Montag, 23. Mai 2011
"Einfach alles platt gemacht": Fast 100 Tote bei Tornado-Serie
Wenige Wochen nach den verheerenden Stürmen im Südosten der USA werden nun der Norden und das Zentrum des Landes von schweren Tornados mit nahezu 100 Todesopfern heimgesucht. Allein in der Kleinstadt Joplin im Bundesstaat Missouri sterben mindestens 90 Menschen. Die insgesamt 46 Tornados in sieben Bundesstaaten zerstören die Häuser und führen zu Stromausfällen.Die Zahl der Todesopfer des schweren Tornados im US-Bundesstaat Missouri ist auf nahezu 100 gestiegen. Rettungskräfte suchten Tag und Nacht in den Trümmern von Häusern, Geschäften und Schulen nach Überlebenden. Von dem Sturm am Sonntag wurde besonders die Kleinstadt Joplin mit 50.000 Einwohnern getroffen. Dort war nach ersten Schätzungen ein Zehntel aller Gebäude zerstört. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, rief den Notstand aus und beorderte die Nationalgarde des Bundesstaates ins Katastrophengebiet. Präsident Barack Obama stellte Hilfe des Bundes in Aussicht.
Luftbilder von Joplin zeigten eine etwa zehn Kilometer lange und einen Kilometer breite Schneise, die der Tornado geschlagen hatte. Die Stadträtin Melodee Colbert-Kean erklärte, im Süden und Osten des Ortes herrsche völlige Zerstörung. "Geschäfte, Wohnkomplexe, Häuser, Autos, Bäume, Schulen, woran auch immer Sie denken, es wurde platt gemacht, einfach platt gemacht", sagte sie. Auch ein Krankenhaus wurde getroffen. "Das Dach ist weg", sagte die Sprecherin einer benachbarten Klinik. Mehrere Patienten seien verletzt worden.
Zuflucht im Kühlraum eines Steak-Restaurants
Mehrere Familien suchten während des Tornados Zuflucht im Kühlraum eines Steak-Restaurants. "Ich bin nur dankbar, dass wir überlebt haben", sagte eine Frau, die mit Ehemann und Kindern in der Kälte und Dunkelheit der Kammer ausgeharrt hatte. Die Leiterin einer Konzerthalle beschrieb, wie Hunderte Menschen dort auf der Suche nach einer Unterkunft und medizinischer Hilfe zusammenkamen.
Allein in Joplin wurden mindestens 90 Menschen getötet. Die Rettungskräfte gingen von einer noch höheren Totenzahl aus. Der für den Landkreis Jasper zuständige Leiter des Katastrophenschutzes Keith Stammer warnte, das ganze Ausmaß der Zerstörung werde erst nach und nach bekannt werden. "Wir müssen jedes Gebäude, jedes Haus durchsuchen", sagte er.
Menschen suchten in den Trümmern nach Verwandten, Freunden und Nachbarn. In Joplin sei nichts mehr wiederzuerkennen, sagte der 23-jährige Jeff Law laut "Springfield News-Leader". "Das ist wie das Ende der Welt."
Tornado offenbar nicht zu erkennen
Der Tornado hat nach Angaben der Nationalen Wetterbehörde gegen 17.45 Uhr Ortszeit zugeschlagen. Er war nach Auskunft von Meteorologen von Regen und Hagel verhüllt gewesen, so dass eine frühzeitige Warnung nicht möglich war. Der Sturm war Teil einer riesigen Unwetterfront, die sich über zahlreiche Staaten erstreckt hatte.
Missouri ist etwa halb so groß wie Deutschland und hat sechs Millionen Einwohner. Im vergangenen Monat waren bei einer Serie verheerender Tornados im Süden der USA etwa 330 Menschen getötet worden. Ende April kamen allein im Bundesstaat Alabama 238 Menschen ums Leben.
dpa/rts/AFP
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