Panorama

Endgültig zum Verkauf zugelassen: Italien genehmigt RU 486

Trotz des heftigen Widerstands der katholischen Kirche lässt Italien die Abtreibungspille RU 486 - auch als Mifegyne bekannt - endgültig zum Verkauf zu.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Die Zulassung durch die italienische Arzneimittelbehörde AIFA trat durch ihre Veröffentlichung in der Online-Ausgabe des Amtsblattes in Kraft. Die Behörde hatte der umstrittenen Abreibungspille nach einem fast zweijährigen Verfahren bereits Ende Juli die Zulassung erteilt. Allerdings durfte das Präparat zunächst nur in Krankenhäusern verwendet werden.

Angesichts massiver Kritik der katholischen Kirche sowie aus den Reihen der Regierung hatte der italienische Senat die AIFA jedoch zu einer erneuten Einschätzung aufgefordert. Vor einer Woche hatte die Behörde ihre Entscheidung vom Sommer allerdings bestätigt.

Alternative zur Operation

RU 486 bietet Frauen beim Schwangerschaftsabbruch in den ersten fünf bis sieben Schwangerschaftswochen eine Alternative zum chirurgischen Eingriff. Die verschreibungspflichtige Abtreibungspille ist in zahlreichen europäischen Ländern erhältlich - darunter Großbritannien, Schweden, Österreich, Belgien und Spanien. In Deutschland wird das Medikament unter dem Namen Mifegyne seit 1999 vertrieben. Das Präparat darf nach einer europaweit gültigen Regelung bis zum 63. Tag der Schwangerschaft eingenommen werden.

Abtreibung seit 1978 legal

In Italien ist Abtreibung seit 1978 erlaubt. Ärzte haben aber das Recht, den Eingriff aus Gewissensgründen zu verweigern. Dieses Recht nutzen nach offiziellen Zahlen rund 70 Prozent der Frauenärzte im Land. Die Kirche lehnt die Abtreibungspille mit Verweis auf das Recht auf Leben vom Moment der Empfängnis an ab. Die italienische Regierung kann lediglich Richtlinien für den Gesundheitsbereich formulieren, die Kompetenz bei der Verwendung von Medikamenten liegt bei den 20 italienischen Regionen.

Der französische Erfinder von RU 486, Etienne Baulieu, hatte im September bei einem Gynäkologenkongress in Rom darauf hingewiesen, dass Italien das "einzige wichtige Land Europas" sei, das die Abtreibungspille noch nicht zugelassen habe.

Papst wettert gegen "Plage der Abtreibung"

Laut Statistiken des Gesundheitsministeriums kam es 2008 in Italien zu etwa 121.000 gemeldeten Schwangerschaftsabbrüchen - rund 4,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Vatikan ist strikt gegen Abtreibung und auch gegen jede Schwangeren-Konfliktberatung. Zuletzt beklagte Papst Benedikt XVI. in seiner im Juli veröffentlichten Sozialenzyklika "Caritas In Veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) die "verbreitete tragische Plage der Abtreibung".

Quelle: n-tv.de

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