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Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.(Foto: dpa)

Peinigern droht Todesstrafe: Indische Richter eröffnen Prozess

In Indien sorgt die bestialische Tat für Proteste, international ruft sie Entsetzen hervor. Nun wird fünf mutmaßlichen Peinigern der jungen Inderin, die nach einer Gruppenvergewaltigung stirbt, der Prozess gemacht. Den Männern droht der Galgen.

Knapp sechs Wochen nach dem Tod einer von mehreren Männern vergewaltigten Studentin hat in Indien der Mordprozess gegen ihre mutmaßlichen Peiniger begonnen. Zum Auftakt sagte der Begleiter der 23-Jährigen aus der Tatnacht vor dem Schnellgericht in Neu Delhi aus, wie Anwälte aus dem Gerichtssaal berichteten. Der Prozess wegen der Gruppenvergewaltigung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Den Angeklagten droht die Todesstrafe.

Vor dem Schnellgericht in der indischen Hauptstadt wird fünf mutmaßlichen Tätern der Prozess gemacht. Ein sechster Verdächtiger, der nach Einschätzung der Ermittler besonders brutal vorging, ist noch minderjährig. Ein Jugendgericht kann ihn zu maximal drei Jahren Haft verurteilen. Wann es zu einem rechtskräftigen Urteil kommen wird, ist nicht absehbar. Gegen eine Entscheidung des Schnellgerichts können die Männer in Berufung gegen. Sollten sie zum Tode verurteilt werden, können sie ein Gnadengesuch beim Präsidenten stellen.

Vergewaltigt und gefoltert

Protestplakat der "All India Progressive Women's Association" (AIPWA).
Protestplakat der "All India Progressive Women's Association" (AIPWA).(Foto: dpa)

Der 28 Jahre alte Hauptzeuge und einzige Augenzeuge war am 16. Dezember gemeinsam mit der Studentin nach einem Kinobesuch in einen Bus gelockt worden. In dem fahrenden Bus vergewaltigten mehrere Männer die Frau und folterten auch den Begleiter. Die 23-Jährige starb dann Ende Dezember an ihren Verletzungen. Der Fall hatte in Indien zu Protesten und einer gesellschaftlichen Debatte über die im Land alltägliche Gewalt gegen Frauen geführt. Auch international hatte das bestialische Verbrechen Entsetzen hervorgerufen.

Die fünf erwachsenen Angeklagten - ein Busfahrer und dessen Bruder, ein Obsthändler, ein Fitnessstudio-Trainer und ein Putzmann - gestanden kurz nach ihrer Festnahme bei der Polizei. Demnach begaben sie sich am 16. Dezember angetrunken auf eine "Vergnügungsfahrt" mit einem Privatbus und hielten nach einem Mädchen Ausschau, wie es in dem Polizeibericht an das Gericht heißt.

80 Zeugen sagen aus

Nach der Gruppenvergewaltigung sollen die Beschuldigten versucht haben, die Opfer mit dem Bus zu überrollen, um nicht von ihnen identifiziert werden zu können. Die Verteidigung beschuldigte die Polizei, die Geständnisse unter Folter erzwungen zu haben. Das Gericht ließ laut Anwälten zwölf Anklagepunkte zu, darunter Mord, Gruppenvergewaltigung, Entführung und die Vernichtung von Beweisen.

Die fünf erwachsenen Angeklagten erklärten sich im Vorverfahren für unschuldig. Die Staatsanwaltschaft soll allerdings erdrückende Beweise haben. So sollen Ermittler unter anderem Blutspuren des Opfers auf der Kleidung der Männer gefunden haben. Insgesamt will die Anklage mehr als 80 Zeugen laden.

Unmittelbar vor Beginn des Prozesses hatte die indische Regierung die Strafen für sexuelle Gewalttäter verschärft. Nach einer entsprechenden Rechtsverordnung können Vergewaltiger nun auch in besonders schweren Fällen zum Tode verurteilt werden. Auch Wiederholungstätern droht der Galgen. Zuletzt war in Indien im November der letzte überlebende Angreifer der Terrorserie von Mumbai gehängt worden. Zwischen der Tat und der Hinrichtung waren rund vier Jahre vergangen.

Quelle: n-tv.de

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