Panorama
(Foto: picture alliance / dpa)

150 Millionen Dollar warten auf Flut: Containerschiff steckt wohl länger fest

Der Containerriese "CSCL Indian Ocean" wird noch einige Tage einen spektakulären Anblick bieten. Frühestens nächste Woche wird die Elbe genug Wasser führen, damit das Schiff freikommt.

Das bei Hamburg auf Grund gelaufene Containerschiff bleibt voraussichtlich bis Mitte nächster Woche nahe der Elbinsel Lühesand liegen. Denn am frühen Nachmittag scheiterte bei Hochwasser ein zweiter Versuch, die "CSCL Indian Ocean" freizuschleppen. Sieben Schleppern gelang es nicht, den fast 400 Meter langen Containerriesen ins Fahrwasser zu ziehen. In der Nacht soll ein dritter Bergungsversuch unternommen werden, teilte der Hamburger Hafen mit. Doch der Wasserstand wird dann kaum höher sein als beim zweiten Versuch.

 

Erst im Laufe der nächsten Woche wird die Flut wohl hoch genug sein, um das Schiff freizubekommen. Ebbe und Flut fallen in der Elbe unterschiedlich aus. Das liegt nicht nur an den Mondphasen. Auch Windstärke und -richtung spielen eine große Rolle. Um den Tiefgang des Frachters zu verringern, könnten Container durch einen Schwimmkran auf Spezialschiffe umgeladen werden. Diese Prozedur ist allerdings sehr zeitaufwändig.

Das Schiff der chinesischen Reederei China Shipping Container Lines war am späten Mittwochabend auf Grund gelaufen. Nach Angaben der Hamburger Wasserschutzpolizei hatte die Schiffsführung unmittelbar davor einen Ausfall der Ruderanlage gemeldet. "Die Elblotsen an Bord berieten daraufhin den Kapitän, das Schiff an den Nordrand der Fahrrinne zu verbringen, um den Lüheanleger und das steinige Südufer der Elbe zu verschonen" teilte die Lotsenbrüderschaft mit.

Menschen wurden nicht verletzt, auch das Schiff selbst blieb intakt. Da der rund 59 Meter breite Frachter außerhalb des Fahrwassers liegt, wird die übrige Schifffahrt auf der Elbe nicht behindert.

Das Schiff ist nicht besonders stark beladen, viele Container sind offensichtlich leer. Mit einem Tiefgang von derzeit wohl 11,60 Meter kann der Frachter unabhängig von Ebbe und Flut die Elbe befahren, da die Fahrrinne des Flusses ausreichend ausgebaggert ist. Bei voller Ladung hat das Schiff einen Tiefgang von bis zu 16 Metern.

"Sowas hatten wir hier noch nicht"

Die "CSCL Indian Ocean" gehört zu den derzeit größten und neuesten Containerschiffen und kann bis zu 19.000 Standard-Container tragen. Sie fährt zwischen Asien und Europa im Linienverkehr. Ein solches Schiff kostet rund 150 Millionen Dollar. Gebaut wurde der Riese in den Werften des südkoreanischen Schwerindustriekonzerns Hyundai Heavy Industries in Ulsan. Solche Schiffe werden von Containerreedereien in der Regel mit zugehöriger Besatzung vom Eigentümer gechartert. Für einen Giganten wie die "CSCL Indian Ocean" werden dafür zwischen 50.000 und 60.000 Dollar fällig – pro Tag.

Für die chinesische Reederei China Shipping dürfte sich der Schaden dennoch in Grenzen halten. Denn für ihn muss die Versicherung geradestehen.

Derweil kommen etliche Schaulustige zum Elbdeich, um den Giganten und die Rettungsmanöver zu beobachten. Die Wirtin vom Hotel "An der Elbe", Iris Cohrs, staunte: "Sowas hatten wir hier noch nicht", sagte sie. "So stelle ich mir die Arche Noah auf dem Berg vor."

Quelle: n-tv.de

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