Panorama
Da hat er noch gut lachen: Jérôme Adjallé vor der Show.
Da hat er noch gut lachen: Jérôme Adjallé vor der Show.

Großspurige Studentin enttäuscht Vertrauen: Kandidat verzockt 124.500 Euro

Von Julian Vetten

Hochmut kommt vor dem Fall: Eine junge Studentin überredet "Wer wird Millionär"-Kandidat Jérôme Adjallé mit großen Worten zu einer falschen Antwort, die ihn teuer zu stehen kommt. Dabei war der Mann schon auf dem richtigen Weg.

Fassungslosigkeit und Entsetzen: Sollten sich die Schauspielschüler dieser Welt einmal fragen, wie man diese Emotionen originalgetreu auf die Bühne bringt, bei der jüngsten Folge von "Wer wird Millionär" werden sie fündig. Aber von vorne.

Der Abend lief gut für Jérôme Adjallé. Einigermaßen souverän hatte sich der 32 Jahre alte Berliner bei Günther Jauch von Frage zu Frage gehangelt, stand mittlerweile bei 125.000 Euro. Zwei Joker waren zwar bereits weg, aber weil der Magier ohne die Sicherheitsstufe bei 16.000 Euro spielte, standen ihm neben dem Telefonjoker auch noch die Befragung eines Zuschauers aus dem Publikum zu.

Au Backe: Günther Jauch schwant Übles.
Au Backe: Günther Jauch schwant Übles.

Dann die Frage: "Wer auf der "Tribüne" Platz nimmt, tut dies der Wortherkunft zufolge eigentlich, um … ? A: Gekrönt zu werden, B: Recht zu sprechen, C: Orgien zu feiern, D: Almosen zu verteilen." Adjallé war sich alles andere als sicher - unter den Telefonkandidaten wartete glücklicherweise auch sein ehemaliger Deutsch- und Geschichtslehrer auf einen Anruf: Der musste es doch wissen!

Und tatsächlich, nach kurzem Überlegen riet sein ehemaliger Magister dem jungen Mann zu Antwort B und lieferte die Erklärung gleich mit: "Tribüne" habe mit dem Tribunal zu tun und deute deshalb auf Rechtssprechung hin. Klingt schlüssig? Nicht schlüssig genug für den 32-Jährigen, der sich obendrein noch von Jauch verunsichern ließ. Und um die Sache wasserdicht zu gestalten, kann man bei so einer stolzen Summe doch ruhig auf Nummer sicher gehen und den letzten Joker auch noch bemühen. Oder?

Die hübsche Blondine muss es ja wissen

Die Wissenden aus dem Publikum wurden also aufgefordert, sich zu erheben, in der Mehrzahl standen gesetzte Herren mittleren Alters auf. Adjallé traf eine ausgefallene Wahl: "Ich nehme die junge Dame da oben", sagte der Magier und deutete auf eine hübsche Blondine. Die 19-Jährige stellte sich als Jurastudentin vor und trug selbstbewusst vor, warum sie richtig liegen musste: Erstens habe sie römische Rechtsgeschichte im Studium gehabt, von daher falle B weg. Zweitens habe sie immer eine 1 in Latein gehabt und außerdem ein großes Latinum. Wer so überzeugt von sich selbst ist, kann nur richtig liegen, muss sich Adjallé  wohl gedacht haben und ließ sich trotz des verzweifelten Kopfschütteln des Mannes hinter der Studentin auf ihre in Stein gemeißelte Antwort ein: D, die Almosen sollten es werden.

Nach der Werbung dann der Schock: "Der Begriff 'Tribüne' geht zurück auf den römischen 'Tribun'. Wir kennen den Begriff Tribunal – Tribunal ist der erhöhte Platz für den Richterstuhl des Tribunen", las Jauch gequält vor. Stöhnen im Publikum, blitzschnell schwenkte die Kamera zu der jungen Blondine, die merkwürdig verkrümmt mit offenem Mund und leerem, glasigem Blick in die Runde starrte. Sekundenlang keine Reaktion von Adjallé, bis der Magier schließlich ein dünnes "Fuck!" über die Lippen brachte und fassungslos zur Studentin hochblickte.

Unklar, wer in diesem Moment entsetzter war: Der Magier, soeben von 125.000 Euro auf 500 Euro zurückgefallen, oder die junge Frau, die ihn mit ihrem Hochmut um die Summe gebracht hatte. Zumindest der Zuschauer konnte an diesem Abend eine Lektion mit nach Hause nehmen: Der Lauteste hat nicht immer Recht.

Das hat die angehende Juristin, die übrigens schon einmal in einer Quizshow zu Gast war, vielleicht nun auch gelernt. Der Titel der ARD-Sendung, bei der sie damals mitspielte: "Null gewinnt". Nomen est omen, wie die Lateiner wohl sagen würden ...

Quelle: n-tv.de

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