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Maike Kohl-Richter isoliert ihren Ehemann, werfen ihr die Söhne des Altkanzlers vor.
Maike Kohl-Richter isoliert ihren Ehemann, werfen ihr die Söhne des Altkanzlers vor.(Foto: picture alliance / dpa)

"Eine Mischung aus Scham und Peinlichkeit": Kohls Söhne rechnen ab

Von Christoph Herwartz

Altkanzler-Sohn Peter Kohl erhebt schwere Vorwürfe gegen die zweite Frau seines Vaters. Für Menschen wie Maike Richter sei die Welt in Gut und Böse aufgeteilt, meint er. Bei einem Blick in ihre Wohnung fühlte er sich an einen Stalker erinnert. Und er erwähnt Gerüchte, nach denen Kohl und seine Frau schon länger zusammen sind als öffentlich bekannt.

Eigentlich sind es keine lustigen Themen, über die Helmut Kohls Söhne in der Talkshow "Markus Lanz" sprechen, aber als der Moderator fragt, ob sie ihren Vater im Moment besuchen können, muss Walter Kohl lachen. Sein Bruder Peter sagt: "Nein. Wenn Schriftstücke erscheinen, ist nicht klar, wer sie geschrieben hat. Es gibt keine Telefonate. Besuche sind nicht möglich. Uns wurde mit Verhaftung gedroht – vor dem eigenen Elternhaus."

Die Kohl-Söhne wollen das Andenken an ihre Mutter bewahren, die, wie sie sagen, die Familie zusammenhielt.
Die Kohl-Söhne wollen das Andenken an ihre Mutter bewahren, die, wie sie sagen, die Familie zusammenhielt.(Foto: picture alliance / dpa)

Am 7. März wäre Hannelore Kohl, die erste Ehefrau des Altkanzlers, 80 Jahre alt geworden. Außerdem haben die beiden Söhne am vergangenen Mittwoch ein Gerichtsverfahren um die Deutung der Familiengeschichte gewonnen. Beides nehmen sie nun zum Anlass, in einer Talkshow über ihre Eltern und die zweite Ehefrau des Vaters, Maike Kohl-Richter zu sprechen. Darüber hinaus erscheint zum Geburtstag der Mutter eine Neuauflage des Buchs, das Peter Kohl vor einigen Jahren geschrieben hat. Neu ist darin ein Brief, in dem der Autor die aktuellen Familienverhältnisse beschreibt.

Der Text kommt einer Abrechnung gleich. Kohl beschreibt darin, wie er die neue Frau seines Vaters erlebt. Gleich der erste Eindruck scheint ein unangenehmer gewesen zu sein. Maike Richter habe nervös und hektisch gewirkt, ein Gespräch sei nicht zustande gekommen. Bei einem weiteren Treffen habe es sich ergeben, dass Kohl für wenige Minuten die Wohnung Richters betrat. Kohl beschreibt den Ort so: "Wo man auch hinschaute, hingen oder standen Helmut-Kohl-Fotografien. Es gab gemeinsame Bilder mit anderen Menschen, Bilder mit Widmungen, Wahlkampf-Memorabilia, ein unter Glas und Passepartout gerahmter Brief mit seiner Unterschrift und sonstige Artefakte. Das Ganze sah nach jahrzehntelanger, akribischer Sammelleidenschaft zum Zwecke der Heldenverehrung aus, wie man es auch von Berichten über Stalker kennt." Als Richter sich und ihren Bruder später als "Kohlianer" bezeichnet, fühlt Kohl "eine Mischung aus Scham und Peinlichkeit".

Maike Richter trägt den Schmuck Hannelore Kohls

Im Folgenden beschreibt Kohl die schleichende Entfremdung von seinem Vater, wie er immer weniger Informationen erhält, etwa als sich Helmut Kohl und seine Partnerin zufällig in Sri Lanka aufhalten, als das Land von einem Tsunami schwer getroffen wird. Die Bilder Hannelore Kohls verschwinden von den Wänden der gemeinsamen Wohnung. "Es drängte sich der Eindruck auf, es ginge ihr darum, alle Verbindungen oder Erinnerungen an Hannelore Kohl, ihre Kinder und Enkel möglichst zu kappen bzw. auszulöschen", schreibt Peter Kohl. "Das funktionierte, denn für Menschen wie Maike Kohl-Richter ist die Welt offenbar vor allem in Gut und Böse eingeteilt. Ich war einer der Bösen, dem der Zugang zu seinem Vater nach und nach verwehrt wurde."

