Montag, 26. Juli 2010
Veranstalter klagt an: "Polizei gab Anweisungen"
Immer mehr Menschen drängen gegen die geschlossenen Zugangsschleusen. So soll das Nadelöhr im Tunnel passierbar bleiben. Doch die Polizei lässt die Barrieren öffnen - entgegen des Sicherheitskonzepts, sagt Loveparade-Chef Rainer Schaller. In der Folge sterben 21 Menschen.
Betroffen: Rainer Schaller.
(Foto: picture alliance / dpa)
Die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade könnte nach Einschätzung von Loveparade-Chef Rainer Schaller durch eine verhängnisvolle Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa äußerte sich Schaller ausführlich zu dem Unglück. "Die Einsatzleitung der Polizei hat die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen", sagte der 41-Jährige.
Zuvor hätten die Veranstalter 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil bereits eine Überfüllung des Tunnels drohte. Dann aber sei der Hauptstrom der Besucher wegen der Polizeianweisung unkontrolliert in den Tunnel geströmt. Warum die Polizei diese Anweisung gegeben habe, wisse er nicht, sagte Schaller. "Für den Fall der Überfüllung sollten die Schleusen geschlossen werden."
"Behörden wollten Einzäunung"
Der Gründer der Fitness-Kette McFit widersprach vehement, dass aus Profitgier Sicherheitsbedenken hinten angestellt worden wären. "Wir haben nie Druck auf eine Herabsetzung der Sicherheit ausgeübt. Nach derzeitigem Stand haben wir sämtliche Auflagen erfüllt. Das gesamte Konzept war in jedem Punkt in wöchentlichen Sitzungen mit Polizei, Feuerwehr und Stadt abgestimmt", sagte der 41-Jährige. "Wir haben niemals an der Loveparade Geld verdient - das war auch nicht unser Ziel", sagte ein sichtlich mitgenommener "Mr. Loveparade".
So sei die Einzäunung des Geländes von den Behörden aus Sicherheitsgründen verlangt worden, nicht etwa um den Getränkeverkauf in eigener Hand zu behalten. "Wir haben ungern eingezäunt." Alle Einzelheiten seien "von den Behörden abgenickt oder vorgegeben worden". Auf die Frage, ob der Tunnel als einziger Zugang nicht ungeeignet war, sagte der Unternehmer: "Alle Behörden haben die Eingangssituation abgenickt, sonst hätten wir das nicht gemacht." Der Tunnel sei als einziger Zugang "extrem intensiv geprüft und die Genehmigung erteilt worden".
"75 Prozent ausgelastet"
Warum sich ein Pfropfen aus Menschen gebildet habe, wisse er derzeit noch nicht. Die Auswertung des Videomaterials und die Rücksprache mit den 2000 Mitarbeitern der Großveranstaltung laufe auf Hochtouren. An einer Überfüllung des Geländes habe es jedenfalls nicht gelegen, das lasse sich beweisen: "Das Gelände war zu dem Zeitpunkt zu 75 Prozent ausgelastet. Es waren etwa 187.000 auf den Gelände."
"Als Veranstalter haben wir eine große Verantwortung und es tut mir unglaublich leid. Ich bin erschüttert und fassungslos." Von einer Warnung des Panikforschers Michael Schreckenberg habe er persönlich nichts erfahren, sagte Schaller. Auf der Loveparade-Webseite könnten Angehörige und überlebende Opfer Hilfe bekommen. "Wir stellen Psychologen und Seelsorger zur Verfügung."
dpa
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