Panorama

Gefälschte MedikamenteDeutsche zahlen Milliarden

16.02.2010, 11:18 Uhr

Die Deutschen wird eine zweifelhafte Ehre zuteil: In Europa übertreffen sie alle ihre Nachbarn bei den Ausgaben für gefälschte Medikamente.

Die Deutschen geben laut einer Untersuchung der Pharmaindustrie in Europa am meisten Geld für gefälschte Medikamente aus. In Deutschland würden schätzungsweise 3,6 Milliarden Euro für die illegalen Nachahmerprodukte ausgegeben, hieß es in einer in London veröffentlichten Studie im Auftrag des Pharmakonzerns Pfizer. In ganz Europa werden demnach jährlich 10,5 Milliarden Euro mit gefälschten Medikamenten umgesetzt. Den größten Anteil an den Fälschungen hätten mit 45 Prozent Diät-Pillen, gefolgt von Grippemedikamenten (35 Prozent) und Mitteln gegen Erektionsstörungen (25 Prozent).

Für die Untersuchung befragte das Institut Nunwood im Auftrag von Pfizer 14.000 Menschen in 14 europäischen Ländern. Gut ein Fünftel (21 Prozent) der Befragten gab an, dass sie schon einmal Medikamente dubioser Herkunft ohne das vorgeschriebene Rezept gekauft hätten. Bei den Deutschen und den Italienern lag der Anteil mit 38 und 37 Prozent jedoch deutlich höher. Ein Drittel aller Befragten gab an, die zweifelhaften Arzneien im Internet aus Gründen der Zeitersparnis gekauft zu haben, 39 Prozent gaben als Grund an, mit diesen Medikamenten Geld sparen zu wollen.

Der Branchenprimus Pfizer warnte, von den im Internet gekauften Medikamenten seien zwischen 50 und 90 Prozent gefälscht. Manchmal enthielten sie sogar giftige Substanzen wie Rattengift oder Borsäure. Pfizer verdient insbesondere mit dem Potenzmittel Viagra, das besonders oft gefälscht wird.

Im Dezember hatte der damalige deutsche EU-Industriekommissar , in der EU seien innerhalb von nur zwei Monaten 34 Millionen gefälschte Pillen beschlagnahmt worden. Diese Zahl überstieg demnach die schlimmsten Befürchtungen in Brüssel.

Quelle: AFP