Panorama
Das historische vierstufige Altstadtwehr in Landsberg am Lech, normalerweise ein idyllisches Fotomotiv, gleicht einem tosenden Wasserfall.
Das historische vierstufige Altstadtwehr in Landsberg am Lech, normalerweise ein idyllisches Fotomotiv, gleicht einem tosenden Wasserfall.(Foto: dpa)

Droht ein neues Jahrhunderthochwasser?: Bundeswehrsoldaten sollen Flut aufhalten

Nach tagelangen Regenfällen versinken ganze Regionen in Deutschland im Wasser. Vielerorts gibt es Katastrophenalarm. Doch das Schlimmste steht manchen Regionen im Süden und Osten wohl noch bevor. Passau droht eine neue Jahrhundertflut. Die Menschen dort können auf die Hilfe der Bundeswehr hoffen.

Die Hochwasserlage hat sich im Süden und Osten Deutschlands dramatisch zugespitzt. Etliche Städte und Landkreise in Bayern, Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus. Tausende Menschen waren betroffen. Die Bundeswehr bereitete sich auf Hilfseinsätze vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte den am stärksten betroffenen Ländern "volle Unterstützung" zu. Auch im benachbarten Ausland ist die Lage kritisch.

Land unter in Passau.
Land unter in Passau.(Foto: dpa)

Bayern droht ein Hochwasser bisher ungekannten Ausmaßes. Anschwellende Flüsse und Bäche, Evakuierungen und Straßensperrungen überforderten bereits im Laufe des Sonntags vielerorts die Einsatzkräfte. "Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

Angesichts der dramatischen Hochwasserlage hat die Staatsregierung einen Krisenstab  eingerichtet. Katastrophenalarm wurde unter anderem in Passau und Rosenheim ausgerufen. An vielen Schulen in Bayern soll der Unterricht am Montag ausfallen.

In Passau wurde ein Pegelstand von zwölf Metern nicht mehr ausgeschlossen - das letzte Hochwasser dieser Größenordnung wurde dort zuletzt im späten Mittelalter im Jahr 1501 verzeichnet. Das Jahrhunderthochwasser 2002 hatte einen Höchststand von 10,81 Metern.

Höhere Pegelstände als 2002 erwartet

Dramatisch war die Situation auch in Sachsen. Im westlichen Teil des Freistaates riefen die Landkreise Katastrophenalarm aus. Besonders kritisch war die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde.

"Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten", teilte der Landkreis Nordsachsen mit. Der Deutsche Wetterdienst kündigte weiteren Regen an. Im Landkreis Mittelsachsen fiel zudem der Strom aus - einige Tausend Bewohner waren laut Landratsamt betroffen.

Vom Hochwasser der Saale überflutete Felder und Auen bei Jena.
Vom Hochwasser der Saale überflutete Felder und Auen bei Jena.(Foto: dpa)

Auch in Zwickau sei die Lage dramatisch, teilte das Deutsche Rote Kreuz mit. Rund 18.000 Menschen müssten unter Umständen das Stadtzentrum verlassen. In der Nacht stand eine endgültige Entscheidung darüber jedoch noch aus. Die Situation sei schlimmer als 2002, hieß es. Damals hatte ein verheerendes Hochwasser in großen Teilen des Freistaates gewaltige Schäden verursacht. Angespannt war die Lage auch in Chemnitz, wo an den Flüssen Chemnitz und Zwönitz die Alarmstufe 4 galt.

Das Wasser der Freiberger Mulde hat auch das Zentrum von Döbeln (Mittelsachsen) überschwemmt. Die gesamte Innenstadt stehe auf einer Fläche von etwa 30 Hektar komplett unter Wasser, teilte die Stadtverwaltung mit. Anwohner wurden in Turnhallen untergebracht.

Schulen bleiben geschlossen

Wegen der kritischen Hochwasserlage sollten Montag zahlreiche Schulen in Sachsen geschlossen bleiben, wie das Kultusministerium am Sonntagabend mitteilte.

Angesichts steigender Pegel hat die sächsische Landesregierung die Bevölkerung vor einer Verschärfung der Hochwasserlage gewarnt und zur Vorsicht aufgerufen. Über eine spezielle Internetseite (www.zuers-public.de) könnten sich Bürger standortgenau über die Gefahrensituation informieren.

In Thüringen mussten bereits Tausende Menschen in Sicherheit gebracht werden. Bundeswehrsoldaten trafen zur Unterstützung in den überschwemmten Gebieten ein. Die Kleinstadt Gößnitz wurde komplett evakuiert, Teile von Greiz an der Weißen Elster stehen unter Wasser. Die Greizer Neustadt wurde in der Nacht evakuiert und vorsorglich vom Stromnetz getrennt. 120 Menschen waren betroffen, teilte das Landratsamt Greiz mit. Auch in Gera - Thüringens drittgrößter Stadt - wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) kündigte für Montag an, sich in den betroffenen Ostthüringer Regionen ein Bild von der Hochwassersituation und den Schäden machen zu wollen.

Tausende Helfer im Einsatz

In Baden-Württemberg mussten die Helfer zu mehr als 3000 Einsätzen ausrücken. In Reutlingen wurden zwei Menschen vermisst - sie könnten in einen Neckarzufluss gefallen sein. Dramatische Szenen in Steinmauern bei Rastatt: Eine 29-Jährige war laut Polizei mit ihrem Auto trotz Straßensperre ins Hochwasser von Murg und Rhein gefahren. Der Wagen wurde von der Fahrbahn gespült, verfing sich aber in Bäumen. Die vier Insassen retteten sich aufs Dach. Beim Rettungsversuch kenterte ein Boot der Feuerwehr. Alle zehn beteiligten Personen fielen ins Wasser, konnten aber gerettet werden.

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers gestoppt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet.

Tschechien ruft Notstand aus

Am Abend rief die Regierung in Prag den Notstand aus. Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im tschechischen Fernsehen. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. In Polen kam es vor allem im Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Auch in weiten Teilen Österreichs spitzte sich die Hochwassersituation weiter zu. Vielerorts wurden Evakuierungen angeordnet. An der Donau drohte bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des "Jahrhunderthochwassers" von 2002. Bislang gab es mindestens einen Toten durch Überflutungen. Zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Menschen wurden bis zum späten Sonntagabend noch vermisst. Auch in der Schweiz wurden die Bewohner mehrerer Ortschaften in Sicherheit gebracht. Allerdings stabilisierte sich die Lage dort, nachdem am Sonntagmorgen die Regenfälle aufgehört hatten.

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Quelle: n-tv.de

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