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Der Ajatollah Ali Khamenei wünscht sich eine Verdopplung der iranischen Bevölkerung.
Der Ajatollah Ali Khamenei wünscht sich eine Verdopplung der iranischen Bevölkerung.(Foto: picture alliance / dpa)

Staat wünscht sich mehr Kinder: Iran verbietet Reklame für Verhütung

Rückläufige Geburtenraten, eine alternde Gesellschaft: Auch im Iran findet ein demografischer Wandel statt. Dem will die Führung entschlossen entgegentreten und verbietet nun unter anderem Werbung für Verhütungsmittel.

Das iranische Parlament hat die Werbung für Verhütungsmittel in der Presse verboten. Das neue Gesetz, mit dem der Abwärtstrend bei der Geburtenrate im Land gestoppt werden soll, wurde von der Mehrheit der 290 Abgeordneten verabschiedet. Verboten wurden Presseartikel, die eine Geburtenkontrolle befürworten. Frauenärzte dürfen nur noch dann eine Abtreibung vornehmen, wenn die Gesundheit der Mutter ernsthaft gefährdet ist.

Das Gesetz ist Ausdruck einer Kehrtwende der iranischen Familienpolitik. Die zeichnet sich seit geraumer Zeit durch Maßnahmen wie eine Verlängerung der Mutterschaftszeit und die Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs ab.

Angst vor Überalterung

In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen hatte der Iran Ende der Neunziger die Geburtenkontrolle vorangetrieben. Damals wurden Verhütungsmittel sogar gratis verteilt. Die Vereinten Nationen hatten die Initiative für Familienplanung gelobt. Der einflussreiche Klerus jedoch war stets gegen das Programm und hat sich nun auch im Parlament durchgesetzt.

Der Iran hat eine Bevölkerung von über 80 Millionen Menschen. Seit Anfang der 1980er-Jahre ist die Geburtenrate im Iran rapide zurückgegangen. Gebar eine Frau 1982 im Durchschnitt noch 6,5 Kinder, waren es im Jahr 2011 nur noch 1,6. Das Bevölkerungswachstum liegt laut Weltbank bei 1,3 Prozent. Die einstige Furcht vor einer Bevölkerungsexplosion ist über die Jahre einer Angst vor Überalterung gewichen.

Quelle: n-tv.de

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