Panorama

Elfjähriges Mädchen verheiratetElfenbeinküste will "Exempel statuieren"

18.10.2014, 13:24 Uhr
zwangsehe
Nur schwer oder meist gar nicht entkommen die Mädchen der Zwangsehe. (Foto: picture alliance / dpa)

In Westafrika heiraten rund zwölf Prozent der Mädchen und Frauen vor ihrem 15. und 36 Prozent vor ihrem 18. Lebensjahr. Viele werden sehr früh schwanger und sind damit in höchster Lebensgefahr. In Elfenbeinküste soll jetzt ein Mann dafür vor Gericht.

Zum ersten Mal muss sich ein Vater in der Elfenbeinküste wegen der Zwangsverheiratung seiner elfjährigen Tochter vor Gericht verantworten. Der 37-Jährige müsse am Mittwoch vor einem Gericht der Stadt Bouaké erscheinen, sagte ein Justizvertreter. Nach seinen Worten könnte der Prozess ein "Exempel statuieren".

Laut UN-Kinderhilfswerk Unicef heiraten rund zwölf Prozent der Frauen in dem westafrikanischen Staat vor ihrem 15. und 36 Prozent vor ihrem 18. Lebensjahr. Viele von ihnen dürfen danach nicht mehr in die Schule gehen, werden viel zu früh schwanger und laufen deshalb Gefahr, die Geburt ihres Kindes nicht zu überleben.

Nach Angaben des Justizvertreters wurde die Elfjährige am vergangenen Donnerstag verheiratet. Die Identität ihres Ehemanns sei unbekannt, weil Verwandte ihn während der Zeremonie vertreten hätten. Deshalb könne er auch nicht belangt werden. "Wir hatten Glück, normalerweise weigern sich die Leute, Zwangsehen zu melden", sagte der Vertreter.

Hinter dem Fall steht ein Projekt der örtlichen Nichtregierungsbewegung "Solidarität", die vor allem auf Aufklärung in den Schulen im Norden und Zentrum der Elfenbeinküste setzt. Nach Angaben von Projektleiter Martin Kouassi hatte der Schuldirektor des Mädchens die Organisation informiert, die daraufhin Anzeige erstattete.

Laut Kouassi verheiraten viele Eltern ihre jungen Töchter mit dem Argument, sie müssten eine außereheliche Schwangerschaft verheimlichen. In Wirklichkeit würden die meisten Mädchen aber an reiche Händler verheiratet: "Das ist ein Geschäft, das man nur nicht beim Namen nennt".

Quelle: ntv.de, ppo/AFP