Panorama

Vor 60 JahrenHavilland startet ins Düsenzeitalter

27.07.2009, 13:24 Uhr

Platz für 36 Passagiere, maximal 788 Stundenkilometer und eine Reichweite von 2816 Kilometern: So begann mit der Comet 1 am 27. Juli 1949 ein neues Zeitalter der Luftfahrt.

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Mit dem ersten Flug der HE 178 am 27. August 1939 begann das Düsen-Zeitalter in der Luftfahrt. (Foto: picture-alliance / dpa)

Weltweit sind heute jeden Tag Millionen von Menschen mit Düsenflugzeugen unterwegs. 60 Jahre ist es her, dass die erste strahlgetriebene Verkehrsmaschine zu ihrem Jungfernflug abhob. Mit dem ersten Flug der Comet 1, die 36 Passagieren Platz bot, maximal 788 Stundenkilometer flog und eine Reichweite von 2816 Kilometern hatte, begann am 27. Juli 1949 ein neues Zeitalter der Luftfahrt.

Untrennbar mit der Comet 1 ist der Name Sir Geoffrey de Havilland verbunden. Er war einer der populärsten Briten des vorigen Jahrhunderts. Er gehörte noch zu einer Generation von Konstrukteuren, die nicht nur ein Flugzeug selbst entwarfen und bauten, sondern dazu auch noch den Motor konstruierten und herstellten, und die dann auch lernten, selbst mit der Maschine zu fliegen.

Absturz nach 40 Metern

"D.H.", wie er zeitlebens rund um den Globus genannt wurde, war von seiner frühesten Jugend an technisch interessiert. 1908 baute er mit seinem Freund Frank Hearle sein erstes Flugzeug. Mit diesem etwas kuriosen Gerät, dessen Rumpf sich in etwa in gleicher Länge vor und hinter den Flügeln erstreckte, stürzte er beim Erstflug Ende 1909 nach 40 Metern ab.

Er gab nicht auf. Mit dem gleichen Motor baute er prompt ein neues Flugzeug, das so gut funktionierte, dass er damit selber richtig fliegen lernte.

Die britische Regierung bot ihm und Hearle eine Stellung in der Royal Aircraft Factory an, aus der später das berühmte Royal Aircraft Establishment in Farnborough wurde. Es war die Wiege der industriellen britischen Luftfahrt.

Führungsposition in der zivilen Luftfahrt

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Das erste deutsche Düsenverkehrsflugzeug, eine VFW 614 des Baujahrs 1970, wurde die zu einem Demonstrationsflugzeug mit elektronischer Flugsteuerung umgerüstet (Archivbild vom 20.07.98). (Foto: picture-alliance / dpa)

Knapp vier Jahrzehnte später kam die Premiere der Comet 1. Das Flugzeug war die logische Konsequenz aus einem anderen historischen Luftfahrt-Ereignis. Am 2. August 1939 hatte Erich Warsitz mit seinem Jungfernflug mit der He 178 in Rostock-Marienehe das Düsenzeitalter eingeläutet. Was der geniale Erfinder Ernst Heinkel und sein kongenialer junger Physiker Hans-Joachim Pabst von Ohain begonnen hatten, setzte Geoffrey de Havilland in alltagstaugliche Praxis um.

Schon 1947 bestellte die britische Fluggesellschaft BOAC, die 1971 mit der BEA zu British Airways zusammengeschlossen wurde, 14 Exemplare der vierstrahligen Comet. Nach dem Jungfernflug 1949 waren die Briten überzeugt, eine Führungsposition in der zivilen Luftfahrt erobert zu haben. Schließlich waren drei intensive Arbeitsjahre dem Erstflug vorausgegangen und Werkstoffe mit Eigenschaften verwendet worden, die bis 1945 noch gar nicht bekannt gewesen waren.

Drei von neun Flugzeugen zerbrechen

Doch die großen Hoffnungen der britischen Flugzeugbauer sollten sich nicht erfüllen, obwohl sich inzwischen Pan American, Air France, Canadian Pacific, Air India und andere renommierte Airlines aus allen Kontinenten für die Comet 1 entschieden hatten. US-Flugzeugbauer sahen jenseits des Atlantiks bereits ihre Felle davonschwimmen.

Aber noch während Großbritanniens Pioniere ihren großen Traum vom globalen Triumph der Comet träumten, zerbrachen zwischen März 1953 und April 1954 drei von neun Comet 1 in der Luft.

Private Schicksalsschläge

Die mit den Katastrophen der Comet 1 verbundenen Rückschläge konnte De Havilland nicht auffangen. Zwar orderten immerhin 20 Airlines seine unterschiedlichen Weiterentwicklungen des ersten Düsenverkehrsflugzeugs der Welt. Aber der große Durchbruch am Markt gelang der Comet nie. Die Amerikaner setzten mit ihren Produkten längst neue Maßstäbe.

Auch das Privatleben Sir Geoffrey de Havillands war tragisch. 1943 verunglückte einer seiner Söhne bei einem Erprobungsflug tödlich. Drei Jahre später starb ein zweiter Sohn bei dem Versuch, die Schallmauer zu durchbrechen.

Quelle: Karl Morgenstern, dpa