Keine Ruhe in der BanlieueKrawalle weiten sich aus
In vier Vorstädten von Paris zündeten Jugendliche Autos an und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, teilte die zuständige Präfektur mit.
Die Krawalle in Pariser Vorstädten nach dem Tod zweier Jugendlicher haben sich am Montagabend ausgeweitet. In vier Vorstädten von Paris zündeten Jugendliche Autos an und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, teilte die zuständige Präfektur mit.
Alleine in Villiers-Le-Bel seien zehn Autos sowie zahlreiche Mülltonnen in Flammen aufgegangen. Mindestens acht Polizisten wurden verletzt. Die Krawalle hatten sich dort am Vorabend am Tod zweier jugendlicher Kraftradfahrer entzündet, die mit einem Streifenwagen kollidiert waren.
Von China aus hatte Frankreich Präsident Nicolas Sarkozy zuvor zur Ruhe aufgerufen. Das Justizsystem müsse nun entscheiden, wer die Verantwortung für den Unfall trage, der die ersten Proteste am Sonntag ausgelöst hatte.
Dutzende Jugendliche griffen am Montag mit Wurfgeschossen die Polizei an, die Tränengas und Gummigeschosse einsetzte. Barrikaden gingen in Flammen auf. "Wir haben gehört, sie wollen das Rathaus abbrennen", sagte ein Einwohner. "Wir haben Angst um unsere Autos." Ein Mann erklärte, das Einwandererviertel sei eine heiße Zone. "Wir sind hier schon nicht mehr in Frankreich."
Die Unruhen griffen auf weitere Städte des Dpartements Val d'Oise nördlich von Paris über. Die Szenerie erinnerte an die wochenlangen Jugendkrawalle in Einwanderervierteln vor zwei Jahren. Auch damals war der Tod zweier Jugendlicher der Auslöser.
Am Vorabend waren in Villiers-Le-Bel 28 Autos in Flammen aufgegangen und 40 Beamte verletzt worden. Die örtliche Polizeiwache brannte aus, die des Nachbarortes Arnouville wurde verwüstet. Zwei Autowerkstätten und eine McDonald's-Filiale sowie zwei Geschäfte wurden angezündet. Es gab neun Festnahmen.
Gegen die am Unfall beteiligten Beamten wird routinemäßig wegen fahrlässiger Tötung sowie wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Innenministerin Michle Alliot-Marie forderte die volle Aufklärung des Unfallhergangs. Die Hinterbliebenen der Jugendlichen riefen zur Ruhe auf. Am Nachmittag gab es einen Schweigemarsch in der Nähe des Unfallortes.
Die Polizeiinspektion geht davon aus, dass die 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen auf dem nicht zugelassenen Kleinkraftrad zu schnell gefahren sind und die Vorfahrt des Polizeifahrzeugs nicht beachteten. Der Streifenwagen sei ohne Blaulicht normal unterwegs gewesen. Einwohner von Villiers-Le-Bel bezweifeln diese Version.