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Spurensicherung am Unfallort:  "Ich glaube nicht, dass der Brand durch den Unfall ausgelöst wurde."
Spurensicherung am Unfallort: "Ich glaube nicht, dass der Brand durch den Unfall ausgelöst wurde."(Foto: picture alliance / Nicolas Armer)
Montag, 03. Juli 2017

Flammenhölle auf der A9: Experte vermutet Brandherd im Reisebus

Von Martin Morcinek

Der Busunfall auf der A9 mit mindestens 18 Toten wirft beunruhigende Fragen auf. Wieso konnte das Fahrzeug so schnell in Flammen aufgehen? Ein Unfallforscher der Versicherer glaubt nicht, dass der Auffahrunfall die Ursache gewesen sein kann.

Bereits die ersten Bilder von der Unfallstelle zeugen von der enormen Hitze des Feuers: Verkohlt und deformiert steht das ausgebrannte Wrack eines Reisebusses am rechten Fahrbahnrand der Autobahn A9 in Fahrtrichtung Süden. Bei einem der schwersten Busunfälle seit Jahren in Deutschland sind hier in Oberfranken auf der Höhe von Stammbach im Landkreis Hof im Inneren des Unglücksbusses mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen.

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Die Unfallursache und der genaue Ablauf der Ereignisse liegen noch vollkommen im Dunkeln. In ersten Berichten vom Unfallort hieß es, der Reisebus sei offenbar auf einen Sattelzug am Stauende aufgefahren und dabei sofort in Flammen aufgegangen. An Bord befand sich eine 46-köpfige Seniorenreisegruppe sowie zwei Fahrer. 30 Personen konnten sich verletzt ins Freie retten. Für 18 Menschen jedoch kam jede Hilfe zu spät. Sie sind offenbar im Inneren des Busses bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Spekulationen zur Unfallursache

Der ungewöhnlich schwere Unfall stellt Experten vor zahlreiche Rätsel: Wie konnte das Fahrzeug so schnell in Brand geraten? Die Flammen müssen sich in Windeseile durch den Fahrgastraum gefressen haben. So schnell, dass es nach Angaben der Feuerwehr selbst den Ersthelfern am Unfallort aufgrund der großen Hitze nicht möglich war, an den Bus heranzukommen.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) beim GDV.
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) beim GDV.(Foto: UDV / GDV.de)

Und, vor allem: Was genau hat den Brand ausgelöst? Die Unfallstelle liegt in einer weiten Rechtskurve. Hier bildete sich ein Stau, in dessen Ende der Bus auf einen angeblich mit Matratzen beladenen Sattelzug auffuhr. Kann ein solcher Auffahrunfall einen Reisenbus tatsächlich in eine Flammenhölle verwandeln?

Brandherd an Bord?

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), geht aufgrund der bisher verfügbaren Informationen nicht davon aus, dass ein Auffahrunfall als Ursache für eine solche Feuerkatastrophe in Betracht kommt. "Ich glaube nicht, dass der Brand durch den Unfall ausgelöst wurde", sagt Brockmann im Gespräch mit n-tv.de. Bei einem Bus gebe es in der Frontpartie keine Bauteile, die sich durch einen Auffahrunfall so rasch entzünden könnten. Der Motor des Busses befindet sich demnach hinten.

Unfallstelle auf der A9: Vom Reisebus bleibt nur das ausgebrannte Metallskelett.
Unfallstelle auf der A9: Vom Reisebus bleibt nur das ausgebrannte Metallskelett.(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Brockmann verweist auf mehrere Befunde, die ihm eigenartig vorkommen: Der Lkw-Anhänger, auf den der Bus offenbar auffuhr, sei abgesehen von der Einwirkung des Feuers "praktisch nicht beschädigt". Auffällig sei auch, dass der Reisebus offenbar am äußersten rechten Fahrbahnrand zum Stehen kam - wie bei einem beabsichtigten Nothalt-Manöver. Und: Auf ersten Bildern vom Unfallort sei zu erkennen, so Brockmann weiter, dass brennende Teile hinter dem verunglückten Bus lagen. "Noch ist es nur eine ungestützte Theorie, das muss man so deutlich sagen", erklärt der Unfallforscher. "Aber ich glaube, dass der Brand bereits da war."

Busse "leider ziemlich brennbar"

Diesem Szenario zufolge könnte sich das Unglück in etwa so abgespielt haben: Während der Fahrt könnte es am Bus oder im Inneren zu einem Schwelbrand gekommen sein. Theoretisch denkbar wäre etwa ein überhitztes Bauteil, eine schleifende Bremse, ein defekter Reifen oder auch ein Kurzschluss im Gepäckraum. Bei voller Fahrt könnte der Fahrtwind die Flammen lange unterdrückt haben.

Erst als der Fahrer das Problem wahrnahm und sein Fahrzeug am Stauende zum Halten brachte, dürften die Flammen plötzlich hochgeschlagen und auf den Innenraum übergesprungen sein. Das Öffnen der Türen könnte die Flammen dann schlagartig angefacht haben. Bislang sei das nur eine Theorie, betont Brockmann, "aber eine, die die Spuren am Unfallort besser erklärt als ein bloßer Auffahrunfall".

"Das Problem ist, dass Busse leider ziemlich brennbar sind", sagt er. Viele Elemente im Innenraum seien leider immer noch nicht aus feuerhemmenden Materialien. "Das ist noch nicht Vorschrift", erklärt der Unfallforscher. Vorgeschrieben seien dagegen ein automatischer Notbremsassistent und eine Brandmeldeanlage. Allerdings gelte das nur für jüngere Busse mit einer Zulassung ab 2015. "Gut möglich, dass dieser Reisebus damit noch nicht ausgestattet war."

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Quelle: n-tv.de

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