Samstag, 13. März 2010
Verdächtigter wieder frei: Polizeipanne nach Poker-Raub
Die Berliner Polizei muss im Fall des spektakulären Poker-Überfalls eine Schlappe hinnehmen. Die Ermittler lassen einen festgenommenen Mann wieder laufen, der offenbar Opfer einer Verwechslung wurde. Er war an einem Casino-Raub 2004 beteiligt und hatte seine Strafe verbüßt.Ein festgenommener Tatverdächtiger zum Raubüberfall auf ein Poker-Turnier in Berlin ist wieder frei. Das teilte Polizeisprecher Frank Millert mit. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr.
Damit verwandelte sich der erste "Fahndungserfolg" der Polizei nach wenigen Stunden in eine Panne. Der Mann war am Freitagabend gegen 21 Uhr in einer Wohnung in Berlin von Spezialeinsatzkräften der Polizei unter dem Vorwurf des gemeinschaftlichen schweren Raubes festgenommen worden.
Zuvor hatte ein Richter am Amtsgericht Tiergarten Haftbefehl erlassen. Zum Alter und zur Identität des festgesetzten Mannes wurden keine Angaben gemacht. Nach Medienberichten soll der vorübergehend Festgenommene arabischer Herkunft und beim Überfall auf ein Berliner Spielcasino 2004 dabei gewesen sein. Dafür sei er rechtskräftig zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Er sei erst seit kurzem wieder auf freiem Fuß. Offenbar glaubte die Polizei irrtümlich, ihn anhand eines Fotoabgleichs mit Aufnahmen vom damaligen Überfall identifiziert zu haben.
Am vergangenen Samstag waren vier bewaffnete Männer in das Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte gestürmt und hatten während eines dort ausgetragenen internationalen Poker-Turniers rund 242.000 Euro erbeutet.
Turnier rechtlich nicht einwandfrei
Das Pokerturnier selbst soll einem Medienbericht zufolge rechtlich nicht einwandfrei gewesen sein. Das Turnier sei nicht mit dem Glücksspielstaatsvertrag vereinbar gewesen, schreibt der "Spiegel". Andere Bundesländer wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hätten das Spiel deshalb verhindert. Grundsätzlich sei Pokerspiel mit hohen Einsätzen nur in zugelassenen Spielbanken mit entsprechenden Sicherheitseinrichtungen erlaubt. Um das Turnier dennoch ausrichten zu können, sei die Spielbank Berlin zum alleinigen Veranstalter und das Grand Hyatt zum "zeitweiligen Spielbankstandort" erklärt worden.
Darüber hinaus habe sich ein Teil der Kandidaten für das Berliner Turnier über illegale Spiele im Netz qualifizieren können. Der Internetanbieter "Pokerstars", der in Deutschland illegale Glücksspiele betreibe, habe das Pokerturnier gesponsert.
dpa/AFP
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