Panorama

Verzweiflung in Grimma: "Es ist eine Katastrophe"

Es ist das zweite Jahrtausendhochwasser in gut zehn Jahren, das Grimma zurzeit erlebt. Gerade ist die 2002 zerstörte Innenstadt wieder hergerichtet, da muss der Ort abermals mit den Fluten kämpfen. Gelingt es der sächsischen Kleinstadt, nochmal von vorn anzufangen? Im Gespräch mit n-tv.de äußert Oberbürgermeister Berger Zweifel.

n-tv.de: Herr Berger, wie schlimm ist die Lage in Grimma gerade?

Matthias Berger: Katastrophal. Wir gehen davon aus, dass wir über die Werte kommen von 2002, heute im Laufe des Tages. Und das heißt, dass alles, was in den letzten zehn Jahren aufgebaut wurde - mit viel Unterstützung vom Staat und von vielen Bürgern - wahrscheinlich wieder kaputt gemacht wird. Wir rechnen mit einem Schaden von 300 bis 400 Millionen Euro.

Wie begegnen Sie der Situation im Moment? Ist die Stadt besser vorbereitet als 2002?

Die Innenstadt wurde evakuiert, die Menschen tun, was getan werden muss. Doch Resignation macht sich breit.
Die Innenstadt wurde evakuiert, die Menschen tun, was getan werden muss. Doch Resignation macht sich breit.(Foto: picture alliance / dpa)

Die ganze Alarmierung und Evakuierung, das hat gut und professionell geklappt. Ohne jede Hektik und ohne Chaos sind alle evakuiert worden. Da sind wir unseren Leuten sehr dankbar.

Wie ist die Stimmung im Ort?

Zwei Jahrtausendhochwasser in zehn Jahren, das ist dann doch ein bisschen viel. Der jetzt wieder zu erwartende materielle Schaden...: Ich habe Angst, dass die Grimmaer hier nicht nochmal von vorn anfangen. Die Menschen sehen mit Entsetzen, was gerade passiert. Die, die es betrifft, sehen es gar nicht mehr; die resignieren, die sind fertig, richtig fertig. Zehn Jahre lang haben sie mit großer Unterstützung Grimma wieder aufgebaut. Und nachdem die Stadt quasi wieder auferstanden ist, wird sie wieder plattgemacht, wahrscheinlich schlimmer als zuvor. Da beantwortet sich die Frage, wie die Menschen sich fühlen, von selbst.

Warum trifft es immer wieder Grimma?

Die Mulde entwässert im Prinzip einen großen Teil Sachsens. Wenn es Flächenabregnungen gibt, kriegen wir das hier komprimiert ab. Das ist diesmal passiert oder wird noch passieren, denn der Höchstpegel kommt erst noch heute Nacht. Es ist eine Katastrophe. Der Hochwasserschutz, die Anlage vom Freistaat Sachsen, ist im Bau. Sie ist aber nicht fertig. Deswegen hat es jetzt hier den Volltreffer gegeben.

Wie hoch ist der Pegelstand im Moment?

Im Innenstadtbereich schätze ich ihn auf 1,50 Meter. Da kommen aber sicher noch 2,50 Meter drauf. Dann liegen wir locker über den Werten von 2002.

Was braucht Grimma jetzt?

Wir brauchen jeden, der uns helfen möchte. Wir haben ein Konto eingerichtet, das auf der Homepage der Stadt bekannt gegeben wird. Auch Helferangebote, Arbeitsleistung, Material nehmen wir gern entgegen. Wir rüsten fürs Wiederauferstehen, aber ob die Leute, auch unsere eigenen, da mitmachen werden, da bin ich skeptisch und selbst ein bisschen unentschlossen. Erstmal müssen wir das Hochwasser hinter uns bringen.

Mit Oberbürgermeister Matthias Berger sprach Andrea Schorsch.

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Quelle: n-tv.de

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