Peter und Walter Kohl klagten erfolgreich gegen einen Biografie ihrer Mutter.
Peter und Walter Kohl klagten erfolgreich gegen einen Biografie ihrer Mutter.(Foto: picture alliance / dpa)

Richter beginnt, die Kleidung der ersten Ehefrau aufzutragen. Besonders schmerzhaft scheint es für Peter Kohl zu sein, dass Richter den Hochzeitsschmuck seiner Mutter anlegt. Er bescheibt auch, wie er in Zeitschriften Bilder findet, die seine Mutter und seine Stiefmutter gegenüberstellen: Maike Richter kombiniert die selben Kleidungsstücke mit dem selben Schmuck.

Beim Talkshowauftritt merkt man, dass es Peter und Walter Kohl nahe geht, über den Tod ihrer Mutter zu sprechen und das, was danach passierte. Sie wissen auch, dass eine Familie, die sich zerstreitet, nichts Ungewöhnliches ist. Doch diese Familie steht so im Interesse der Öffentlichkeit, dass die Brüder sich die Geschichtsschreibung nicht aus der Hand nehmen lassen wollen. Außerdem wollen sie das Andenken an ihre Mutter ehren, das sie durch das Vorgehen ihrer Stiefmutter gefährdet sehen.

"Es ist besser, wenn ihr geht"

Die Brüder berichten, wie sie aus der Zeitung von der Verlobung und der Heirat ihres Vaters erfahren müssen, wie die neue Ehefrau Besuche verhindert und wie der Biograf des Altkanzlers den Söhnen eine Mitschuld am Tod der Mutter gibt – was ihm mittlerweile untersagt ist. Hannelore Kohl nahm sich am 5. Juli 2001 selbst das Leben.

Zum letzten Mal sah Peter Kohl seinen Vater im Mai 2011. Mit einem Trick kam er an den Sicherheitskräften vorbei, seine Stiefmutter war nicht anwesend. Mit dabei war Peter Kohls Tochter. Sein Vater habe sich gefreut, die Enkelin zu sehen, doch nach etwa zehn Minuten habe er zu verstehen gegeben: "Es ist besser, wenn ihr geht, sonst gibt es wieder riesigen Ärger." Kurz darauf habe Richter ihn angerufen und auf ihn eingeschrien. An der sechs Wochen später stattfindenden Trauerfeier zum zehnten Todestag Hannelore Kohls "konnte oder durfte" ihr Witwer nicht teilnehmen. Auch das Grab besuchte er an diesem Tag nicht. Ein Versuch, ihn zu besuchen, sei erfolglos geblieben, obwohl er zu Hause gewesen sei. Wenige Tage später hätten Helmut Kohl und seine Frau gemeinsam ein Fußballspiel besucht.

Öffentlich erklärte Helmut Kohl mehrfach, wie sehr ihm seine neue Frau helfe und wie sehr er sie liebe.

"Mama, das haben wir für dich getan"

Die Söhne fürchten nun eine Beschädigung des Ansehens ihrer Mutter. In der Talkshow beschreiben sie noch einmal die emotionalen Momente. "Sie ist in meinem Zimmer, in meinem Kinderbett gestorben", sagt Walter Kohl. Der Anruf mit der Todesnachricht habe seine Frau unterbrochen, als sie gerade ihre Schwangerschaft verkünden wollte, berichtet der Bruder. Die Mutter habe in ihrem Abschiedsbrief der Familie aufgetragen, sich zu vertragen. "Wir haben diesen Auftrag nicht erfüllt", sagt Walter Kohl. Die Aufarbeitung der Familiengeschichte geschehe nun in ihrem Andenken. Er und sein Bruder wollten sagen können: "Mama, das haben wir für dich getan."

Nicht im Detail eingehen wollen die Brüder auf die Gerüchte, dass ihr Vater schon Jahre vor dem Tod seiner Frau ein Verhältnis mit Maike Richter hatte. Doch sie halten sie für wahr: Peter Kohl schreibt, ein "engster Vertrauter" des Altkanzlers datiere den Beginn der Beziehung "auf die zweite Hälfte der 90er Jahre". Richter arbeitete zu dieser Zeit im Kanzleramt. Stimmt die Information, wäre sie mehr als eine Klatsch-Geschichte. Immerhin hätte der christdemokratische Kanzler dann seine Ehe gebrochen.

Die Perspektive Maike Kohl-Richters zu den Darstellungen der Söhne wäre interessant. Bislang hat sie sich dazu allerdings nicht öffentlich geäußert.

Quelle: n-tv.de

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