Panorama

Zehntausende Frauen betroffen: Implantate platzen wegen Betrugs

Es ist eine Horrorvorstellung: die Brust mit Implantaten vergrößert, alles abgeheilt - und dann eine Entzündung. Für viele Frauen Realität, weil ein französischer Hersteller nicht zugelassenes Silikon verwendet haben soll. Zehntausende sind betroffen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die französischen Behörden haben wegen Brustimplantaten aus Silikon Alarm geschlagen, bei denen es verstärkt zu Rissen kommen kann. Gegen die in Südfrankreich ansässige Herstellerfirma Poly Implant Prothèse (PIP) seien Ermittlungen aufgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft von Marseille mit. Ob oder in welchem Umfang die Implantate auch in Deutschland verwendet wurden, ist unklar.

Am Dienstag hatte die Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte (Afssaps) die Implantate aus dem Handel genommen und einen Rückruf veranlasst. Die Firma habe für die Füllung ein nicht zugelassenes Silikon-Gel verwendet, hieß es. Dieses greife möglicherweise die Hülle der Implantate an und verursache so die Risse. Die Brustimplantate des Unternehmens seien seit 2001 bei 35.000 bis 45. 000 Frauen in Frankreich eingesetzt worden. Diese sollten jetzt von einem Arzt überprüfen lassen, ob ihre Implantate Rissen hätten. Bis zu tausend Französinnen bräuchten möglicherweise ein neues Implantat.

Auch in Deutschland?

Betroffen sein könnten auch zahlreiche Patienten im Ausland: PIP exportierte 90 Prozent seiner Produktion. Unternehmensangaben zufolge werden die Implantate in mehr als 60 Ländern vertrieben. Das in Bonn ansässige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) teilte mit, es sei am Dienstagabend von Frankreich über den Fall informiert worden. Auch die anderen europäischen Mitgliedsstaaten seien benachrichtigt worden. Nun werde zunächst eine Stellungnahme vom Hersteller abgewartet. Die Behörde hat nach eigenen Angaben derzeit keine Informationen darüber, ob die Implantate auch in Deutschland verwendet wurden.

Die französischen Prüfer hatten die Produktionsstätte der Firma in La Seyne-sur-Mer in der Nähe von Toulon untersucht, nachdem aufgefallen war, dass es bei den Implantaten von PIP doppelt so häufig zu Rissen kam wie bei den Produkten anderer Hersteller. Einen solchen Vorfall habe es in Frankreich bislang nicht gegeben, wo insgesamt eine halbe Million Frauen Brustimplantate tragen, erklärte die Behörde. PIP ist inzwischen in Konkurs gegangen und wurde geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Irreführung über die Eigenschaften des Produkts, Fälschung und Gefährdung des Lebens anderer. Für diese Vergehen sind Haftstrafen von bis zu vier Jahren vorgesehen.

Quelle: n-tv.de

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