Spachteln vor dem FernseherEssen verkommt zur Nebensache
Einen ausgewogenen Speiseplan, viel Frisches und reichlich Zeit zum Verzehr empfehlen Ernährungsexperten gerne. Die Realität sieht, wie ein Umfrage jetzt zeigt, ganz anders aus. Schnell, nebenher und aus der Konserve, sind die Attribute, die sie am besten beschreiben.
Essen ist für viele Deutsche zur Nebensache geworden. Nur für jeden Zweiten hat die Ernährung einen hohen Stellenwert, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zeigt. Bei etwa einem Drittel läuft beim Essen dagegen der Fernseher oder Computer. Vor allem jüngere Menschen essen oft mit der Gabel in der einen und dem Smartphone in der anderen Hand, beklagen die Autoren der Studie. Bei vier von zehn jungen Erwachsenen verkomme das Essen dadurch zur Nebensache.
Täglich gekocht wird nur in jedem zweiten Haushalt. In jeder dritten Familie wird immerhin drei- bis fünfmal pro Woche ein Essen selbst zubereitet. Beim Rest bleibt der Herd meist kalt. Stattdessen kommen immer öfter schnelle Fertiggerichte auf den Tisch. Im Durchschnitt greifen vier von zehn Menschen mindestens ein- bis zweimal in der Woche zu Tütensuppe oder Tiefkühlpizza.
Gute Vorsätze sind schnell perdu
Die meisten essen laut Studie nach dem Motto: Hauptsache, es schmeckt. 45 Prozent ist es am wichtigsten, dass ein Essen lecker ist. Deutlich weniger, nämlich 35 Prozent, legen Wert auf gesunde Kost. Etwa die Hälfte nennt demnach fehlende Zeit und Ruhe als wesentlichste Hürde für eine gesündere Ernährung. Bei den Geringverdienern gibt zudem mehr als jeder dritte fehlendes Geld als Hindernis an. Oft siege aber schlichtweg der "innere Schweinehund" gegen die guten Vorsätze, meinen die Autoren der Studie.
Allerdings fällt es vielen Menschen tatsächlich schwer, eine gesunde Ernährung mit ihrer Arbeit zu vereinbaren. "Ein Drittel aller Berufstätigen beklagt, dass eine gesunde Ernährung bei seiner Arbeit schlichtweg nicht möglich ist", erklärte Forsa-Chef Manfred Güllner. Hauptprobleme seien die begrenzte Auswahl und der Zeitdruck. Vier von zehn Berufstätigen geben an, dass sie bei der Arbeit nicht viel essen, dafür dann aber abends zu Hause umso reichlicher. Forsa befragte im Januar 1000 Erwachsene zu ihrem Essverhalten.