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Angehörige, Überlebende und Retter sind verzweifelt. Die Bergungsarbeiten sind enorm schwierig.
Angehörige, Überlebende und Retter sind verzweifelt. Die Bergungsarbeiten sind enorm schwierig.(Foto: AP)

Streik nach Grubenunglück in Soma: "Es gibt keine Hoffnung, es ist aus"

Nach dem schweren Grubenunglück im türkischen Soma schwindet die Chance, Überlebende zu bergen. Das Erstickungsrisiko für die Helfer ist zu groß. Gewerkschaften werfen der Regierung "Mord" vor und rufen zum Streik auf - die Proteste gegen Erdogan halten an.

Nach dem schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei richten sich Trauer und Wut zunehmend gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Bisland wurden 282 Kumpel tot geborgen, doch könnten noch Hunderte unter Tage in der tödlichen Falle stecken. Rettungskräfte vor Ort dämpfen allerdings die Aussicht darauf, noch Überlebende zu finden.

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"Es gibt keine Hoffnung mehr für sie, es ist aus", sagte der Bergmann Murat Kürkoglü in der Nacht vor dem Eingang der Grube in der südwestlichen Kohleregion. "Niemand kann auf den Grund des Bergwerks vordringen, das Erstickungsrisiko ist viel zu groß", sagte der für die Rettungsversuche verantwortliche Arzt Erdem Bakin. Zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstag waren nach Angaben von Energieminister Taner Yildiz 787 Kumpel unter Tage. Nach Behördenangaben wurden aber nur rund 270 geborgen, nach Angaben des Zechenbetreibers 450.

"Mord am Arbeitsplatz"

Der Gewerkschaftsdachverband KESK, der den Öffentlichen Dienst vertritt, hat zu einem unbefristeten Streik aufgerufen und die Regierung zum "Schuldigen des Massakers von Soma" erklärt. Der Gewerkschaftsbund sprach im Zusammenhang mit der Katastrophe vom größten "Mord" am Arbeitsplatz in der Geschichte der türkischen Republik, gegen den protestiert werden müsse.

Oppositionspolitiker werfen Erdogans AKP vor, im Parlament erst vor drei Wochen die Einsetzung einer Kommission abgeschmettert zu haben, die die prekäre Sicherheitslage in den türkischen Kohlebergwerken untersuchen sollte. Als Erdogan am Tag nach der Katastrophe in Soma dennoch jede Verantwortung zurückwies und erklärte, "Arbeitsunfälle ereigneten sich überall in der Welt", kam es zu wütenden Protesten, viele Kumpel und Opferangehörige traten mit Füßen gegen seine Limousine.

In Ankara und Istanbul demonstrierten am Mittwochabend mehrere tausend Menschen gegen Erdogan und seine Regierung, die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Menge vor. Der Gewerkschaftsbund KESK erklärte: "Diejenigen, die Privatisierungen vorantreiben und zur Kostenreduzierung die Leben von Arbeitern aufs Spiel setzen, sind die Schuldigen des Massakers von Soma und müssen zur Rechenschaft gezogen werden."

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Quelle: n-tv.de

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