"A Very European Break Up"Euro-Retter aus Leidenschaft
Ein Kurzfilm macht im Internet Furore. Ein englischer Filmemacher vergleicht in "A Very European Breakup" die streitende Euro-Gemeinde mit einem sich zankenden Liebespaar. Er, ein in den Tag hinein lebender Grieche. Sie, eine alles durchplanende und disziplinierte Deutsche. Und natürlich darf der Einfluss einer hübschen Spanierin nicht fehlen.
Die Entwicklungen in der griechischen Schuldenkrise sind normalerweise schwere Kost - ein englischer Internet-Film nimmt sich des Themas aber nun in Form einer Beziehungskomödie an. In "A Very European Break Up" ("Eine sehr europäische Trennung") streiten ein Südländer mit Dreitagebart namens Greco und eine überreizte und gestrenge Blondine über die Rechnungen, die der Mann angehäuft - und ignoriert - hat. Mit Klebezetteln kennzeichnet sie seine Habe, die er verkaufen soll, um seine Außenstände zu begleichen. Er hingegen versucht, sie mit seinen Kochkünsten zu besänftigen.
Die Nachbarn, eine Spanierin und ein Brite, mischen sich in den Beziehungsstreit ein. Doch auch wenn der Brite der Ehefrau zur Trennung rät, stehen am Ende des Filmchens die Zeichen auf Versöhnung.
Macher des knapp neunminütigen Films, der auf YouTube schon mehr als 130.000 Mal angeklickt wurde, ist der Brite Bob Denham. Er wolle zeigen, dass Wirtschaft "nicht aus Männern mit Haarausfall an Rednerpulten oder Grafiken in Lehrbüchern besteht", schreibt die griechische Zeitung "Kathimerini". "Es gibt kein besseres Thema für einen Film", sagt Denham. Es sei tatsächlich möglich, einen lustigen Film zu machen, auch wenn er ein "politisches und wirtschaftliches Problem behandelt, das ganz Europa beeinflusst". Athen und Berlin sollten einsehen, "dass es für beide Länder Gründe gibt, weiter zusammenzuleben".
Erzählkunst der Antike lebt auf
Denham sieht sich selbst in der Tradition der antiken Erzähler, die mit nichts anderem als ihren Geschichten von Dorf zu Dorf gezogen sind. "Ich nutze nur den Film dazu." Dabei ist Denham laut "Handelsblatt" kein gelernter Regisseur, sondern studierter Ökonom. Zum Film kam er erst über mehrere Umwege. Nach dem Studium arbeitete Denham kurze Zeit als Investmentbanker für Merrill Lynch, es folgte ein kurzer Ausflug in den Journalismus.
Es sollen weitere Kurzfilme folgen: Eine Fortsetzung des aktuellen Videos und ein Projekt über Banker in London seien in Planung, so Denham. Im Moment sei die Finanzierung sehr knapp, die Produktionsfirma bestehe aus ihm selbst und mehreren Freiwilligen. "Das Budget für "A Very European Breakup" war sogar noch etwas knapper als der griechische Staatshaushalt", meint Denham augenzwinkernd. Die Produktionskosten betrugen weniger als 500 Pfund.