Panorama

Sturm, Flut, Vulkanausbruch, GeburtKeine ruhigen Weihnachten

25.12.2009, 12:33 Uhr
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Venedig steht unter Wasser, aber ... (Foto: REUTERS)

Schnee, Eis und stürmisches Wetter trüben in Europa und den USA die Weihnachtslaune. Venedig erlebt eine Rekordflut. Wegen eines heftigen Wintersturms bleiben in den USA viele Kirchen geschlossen. Auf den Philippinen feiern tausende Menschen Weihnachten in Notunterkünften - der Vulkan Mayon steht kurz vor dem Ausbruch.

In Großbritannien sorgten eisige Temperaturen neben zahlreichen Flugannullierungen erneut für Einschränkungen bei Reisen mit dem Eurostar. Nach dem Chaos der vergangenen Tage versprach der Betreiber, dass bis zum Wochenende etwa 90 Prozent der Züge durch den Ärmelkanal-Tunnel nach Frankreich wieder fahren werden.

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... die Lichter brennen noch. (Foto: dpa)

Auf Spaniens Kanarischen Inseln mussten mehrere Flughäfen wegen heftiger Regenstürme schließen. Davon betroffen waren rund 4000 Feriengäste der Inseln La Palma, Gomera und El Hierro. Rund 10.000 Menschen waren zudem auf La Palma ohne Strom. In Russland erlebte Sankt Petersburg den heftigsten Schneefall seit 1881.

"Acqua Alta" in Venedig

Die Lagunenstadt Venedig stand in der Heiligen Nacht unter Wasser: Auf 145 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel stieg das Hochwasser. Starke Niederschläge speisten das erneute "acqua alta" in Venedig und ein scharfer Scirocco-Wind trieb die Wassermassen dann zu dieser Jahres-Rekordhöhe. Der Höchststand blieb zwar um fünf Zentimeter unter der Vorhersage, doch auch so war weit mehr als die Hälfte des historischen Zentrums der Stadt überflutet.

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Wer mit dem Eurostar reisen will, braucht weiterhin Geduld. (Foto: REUTERS)

Das "acqua alta", wie die Venezianer sagen, war das achthöchste in der Geschichte der Lagunenstadt. Drei Tage hintereinander hatte das Hochwasser damit mehr als 130 Zentimeter über dem Meeresspiegel gelegen. Besonders schwer betroffen von den Rekord-Wassermassen war die für ihre Spitzen-Herstellung bekannte Insel Burano, wo praktisch alle niedrig gelegenen Wohnungen überflutet wurden.

Nach den Schneemassen und der Regenflut der vergangenen Tage hielten Erdrutsche und über die Ufer tretende Flüsse vor allem in Ligurien die Feuerwehren in Atem. Nahe der Mündung des Flusses Magra mussten sich Hunderte Menschen vorsorglich in Sicherheit bringen, als das Wasser immer näher rückte. Auch in dem Ort Cernaia im Hinterland von San Remo wurden die Häuser von 19 Familien evakuiert. Einige Straßen wurden gesperrt. In der Nähe von Brescia entgleiste ein Lokalzug wegen eines Erdrutsches, es gab sechs Leichtverletzte.

Orkanböen in der Schweiz

Stürmische Winde fegten am Weihnachtsmorgen über die Schweiz. In den Bergen erreichten die Böen teils Orkanstärke - so etwa am Säntis in den Appenzeller Alpen auf 2500 Meter Höhe mit 136 Stundenkilometern. Wegen des Sturms wurde der Betrieb der Luftseilbahn eingestellt. Am Pilatus-Massiv mit über 2000 Metern wurden noch über 110 Stundenkilometer gemessen, wie der Wetterdienst Meteonews mitteilte.

Der starke Wind hat in den Bergen auch die Lawinensituation verschärft: Im Engadin wurden am Weihnachtsmorgen Strecken der Rhätischen Bahn unterbrochen. Im Oberengadin und weiteren Teilen des Kantons Graubünden sowie in den Tessiner Alpen herrscht laut dem Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) in Davos große Lawinengefahr. Dies entspricht der zweithöchsten Warnstufe.

Kirchen bleiben geschlossen

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Im Süden der USA - hier in Louisiana - wüteten schwere Stürme. (Foto: AP)

In zahlreichen Kirchen der USA fielen die Christmessen an Heiligabend und dem ersten Weihnachtstag wegen eines heftigen Wintersturms mit eisigen Temperaturen aus. Nach Angaben eines Sprechers des US-Wetterdienstes zog der Sturm rund zwei Drittel der USA in Mitleidenschaft. Im Süden sorgte er für schwere Unwetter, im restlichen Teil für Eisregen und Schneestürme. Besonders betroffen waren die Bundesstaaten Oklahoma, Kansas, North und South Dakota sowie Minnesota. Bis Donnerstag starben 19 Menschen bei Unfällen, Millionen weitere strandeten auf dem Weg in den Weihnachtsurlaub. Hunderte Flüge wurden abgesagt.

"Was für ein Schlamassel zu den Feiertagen", sagte Wetterdienst-Sprecher Chris Vaccaro. Für den nördlichen Teil des Landes war nach seinen Angaben am ersten Weihnachtstag mit Schneefall von bis zu 61 Zentimetern zu rechnen, weiter südlich wurden Sturm- und Flutwarnungen ausgegeben. Die Bundesstaaten South Dakota, Texas und Oklahoma riefen den Notstand aus.

Weihnachten in Notunterkünften

Auf den Philippinen verbrachten fast 50.000 Menschen wegen eines drohenden Ausbruchs des Vulkans Mayon den ersten Weihnachtstag in überfüllten Notunterkünften. Die Regierung teilte Essenspakete mit besonderen Leckereien aus, um den Menschen die Situation zu erleichtern. Eine Reihe Politiker brachten Geschenke vorbei. Die Menschen waren in Sicherheit gebracht worden, weil der Vulkan seit zwei Wochen aktiv ist.

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Auf den Philippinen verbrachten tausende Menschen die Weihnachtsnacht in Notunterkünften. (Foto: dpa)

Der Mayon rumorte bedrohlich weiter. In der Weihnachtsnacht registrierten die Behörden 871 vulkanische Beben und 96 Asche-Fontänen, die teilweise bis zu zwei Kilometer über den Krater geschleudert wurden. Vom Kraterrand ergossen sich Lavaströme die Hänge hinunter. An manchen Stellen brachen erkaltete Lava-Teile los und donnerten den Berg hinunter. Die Gefahr eines massiven Ausbruchs sei nicht gebannt, warnten die Experten. Der Mayon ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Seit 1616 ist er etwa 50 Mal ausgebrochen, zuletzt 2006.

Geburt in der Gendarmerie

Eine besondere Weihnachtsfreude erlebte dagegen in Ehepaar in Frankreich: Ausgerechnet auf einer Gendarmerie und dann auch noch an Heiligabend erblickte die kleine Französin Mathilda das Licht der Welt. Die Eltern suchten die Gendarmerie von Fontaines-sur-Saône bei Lyon auf und baten die Beamten um Hilfe, wie einer der Gendarmen erzählte. "Die künftige Mama fühlte sich nicht sehr gut und konnte sich nicht mehr bewegen", sagte er. Daraufhin hätten sie den Rettungsdienst und die Feuerwehr herbeigerufen. "Die kleine Mathilda ist dann hier in der Gendarmerie um 21.29 Uhr zur Welt gekommen."

Quelle: dpa/AFP