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Polizei hebt internationales Netzwerk aus: Deutsche Kinder für Pornos missbraucht

In Kanada fliegt ein großes Netzwerk von Kinderporno-Produzenten und -Nutzern auf. Dessen Spuren reichen bis nach Deutschland. Die Dimensionen des Missbrauchs sind gigantisch: Bei einem Lehrer fanden Ermittler 350.000 Bilder von brutalem Missbrauch.

Die kanadische Polizei hat einen Kinderpornoring gesprengt, unter dem offenbar auch deutsche Kinder zum Opfer gefallen sind. Bei den internationalen Ermittlungen waren 341 Verdächtige festgenommen worden - 386 Kinder wurden als Opfer identifiziert. Wie viele der mutmaßlichen Täter und wie viele Opfer aus Deutschland kommen, ist noch nicht bekannt.

Die Kriminellen machten vor allem in Rumänien und der Ukraine Fotos und Filme und verkauften sie zum Beispiel nach Amerika oder Australien, wie Joanna Beaven-Desjardins von der kanadischen Polizei sagte. Auch die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main geht Erkenntnissen über Verbindungen nach Deutschland nach, wie ein Sprecher sagte.

Lehrer, Ärzte und Geistliche schauten die Pornos

Ein kanadisches Unternehmen vermarktete seine Filme als "FKK-Kultur".
Ein kanadisches Unternehmen vermarktete seine Filme als "FKK-Kultur".(Foto: picture alliance / dpa)

Die im Jahr 2010 begonnenen Ermittlungen führten zur Festnahme der 348 Verdächtigen, die über viele Länder verstreut sitzen. In Kanada selbst wurden 108 der Verdächtigen festgenommen, in den Vereinigten Staaten 76. verdächtige kommen außerdem aus Schweden, Spanien, Irland, Griechenland, Brasilien, Argentinien, Japan, Australien, Südafrika und Hongkong.

Allein unter den kanadischen Verdächtigen befinden sich 40 Lehrer, neun Ärzte und Krankenschwestern, neun Geistliche und sechs Mitarbeiter von staatlichen Einrichtungen. Die australischen Behörden meldeten 65 mutmaßliche Täter; darunter ebenfalls zwei Lehrer und zwei katholische Geistliche. In einem Fall war die Polizei bei einem pensionierten Lehrer auf mehr als 350.000 Bilder und 9000 Videos gestoßen, die sexuellen Missbrauch inszenierten. Insgesamt seien mehr als 50 Länder an den Ermittlungen beteiligt gewesen.

Opfer auch aus Deutschland

Im Oktober 2010 hätten verdeckte Ermittler Kontakt zu einem 42-jährigen Kanadier aufgenommen, der Bilder von Missbrauchsopfern angeboten habe, sagte die Kommissarin Beaven-Desjardins. Der Beschuldigte habe laut kanadischen Medienberichten über eine Firma in Ontario kinderpornografische Fotos und Filme von Jungen aus Deutschland, Rumänien und der Ukraine verkauft. Er sitzt bereits seit Mai 2011 in Haft.

Die Ermittler stellten auf Rechnern der Firma des Hauptverdächtigen Datenmaterial im Umfang 45 Terabytes sicher, darunter Tausende Fotos und Videos mit "schrecklichen" Missbrauchsszenen, deren Opfer mitunter nicht älter als fünf Jahre gewesen seien, sagte Beaven-Desjardins. Die Firma, deren Webseite Kunden in aller Welt bediente, habe mehr als vier Millionen Dollar (knapp drei Millionen Euro) Umsatz gemacht.

Dabei agierte das Unternehmen nicht im Verdeckten. Es war offiziell als Aktiengesellschaft eingetragen und markenrechtlich geschützt. Bereits 2004 befand die AG sich deshalb in einem Rechtsstreit mit einem amerikanischen Konkurrenten. Beide Firmen beriefen sich darauf, dass ihre Filme nicht pornografischer Art seien, sondern lediglich die europäische Freikörperkultur widerspiegelten.

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Quelle: n-tv.de

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