Panorama

12 Jahre Haft für Ehemann: Hartes Urteil für Mord ohne Leiche

Seit fast vier Jahren ist eine 23-Jährige spurlos verschwunden. Nun wird ihr zehn Jahre älterer Ehemann wegen Mordes verurteilt, obwohl die Leiche der Frau nie gefunden wurde. Am Ende entscheiden die zahlreichen Indizien.

Vor vier Jahren verschwand eine junge Mutter aus Kerpen bei Köln spurlos. Jetzt verurteilt das Kölner Landgericht ihren Ehemann zu zwölf Jahren Haft - wegen Totschlags. Doch was an jenem 12. März 2012 im Haus des Ehepaars tatsächlich geschah, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Denn die Leiche der 23-Jährigen wurde nie gefunden. "Wir müssen das Verfahren leider mit einem unbefriedigenden Ergebnis in der Sachaufklärung beenden", sagt der Vorsitzende Richter Heinz Hemmers am Ende eines sechsmonatigen Indizienprozesses.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.
Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.(Foto: dpa)

Fest steht nach Überzeugung der Kammer: Die 23-Jährige ist tot - und sie starb gewaltsam. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass sie ihre damals acht Monate alte Tochter gewollt zurückließ. Es sprächen zahlreiche Indizien dafür, dass der Ehemann seine Frau getötet und ihre Leiche beseitigt habe. Der Angeklagte scheint das Urteil unbewegt entgegenzunehmen.

Am Ende des Prozesses beteuert er seine Unschuld. Ansonsten hatte er geschwiegen. Der 33-Jährige sei ein notorischer Lügner, sagt der Richter. Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert und wollen nun in Revision gehen.

Große Liebe, hohe Schulden

Rückblende: Schon vor ihrem Abitur lernt die junge Frau den Kfz-Mechaniker kennen, es soll bei beiden die große Liebe gewesen sein. Sie ziehen zusammen, kaufen ein Haus. Doch dieses verschlingt hohe Renovierungskosten, schon bald häufen sich Schulden an. Der Angeklagte tischt seiner Ehefrau reihenweise Märchen auf. Unter anderem behauptet er, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein.

Als schließlich ein Gerichtsvollzieher mit der Zwangsräumung droht, sucht der Angeklagte ihn auf. Er erzählt ihm, seine Frau sei gestorben. Einige Tage später ruft der Gerichtsvollzieher bei der Familie an - ans Telefon geht: die angeblich tote Frau. Wahrscheinlich kommt es daraufhin zum Streit zwischen den Eheleuten, in dessen Verlauf der Mann seine Frau umbringt. Verwandten und Freunden erzählt er danach, die 23-Jährige sei abgehauen. Auch die Polizei geht lange von einem Vermisstenfall aus, ehe sich die Hinweise auf ein Verbrechen verdichten und sich der Verdacht gegen den Ehemann richtet.

So werden nach dem Verschwinden der 23-Jährigen mehrere SMS von ihrem Handy verschickt - aber der Schreibstil passt überhaupt nicht zu ihr. Die Handy-SIM-Karte wird später in einem Auto gefunden, das der Angeklagte benutzt hat. Auf der Kellertreppe des Hauses in Kerpen finden Ermittler Blutspuren.

"Zusammenfassend kommt nur der Angeklagte als Täter infrage", sagt Richter Hemmers. Doch wie der seine Frau getötet hat und was er mit der Leiche machte, konnte das Gericht nicht klären. Trotz der Befragung von insgesamt 120 Zeugen und Sachverständigen. Diese Ungewissheit ist nicht nur ein unbefriedigendes Ergebnis für das Gericht. Sie sei vor allem für die Angehörigen "eine außerordentliche Hypothek".

Quelle: n-tv.de

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