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Die Toilette kann auf verschiedene Weisen benutzt werden.
Die Toilette kann auf verschiedene Weisen benutzt werden.(Foto: TUUH/Sabine Schober)

Entwurf existierte schon: Flüchtlinge machen Multikulti-Klo möglich

Als im vergangenen Jahr Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, bedeutete das für viele Firmen auch gute Geschäfte. Beispielsweise für die Vermieter und Hersteller mobiler Toiletten. Allerdings taten sich auch neue Probleme auf.  Bei deren Lösung hat ein Toilettenhersteller aus Sachsen-Anhalt nun eine kleine Revolution geschafft: Ein Multikulti-Klo, das Wasser und Rohstoffe spart.

n-tv.de: Sie stellen mobile Toiletten her, also Dixie-Klos. Was haben Sie mit Flüchtlingen zu tun?

Peter Fliegenschmidt: Viele unserer Kunden versorgen die neu entstandenen Flüchtlingsunterkünfte. Von denen kam die Beschwerde, dass es speziell in den Flüchtlingsunterkünften für die Neuankömmlinge Probleme mit der Benutzung der Toiletten gibt.

Welche?

Die Flüchtlinge wussten einfach nicht, wie sie die benutzen sollten. Dazu muss man wissen, dass es in weiten Teilen der Welt üblich ist, sein Geschäft im Hocken zu verrichten und sich anschließend mit Wasser sauberzumachen. In unserem Teil der Welt soll man sitzen und sich mit Papier reinigen. Die Flüchtlinge hocken sich dann davor oder daneben oder darauf und wissen nicht, wie sie sich saubermachen sollen. Inzwischen gibt es Piktogramme, um die Benutzung zu erklären, aber das löst auch noch nicht jedes Problem.

Sie haben ja nun ein neues Modell. Was ändert sich damit?

Die neue Toilette ist eine Adaption an unsere bisherige Toilette. Man kann sie dual benutzen, man kann also darauf sitzen oder sie im Hocken benutzen. Bei der orientalischen Toilette hatte man bisher im Prinzip ein Loch im Boden und hockt sich darüber. Bei der neuen Toilette ist die Öffnung näher dran, damit steigt die Wahrscheinlichkeit, sie zu treffen. Also ist weniger sauber zu machen. Damit ist sie geeigneter als bisherige Hocktoiletten.

Vom wem kam der Entwurf für die Multikulti-Toilette?

Das Modell stammt von der Designerin Sabine Schober. Sie hat damit 2012 den Internationalen Toilet Design Award in Südafrika gewonnen. Schon dabei ging es um den Zugang von mehr Menschen zu angemessenen sanitären Einrichtungen. Wir wollten das Rad nicht neu erfinden, deshalb haben wir da die Grundmaße abgenommen. Wir haben das Modell sozusagen etwas abgewandelt.

Warum ist da bisher keiner drauf gekommen?

Es bewahrheitet sich wieder einmal, alle guten Dinge im Leben sind einfach. Und das ist wirklich sehr simpel. Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Aus Amerika schwappt eine Bewegung herüber, dass man aus medizinischen Gründen nicht sitzen sondern hocken soll.

Aber Ihre Überlegungen gehen ja noch weiter.

Wir machen uns schon seit längerem Gedanken darüber, ob die Entsorgung von Fäkalien mit Wasser nicht eine Fehlentwicklung war. Das spielt in unseren Breiten keine große Rolle, weil wir genug Wasser haben. Im Rest der Welt sieht das anders aus - im Mittelmeerraum, in Afrika, aber auch in Amerika. Dort macht es überhaupt keinen Sinn, das kostbare Wasser zum Entsorgen von Fäkalien zu benutzen. Hinzu kommt noch, dass die Rohstoffe für Düngemittel eher endlich sind als Öl oder Gas. Und wenn wir keine Düngemittel mehr herstellen können, bekommen wir Probleme mit der Welternährung. Da bietet es sich an, dass man Fäkalien recycelt und als Düngemittel verwendet. Inzwischen forschen sehr viele Universitäten daran, um mit diesen Problemen weiterzukommen. Auch wir arbeiten schon lange an diesen Überlegungen. Dafür haben wir eine Kooperation mit der Technischen Universität Hamburg Harburg, in die wir unser Knowhow für mobile Toiletten mit einbringen.

Wie lange brauchen sie bis zur Produktion?

Das Werkzeug wird nächste Woche fertig, dann können wir mit der Produktion beginnen und in etwa drei Wochen die ersten Toiletten ausliefern.

Mit Peter Fliegenschmidt sprach Solveig Bach

Quelle: n-tv.de

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