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Geisterschiff vor Frankreich: Helfern glückt neue Bergungsaktion

Die fieberhaften Bemühungen in der Biskaya haben Erfolg: Schlepper ziehen den Frachter "Modern Express", der vor der französischen Küste zu stranden drohte, wieder zurück auf die offene See. Doch die Gefahr ist noch nicht ganz gebannt.

Das Frachtschiff, das seit Tagen führerlos durch die Biskaya getrieben ist, konnte wenige Dutzend Kilometer vor der französischen Atlantikküste gestoppt werden. Die jüngste Rettungsaktion sei ein Erfolg gewesen, sagte ein Sprecher der französischen Meerespräfektur für den Atlantik. Das Schiff werde nun nach Westen geschleppt. Nachdem ein Spezialistenteam eine Schleppleine an Bord befestigt hatte, konnte ein Schlepper die "Modern Express" in Richtung offene See drehen. Zuvor waren ähnliche Bergungsansätze gescheitert.

Hilfslos und verlassen in aufgewühlter See: Für die Helfer stellt die "Modern Express" zunächst vor allem eine Gefahr für Schifffahrt und Umwelt dar.
Hilfslos und verlassen in aufgewühlter See: Für die Helfer stellt die "Modern Express" zunächst vor allem eine Gefahr für Schifffahrt und Umwelt dar.(Foto: REUTERS)

"Heute geht es darum, den Konvoi von der Küste zu entfernen", sagte der Sprecher. Es bestehe aber weiterhin die Gefahr, dass die Schleppleine reiße. Zwischenzeitlich hatten die Ausläufer des Orkantiefs "Marita" das Meer in der Biskaya wieder aufgewühlt. Helfer und Beobachter sahen sich mit starkem Seegang, Regen und kräftigen Windböen konfrontiert. Um die Schlepptrosse anzubringen, hatte sich am Vormittag erneut ein Spezialteam auf den Frachter begeben. Schon der Transfer an Deck des seit fast einer Woche durch die Biskaya driftenden Frachters galt als riskant.

Die Fachleute mussten von Bord eines Hubschraubers an einer Stahlwinde über dem schwimmenden Unglücksschiff abgelassen werden. Rund um den RoRo-Frachter hatten sich drei Hochseeschlepper sowie ein Spezialschiff zur Bekämpfung von Umweltschäden bereitgehalten. Eine Fregatte der französischen Marine unterstützte die Bergungshelfer vor Ort mit Bordhubschraubern.

Extreme Schlagseite: Die Bergungsexperten warten nach ihrem Einsatz an Deck im Liegen auf die Seilwinde des Hubschraubers.
Extreme Schlagseite: Die Bergungsexperten warten nach ihrem Einsatz an Deck im Liegen auf die Seilwinde des Hubschraubers.(Foto: AP)

Die starke Schlagseite machte das Vorankommen im Inneren des Stahlkolosses mühsam und gefährlich. Aus Sicherheitsgründen musste der Hubschrauber zudem alle Mann vom Deck der "Modern Express" bergen, bevor die Schlepper ihren eigentlichen Abschleppversuch beginnen konnten.

300 Tonnen Treibstoff an Bord

In Seenot geraten war die "Modern Express" vor der Nordwestküste Spaniens etwa auf Höhe von La Coruna. Seitdem driftete es immer weiter nach Osten. Vom Wind getrieben legte der antriebslose und verlassene Frachter dabei bereits mehr als 500 Kilometer zurück und drohte jederzeit zu kentern.

Die Verhältnisse vor Ort waren schwierig: Zwar drückt ein Ausläufer des Golfstroms in der Biskaya große Wassermassen im Uhrzeigersinn der Küste entlang nach Süden. Bei den vorherrschenden Westwinden hätten Wind und Wellen ein steuerlos treibendes Schiff jedoch auch quer zur Strömung in die Brandung ans Ufer drücken können. Die Aufbauten der "Modern Express" boten den Winterstürmen ausreichend Angriffsfläche, um wie ein riesiges Segel zu wirken.

Die Rettung des unter der Flagge Panamas fahrenden Schiffes war vor dem Wochenende in rauer See gescheitert. Schlechte Wetterbedingungen erlaubten am Wochenende keine weiteren Versuche. Die 22 Besatzungsmitglieder waren bereits am vergangenen Dienstag per Hubschrauber gerettet worden. Das Schiff war unterwegs von einem Hafen in Gabun nach Le Havre und hat 3600 Tonnen Holz und Baumaschinen sowie etwa 300 Tonnen Treibstoff an Bord.

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Quelle: n-tv.de

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