Panorama

Zwei Millionen Kinder betroffenKinderarmut nimmt deutlich zu

18.05.2007, 16:31 Uhr

Fast zwei Millionen Kinder unter 15 Jahren wachsen am Rande der Wohlstandsgesellschaft auf. Sie leben in Familien, die Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Sozialgeld beziehen.

Die Zahl der Kinder, die von Sozialhilfe leben, ist im Vergleich zum Vorjahr damit um zehn Prozent gestiegen. Die Berechnungen des Bremer Instituts basieren auf den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit.

Glaubt man den Bremer Berechnungen, bedeutet dies, dass rund 16 Prozent aller Kinder in Deutschland von Sozialhilfe lebt. Am höchsten ist die Kinderarmut in den ostdeutschen Städten Görlitz, Schwerin, Stralsund und Halle (Saale); dort leben über 40 Prozent der Kinder in so genannten SGB II-Bedarfs- gemeinschaften.

Den stärksten Zuwachs gegenüber 2005 verzeichnete allerdings Baden-Württemberg mit 12,6 Prozent auf 149.000 Kinder, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 12,5 Prozent auf fast 74.500. Am unteren Ende liegt Sachsen-Anhalt mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent auf 80.500 betroffene Kinder.

Die meisten armen Kinder leben demnach im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort stieg die Durchschnittszahl von 418.000 im Jahr 2005 auf fast 468.000. In Niedersachsen registrierte die BIAJ einen Zuwachs um 10,9 Prozent auf fast 201.000. Den dritten Platz belegt Bayern mit einem Anstieg um 11,7 Prozent auf fast 155.000 Kinder. Insgesamt war der Zuwachs in Westdeutschland mit 11 Prozent deutlich stärker als in Ostdeutschland mit 7 Prozent.

Die Stadt mit den meisten armen Kindern ist Berlin. Dort müssen mehr als 147.000 Kinder von Sozialhilfe leben, fast zehn Prozent mehr als 2005. In Hamburg sind es 53.700, in der Region Hannover 32.000, in Köln 31.000.

"Trotz guter Konjunktur wächst die Kinderarmut in Deutschland. Familien mit Kindern tragen offensichtlich ein höheres Risiko für Armut", kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, die Zahlen.