Kind in Mauretanien verheiratetEltern in Spanien verurteilt
Ein mauretanisches Ehepaar ist in Spanien zu Haftstrafen verurteilt worden, weil es seine damals 14-jährige Tochter mit einem fast 30 Jahre älteren Mann zwangsverheiratet hat.
Als Selamha in den Sommerferien 2006 mit ihrer Mutter von Spanien nach Mauretanien reiste, ahnte sie nichts Böses. Doch im Heimatland ihrer Eltern fand ihr Vetter Mokhtar Gefallen an der 14-Jährigen und hielt um ihre Hand an. Gegen eine Mitgift von angeblich 500 Euro gab ihr Vater im südspanischen Puerto Real telefonisch sein Einverständnis - gegen ihren Willen wurde Selamha mit dem damals 40 Jahre alten Verwandten verheiratet.
Knapp drei Jahre später hat ein Gericht in Cdiz die Eltern und den Ehemann der heute 16-Jährigen wegen dieser Zwangsehe zu Haftstrafen verurteilt. Die Mutter muss nach Presseberichten vom Sonntag für 17 Jahre ins Gefängnis, der Vater für 18 Monate und der Vetter für 13 Jahre und sechs Monate. Im Juni 2007 hatte Selamha ihre Eltern und den Ehemann mit Unterstützung einer spanischen Nachbarsfamilie bei der Polizei angezeigt. Die drei wurden festgenommen.
Mokhtar war damals gerade in Puerto Real zu Besuch, und ihre Mutter hatte Selamha dem Urteil zufolge wie schon damals in Mauretanien gezwungen, mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben. Ihre Mutter habe sie dazu geprügelt, berichtete die 16-Jährige in dem Prozess. "Ich weigerte mich, aber meine Eltern sagten mir, sie würden mir den Hals durchschneiden", erzählte sie unter Tränen. "Mein Vater drohte mir, mich zu steinigen. Er selbst werde den ersten Stein werfen, sagte er."
"Das machen in Mauretanien alle Mädchen so"
Die Eltern und der Ehemann wiesen die Vorwürfe zurück. Die Initiative zur Heirat sei von Selamha selbst ausgegangen. "Ich habe eingewilligt, weil das in Mauretanien alle Mädchen in dem Alter machen", verteidigte sich der Vater. Die Familie lebt seit fast 20 Jahren in Puerto Real, wo Selamha mit ihrer jüngeren Schwester und dem Bruder zur Schule geht. Schuld an allem seien die spanischen Nachbarn, wo die Kinder nun wohnen, sagte der Vater weiter. "Sie haben Selamha manipuliert, weil sie eine Christin aus ihr machen wollen."
Doch die Richter glaubten den Angeklagten nicht. Sie sprachen die Mutter wegen sexueller Nötigung und Gewalt gegen Schutzbefohlene und den Vater wegen der Drohungen schuldig. Der Ehemann wurde wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt. Auch das Argument, in der islamischen Republik Mauretanien sei eine solche Ehe legal, ließ das Gericht nicht gelten.
In dem nordwestafrikanischen Wüstenstaat sorgte der Prozess für großes Aufsehen und löste Proteste gegen Spanien aus. Der mauretanische Botschafter forderte die spanischen Behörden auf, die religiösen und gesellschaftlichen Bräuche seines Landes zu respektieren. "Wenn die mauretanische Justiz einen Spanier nicht verurteilen darf, weil er Alkohol trinkt, kann die spanische Justiz auch nicht über unsere Traditionen richten", meinte die Zeitung "Le Quotidien". Die Eltern und Selamhas Mann wollen nun in Berufung gehen. Die 16-Jährige ist derweil in psychologischer Behandlung.