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Noch haben die Ermittler mehr Fragen als Antworten.
Noch haben die Ermittler mehr Fragen als Antworten.(Foto: AP)

Flugschreiber gefunden: Ex-Militärpiloten wahrscheinlich tot

Beide waren geübte frühere Militärpiloten. Doch die Polizei hat keine Hoffnung mehr für die zwei Insassen des im Sauerland abgestürzten Flugzeugs. Noch sind die Leichen nicht gefunden, Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder aber schon.

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Die beiden Insassen der bei einer Luftwaffenübung im Sauerland abgestürzten Privatmaschine sind nach Einschätzung der Polizei tot. "Wir gehen inzwischen davon aus, dass beide nicht überlebt haben", sagte ein Sprecher in Meschede. Am Wrack waren Leichenteile gefunden worden. Die an der Übung beteiligte Privatmaschine war am Montag in etwa 2500 Metern Höhe mit einem Eurofighter der Bundeswehr kollidiert und kurz hinter der Ortschaft Olsberg-Elpe abgestürzt.

Die 50 und 43 Jahre alten Männer waren ehemalige Militärpiloten, wie die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) im schleswig-holsteinischen Hohn mitteilte. Sie hätten in einem Learjet gemeinsam mit zwei Eurofightern einen sogenannten Renegade-Einsatz geflogen, sagte GFD-Geschäftsführer Klaus Menzel. Die Maschine sei in Hohn gestartet, das Manöver sollte dann über dem Sauerland beginnen. Die Männer stammten aus dem nördlichen Schleswig-Holstein.

Der Begriff "Renegade" stammt aus dem Englischen und steht für Abtrünniger oder Überläufer. "Es passiert jeden Tag, dass ein Flugzeug in den deutschen Luftraum eintritt und nicht identifiziert werden kann", sagte Menzel. Genau dieser Fall habe trainiert werden sollen. Die GFD ist ein Tochterunternehmen der Airbus Defence and Space. Die Firma fliegt laut Menzel 15 Einsätze täglich für die Bundeswehr.

Untersuchung dauert noch Monate

Laut dem Militärexperten Thomas Wiegold ist die genaue Unglücksursache noch unklar. Aber es sehe danach aus, dass der Eurofighter sich vor das zivile Flugzeug gesetzt habe, um dieses zu führen, und die Privatmaschine dabei zu sehr in die Kurve gegangen sei und den Eurofighter dabei gestreift habe.

Die Ursachenforschung wird voraussichtlich noch etliche Monate dauern. Zwar wurden Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder des abgestürzten Learjets geborgen, wie die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig und die Staatsanwaltschaft Arnsberg mitteilten. Einem BFU-Sprecher zufolge könnte aber bis zu ein Jahr vergehen, ehe der Abschlussbericht mit der genauen Absturzursache vorliegt.

Wiegold betonte weiter bei n-tv, dass "Renegade"-Übungen praktisch jede Woche stattfänden. Dabei werde kein Krieg geübt, vielmehr funktioniere die Bundeswehr praktisch als Verkehrspolizei. "Im Normalfall, und das kommt immer wieder vor, ist es einfach ein normales Linienflugzeug, wo die Piloten das Funkgerät nicht eingeschaltet haben oder einen anderen Fehler gemacht haben. Und insofern ist es etwas, was jederzeit über Deutschland passiert und auch über Deutschland geübt werden muss."

Eurofighter kehrten zurück

Ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin sprach von einer "Art Abfang-Übung". Die Eurofighter seien aber nicht bewaffnet gewesen. Einer der beiden Kampfjets war bei der Kollision stark beschädigt worden und hatte neben Maschinenteilen auch einen Tank verloren. Ob sich in dem Ersatzbehältnis Treibstoff befand, konnte der Sprecher nicht sagen. Nach dem Unfall landeten beide Eurofighter wieder auf Stützpunkten in Köln-Wahn und im nahe gelegenen Nörvenich.

Gegen die Piloten der zwei Bundeswehr-Kampfjets wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Arnsberg wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Falls ein technisches Problem für den Absturz verantwortlich sein sollte, könnten sich die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung beispielsweise auch gegen Bodenpersonal richten, sagte ein Sprecher.

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Quelle: n-tv.de

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