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(Foto: dpa)

Historisch (fast) einmalig: Der Rücktritt des Papstes

Erst ein Papst ist in der 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche freiwillig zurückgetreten, und auch im Fall von Coelestin V. gibt es Historiker, die diese Version anzweifeln. Wie auch immer: Der Rücktritt Benedikts XVI. ist in höchstem Maße ungewöhnlich, kirchenrechtlich jedoch durchaus möglich.

Ein Papst wird auf Lebenszeit gewählt, doch ist nach dem Kirchenrecht auch ein Rücktritt möglich. Hierfür muss das Kirchenoberhaupt keine Gründe nennen, auch muss niemand den Rücktritt annehmen. Allerdings muss der Rückzug freiwillig erfolgen.

In dem von Johannes Paul II. reformierten Kanonischen Recht (Can. 332 § 2) heißt es: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch dass er von irgendwem angenommen wird."

Allerdings wurde in 2000 Jahren Kirchengeschichte nur ein einziger Rückzug aus freien Stücken bekannt. Papst Coelestin V. gab 1294 nach nur fünf Monaten freiwillig sein Amt auf. Kirchenhistoriker sprechen von einem überforderten Sonderling, der kaum Latein konnte. Die Kardinäle hätten ihn nur zum Papst gewählt, weil sie sich in fast zweijährigem Ringen nicht auf einen anderen Kandidaten einigen konnten. Coelestin zog sich nach seinem Rücktritt in ein Kloster zurück. Andere Historiker behaupten, sein Nachfolger Bonifaz VIII. habe Coelestin zum Abdanken gedrängt und in "Klosterhaft" geschickt. Stimmt diese Version, dann wäre Benedikts Amtsverzicht der erste echte Rücktritt eines Papstes überhaupt.

Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass sich der Papst im Fall eines Rücktritts sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen müsste. Nur so könne gewährt werden, dass der Zurückgetretene nicht die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst. Papst Johannes Paul II. hatte einmal gesagt, er könne sich einen "emeritierten Papst" nicht vorstellen.

Benedikt-Biograph Andreas Englisch hatte den Rücktritt dieses Papstes bereits in einem Interview im April 2012 als wahrscheinlich bezeichnet. "Ich glaube, dass es noch ein ganz großes Ereignis geben wird", sagte Englisch n-tv.de. "Und das wird ein Ereignis sein, das die Kirche meiner Ansicht nach noch mehrere Jahrtausende beschäftigen wird. Ich glaube, dass dieser Papst als zweiter Papst in der Geschichte zurücktreten wird."

Englisch skizzierte zugleich, dass ein solcher Schritt mit Schwierigkeiten verbunden wäre. "Das Problem, das sich stellt, ist einfach: Nehmen wir an, ein Papst tritt zurück. Dann wird ein Nachfolger gewählt, und der entscheidet irgendetwas, was dem zurückgetretenen Papst nicht passt. Dann könnte der theoretisch sagen: Ich überleg's mir anders: Ich bin der Papst! Und dann haben wir ein riesiges Problem."

Quelle: n-tv.de

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