer Aufzeichnungen vor zwölf Jahren habe eine Grippewelle solche Ausmaße erreicht, hieß es.

Quelle: AFP/rts/dpa