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Nach 12 folgt...11: Die Uhr am Parlamentspalast in La Paz dreht sich künftig im eigenen "Uhrzeigersinn".
Nach 12 folgt...11: Die Uhr am Parlamentspalast in La Paz dreht sich künftig im eigenen "Uhrzeigersinn".(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Süd-Uhr soll Identität stärken: In Bolivien tickt's gegen den Uhrzeigersinn

Am Parlament von Bolivien prangt seit Kurzem eine auf links gedrehte Uhr. Was einige für einen technischen Fehler halten mögen, ist in Wahrheit von langer Hand geplant: Die Regierung will damit die "Identität des Südens" hervorheben.

Die Uhr an der Fassade des Parlamentspalastes in Boliviens Hauptstadt La Paz läuft ab sofort anders – nämlich gegen den Uhrzeigersinn. Entgegen der Uhren im Rest der Welt sollen die Zeitanzeigen in dem südamerikanischen Land künftig alle auf Links gedreht werden.

Außenminister Choquehuanca stammt wie Präsident Morales vom Volk der Aymara ab.
Außenminister Choquehuanca stammt wie Präsident Morales vom Volk der Aymara ab.(Foto: REUTERS)

Damit möchte die Regierung ein Zeichen für den politischen Wandel setzen, den die Regierung unter Präsident Evo Morales anstrebt. Bei den Bürgern ruft das umgedrehte Ziffernblatt jedoch bislang vor allem Sprachlosigkeit und Spott hervor.

Außenminister David Choquehuanca und Senatspräsident Eugenio Rojas, die wie Morales ihre Wurzeln im indigenen Volk der Aymara haben, informierten die Öffentlichkeit heute in separaten Pressekonferenzen über die sogenannte "Uhren des Südens"-Initiative. Damit wollten sie bei ihren Landsleuten das Bewusstsein dafür stärken, dass es sich bei Bolivien um ein Land des Südens und nicht des Nordens handelt, aus dem die ehemaligen Kolonialmächte stammen.

"Wir leben im Süden und sollten uns unsere Identität zurückholen. Die Regierung folgt wieder dem alten Brauch der Quechua, nach dem sich die Uhren links drehen sollten", so Choquehuanca.

Der Außenminister bestand darauf, dass die Initiative "niemandem Schaden" zufüge. Sie diene einzig dem Zweck, die eigene Kultur aufzuwerten. "Wer sagt, dass die Uhr sich immer nur in die eine Richtung drehen muss? Warum glauben wir, dass wir immer gehorchen müssen und nicht kreativ sein dürfen?", zitierte die spanische Zeitung "El Mundo" Choquehuanca.

"Alle denken erstmal an einen Fehler"

Die Uhren-Initiative steht angeblich im Zusammenhang mit einer Reihe von weiteren Vorhaben, die die indigene Kultur des Anden-Staates aufwerten sollen. Dazu gehöre beispielsweise die einheimische Whipala-Flagge, die heute ein verfassungsmäßig anerkanntes Nationalsymbol darstellt. Ebenso nannte er das Koka-Blatt, welches genauso von der Verfassung geschützt sei, oder Aktionen zur Ehrung von Mutter Erde, der "Pachamama".  

Boliviens Behörden müssten darauf hinarbeiten, die Identität des Südens zu stärken. Allerdings könne man niemanden dazu zwingen, die neuen Uhren zu benutzen. "Wenn sie ein Süd-Uhr kaufen wollen, nur zu. Wenn sie aber eine Nord-Uhr benutzen wollen, dann tun sie das. Man kann nichts erzwingen", antwortete Choquehuanca auf die Frage, ob die Regierung die Nutzung der Uhren ausweiten wolle.

"Wenn sie die Botschaft senden wollen, dass dieses Land sich rückwärts bewegt, dann müssen sie das erstmal allen vorbeikommenden Passanten erklären", sagt der vor dem Parlament arbeitende Schuhputzer Franz Galarza. "Denn alle denken erstmal, dass es sich dabei um einen Fehler handelt. Wenn das aber eine politische Idee war, dann war es eine schlechte Idee."

Quelle: n-tv.de

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