Panorama
Mittwoch, 11. März 2009

Schön, schöner, Braut: Heiratsmarkt in Bulgarien

Wenn ein Rom aus dem Süden Bulgariens eine schöne Braut sucht, ist das traditionelle Frühlingsfest seines Stammes im Raum Stara Sagora ein Muss. Seit Menschengedenken werden dort die schönsten Mädchen von ihren Eltern vorgestellt, um verheiratet zu werden. Zum "Markt für Bräute" in dem Dorf Mogila, 220 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Sofia, sind auch diesmal wieder etwa 2000 Angehörige der Roma-Minderheit gepilgert. Die künftigen Ehefrauen haben sich künstliche Blumen ins Haar gesteckt und verführerische Kleider getragen.

"Ich komme mit meiner Tochter, meine Freundin mit ihrem Sohn. Sie sollen sich kennenlernen und verlieben", kommt Kalina aus Kapitan Andreewo an der türkischen Grenze schnell zum Punkt. Dass eine hübsche junge Braut auch teuer ist, versteht sich von selbst. Für außergewöhnlich schöne Frauen werden bei der Heirat "Preise von mehreren Tausend Euro" bezahlt, erzählt eine Festteilnehmerin beim Eintreffen am Bahnhof von Stara Sagora.

Tanz auf dem Autodach

Der "Festplatz" beim Dorf ist eine große Wiese. Gegenüber liegt der Vieh- und Geflügelmarkt. Plötzlich übertönt schrille orientalische Musik alle Gespräche. Der Lautsprecher steht auf einem mitten auf der Wiese geparkten Auto. Daneben tanzt auf dem Dach eines alten Autos ein seit zehn Tagen verheiratetes Paar. Die 17-jährige Frau im knallgrünen Kleid und der 21 Jahre alte Mann, ein Händler aus der südlichen Stadt Haskowo, geben auf diese Weise ihre Heirat bekannt.

Das ist für die Verwandten des Paares das Zeichen, ihre noch unverheirateten Töchter auf die improvisierte Bühne zu schicken. Auf der engen Tanzfläche des Autodachs zeigen sich die 17 und 18 Jahre alten Mädchen als geschickte Bauchtänzerinnen. Doch heiraten wollen die schönen Schwestern mit den goldenen Halsketten und Kleidern aus dunkelgrünem und weinrotem Samt noch nicht. Auch die 18-jährige Darinka aus Plowdiw fühlt sich noch "zu jung für die Ehe".

Die Zeiten ändern sich

"Die Zeiten haben sich sehr geändert", klagt Kalina über die Weigerung der Mädchen. Die etwa 50-jährige Frau mit zerfurchtem Gesicht trägt zu ihrem langen Zopf ein buntes Kopftuch. Das ist das Zeichen für die verheirateten Frauen. Auch sie habe damals ihren Mann auf diesem Fest kennengelernt, das stets am ersten Samstag nach dem Beginn der österlichen Fastenzeit stattfindet.

Ganze Familien sind auch mit Kleinkindern nach Mogila gekommen. Aus der zweitgrößten Stadt Plowdiw ebenso wie aus Sliwen und Jambol im Südosten. Sie gehören zum Stamm der Zinnschmiede, einem von mehreren christlich-orthodoxen Roma-Stämmen in Bulgarien. Ein Drittel der geschätzten 800.000 Roma in diesem Land sind dagegen Moslems.

Traditionen pflegen

"Früher wurden die Mädchen unseres Stammes schon mit 15 verheiratet", erinnert sich die 76 Jahre alte Marijka aus dem Raum Jambol. "Unsere Jugendlichen machen hier ihre Bekanntschaften, da wir sie nicht Diskotheken oder Cafes gehen lassen." Sie zeigt auf das Handy am Hals eines Jungen und auf die vielen, in langen Reihen geparkten, schäbigen Autos und schwört: "Trotz des Wandels wollen wir diese Tradition weiter pflegen."

Quelle: n-tv.de

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