Panorama
Assange fühlt sich von US-Geheimdiensten verfolgt.
Assange fühlt sich von US-Geheimdiensten verfolgt.(Foto: REUTERS)
Samstag, 21. August 2010

Wirbel um Wikileaks-Chef: Haftbefehl zurückgezogen

Die schwedische Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen gegen den australischen Wikileaks-Chef Assange wegen des Verdachts der Vergewaltigung wieder ein. Es bestehe kein Verdacht mehr gegen ihn. Die Anzeige hatte kurzzeitig für großen Wirbel gesorgt.

Schwedens Justiz hat den Vergewaltigungs-Verdacht gegen den Chef des Internet-Portals Wikileaks, Julian Assange, zurückgenommen. Die Behörde hob den Haftbefehl gegen den 39-jährigen Australier wieder auf, der am Vorabend ausgestellt worden war. Behördensprecherin Eva Finné erklärte: "Es gibt für mich keinen Grund zu dem Verdacht mehr, dass er eine Vergewaltigung begangen hat."

Wikileaks hatte zuletzt durch die Veröffentlichung Zehntausender US-Geheimdokumente zum Afghanistan-Krieg weltweit Schlagzeilen gemacht. Den Haftbefehl gegen Assange hatte der Bericht von zwei Frauen ausgelöst, von denen die eine Assange Vergewaltigung und die andere zweiten sexuelle Nötigung bei zunächst freiwilligem Sex vorgeworfen hatten. Der Wikileaks-Chef war vor gut einer Woche zu einem Arbeitsbesuch nach Schweden gekommen. Er wies alle Anschuldigungen zurück.

Die beiden Frauen hatten keine Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft hatte trotzdem zunächst ermittelt und das mit der Schwere der Vorwürfe begründet. Der Haftbefehl sei wegen Verdunklungsgefahr ausgestellt worden.

Verteidigung auf Twitter

In einer Twitter-Mitteilung für Wikileaks schrieb Assange daraufhin: "Die Anschuldigungen sind haltlos, und ihre Verbreitung zu diesem Zeitpunkt ist ausgesprochen beunruhigend." Wikileaks hatte zuletzt durch die Veröffentlichung Zehntausender US-Geheimdokumente zum Afghanistan-Krieg weltweit Schlagzeilen gemacht. Immer wieder hatte es Gerüchte gegeben, dass US-Geheimdienste Assange und seinen Mitstreitern nachstellen. Auch in Europa fühlt sich Assange nach eigenen Angaben unter Beobachtung: "Wir haben hier in den letzten Monaten einige Vorfälle entdeckt", sagte der Wikileaks-Chef vor einigen Wochen.

Wikileaks soll die Veröffentlichung brisanter Dokumente ermöglichen - völlig anonym.
Wikileaks soll die Veröffentlichung brisanter Dokumente ermöglichen - völlig anonym.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Zu der für Schweden extrem ungewöhnlichen Veröffentlichung seines Namens im Zusammenhang mit dem Vergewaltigungs-Verdacht schrieb Assange in einer weiteren Twitter-Mitteilung: "Wir sind vor "schmutzigen Tricks" gewarnt worden. Jetzt erleben wir den ersten." Der Australier kündigte an, dass er mit der schwedischen Polizei Kontakt aufnehmen wolle.

Schutz der Piraten

Der Wikileaks-Chef hatte bei seinem Besuch in Stockholm unter anderem eine Zusammenarbeit mit der schwedischen Piratenpartei vereinbart. Sie will Wikileaks kostenfrei Server zur Verfügung stellen. Die größte schwedische Tageszeitung "Aftonbladet" hatte erst in dieser Woche eine Zusammenarbeit mit Assange als Kolumnist vereinbart. Sie kündigte an, dass die für Sonntag vorgesehene erste Kolumne nicht erscheinen werde.

Die Zeitung "Expressen", die den Namen des Wikileaks-Chefs als erstes Medium veröffentlicht hatte, begründete den Schritt trotz der sehr frühen Phase bei den Ermittlungen damit, dass es sich um einen "außergewöhnlichen Fall" handele. Der Chefredakteur Thomas Mattson schrieb: "Wir wissen natürlich nicht, was zwischen Assange und den beiden Frauen passiert ist, die zur Polizei gegangen sind. Assange muss als unschuldig betrachtet werden, bis er möglicherweise verurteilt ist. Trotzdem war es richtig, seinen Namen und sein Bild zu publizieren."

Als Hacker begonnen

Assange ist von einem jugendlichen Hacker zum weltweit bekannten Internet-Aktivisten aufgestiegen. Der 39- Jährige mit den schlohweißen Haaren hatte seine Karriere mit dem PC- Klassiker Commodore 64 begonnen. War er damals als Hacker in fremde Netze eingedrungen, sieht er sich heute vielmehr als "journalistischer Aktivist".

Als Gruppe von Aktivisten versteht Assange auch das vom ihm 2007 gegründete Enthüllungsnetzwerk Wikileaks. Dort werden brisante und heikle Dokumente veröffentlicht, die nach Ansicht von Assange und seinen Mitstreitern dazu beitragen, dass die Welt besser wird.

Aufsehen erregte Wikileaks erstmals mit der Veröffentlichung des Bordvideos eines US-Kampfhubschraubers aus dem Jahr 2007. In dem Video aus Bagdad war deutlich zu sehen, wie elf Zivilisten ­ darunter zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters ­ aus dem Hubschrauber heraus erschossen wurden. Seitdem tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass US-Geheimdienste Julian Assange nachstellen.

Quelle: n-tv.de

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